Der 9. Mai ist der gewöhnlichste Tag des Jahres. Zumindest statistisch gesehen. Und genau darum ist das der Stichtag, an dem der Zensus 2011 in Deutschland durchgeführt wird. Für die Volkszählung wurden im Jerichower Land drei Erhebungsstellen eingerichtet. Befragt werden alle Hausbesitzer und im Schnitt zehn Prozent der Haushalte.

Genthin. 2011 ist das Jahr der Volkszählung. Angeordnet ist die für Deutschland durch die Europäische Union. Die Daten, die bei der Befragung ermittelt werden, sollen unter anderem als Grundlage für neue Gesetze dienen, die das europäische Parlament erlässt. Für die Umsetzung des so genannten Zensus 2011 sind das Statistische Bundesamt, die Landesämter und die Kommunen zuständig. Letztere haben dafür Erhebungsstellen eingerichtet. In Genthin, Burg und Möckern sind die Stellen des Landkreises.

Die Mitarbeiter sind seit 2010 von der Stadt an die Erfassungsstelle bis zum April 2012 entliehen. Eigentlich ist Rita Wagner für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung verantwortlich.

Die letzte Volkszählung in der DDR gab es 1981

Die letzte Volkszählung gab es 1981, also noch zu DDR-Zeiten. Auf Erfahrungswerte kann man daher nicht zurückgreifen. Alle notwendigen Materialien, vom Fragebogen bis zum Computerprogramm, bekommen die Erfassungsstellen vom Statistischen Landes- beziehungsweise vom Bundesamt.

Drei Teile umfasst der Zensus 2011: die Gebäude- und Wohnungszählung, die Haushaltebefragung und die Erhebung an Anschriften mit Sonderbereichen.

Der erste Teil betrifft alle Hausbesitzer. Ende vergangenen Jahres wurden dazu erste Briefe an die Besitzer versandt, die über die Zählung informieren. Es ist der umfangreichste Teil des Zensus 2011. Deutschlandweit werden schätzungsweise 19 Millionen Gebäude mit Wohnraum und 39 Millionen Wohnungen erhoben. Das übernimmt das Bundesamt. Zum Stichtag 9. Mai werden die Erhebungsunterlagen versandt, die jeder in Papierform oder im Internet innerhalb von 14 Tagen ausfüllen muss.

Die Hauptaufgabe für die Erfassungsstellen im Landkreis wird die Haushaltebefragung sein. Dafür werden noch Interviewer gesucht (siehe Infokasten). "Vorgegeben ist je 100 Befragten ein Interviewer", erklärt Rita Wagner. Für die Erfassungsstelle Genthin, die neben der Stadt mit den Ortsteilen auch die Gemeinden Jerichow und Elbe-Parey umfasst, werden ab dem 9. Mai etwa 4100 Menschen befragt. Die Auswahl der Haushalte erfolgt computergestützt nach Zufall, um die Repräsentativität zu gewährleisten. Rita Wagner möchte auf Nummer sicher gehen. Darum sucht sie zusätzlich zu den 41 Interviewern, die laut Empfehlung benötigt und bereits ausgewählt sind, weitere Befrager.

Aufgabe der Interviewer ist es, alle im ausgewählten Haushalt lebenden Personen zu befragen. Dazu gibt es einen Fragebogen, der auch im Internet ausgefüllt werden kann. Es werden Fragen nach der Person, dem Beruf, der Schulbildung und der Religionszugehörigkeit gestellt.

Anreiz für die Interviewer soll die Entlohnung bieten. Füllt der Befrager den Bogen gemeinsam mit den Ausgewählten aus, erhält er je Stück 7,50 Euro. Gibt der Interviewte den Fragebogen selbst in der Erfassungsstelle ab oder füllt ihn im Internet aus, gibt es immer noch 2,50 Euro. Bis 175 Euro Verdienst sind steuerfrei. Im April werden die Interviewer für ihre Aufgabe geschult.

Im Mai und Juni laufen die Befragungen, deren Termine im einzelnen zwischen den Fragenden und den Befragten vereinbart werden. Wer den Interviewer nicht in die Wohnung lassen will, füllt den Fragebogen allein oder im Internet aus.

Fragebögen gehen auch an Justizvollzugsanstalten

Dritter Teil des Zensus 2011 ist die Erhebung von Sonderanschriften. Dahinter verbergen sich Justizvollzugsanstalten, Behinderten-, Obdachlosen-, Alten-, Pflege- und Studentenwohnheime sowie Internate. Die Erfassungsstellen organisieren auch dafür die Befragung, die jedoch durch die Einrichtungen selbst durchgeführt werden.

Die Teilnahme an der Volkszählung ist ein Muss. Das ist in einem eigens erlassenen Gesetz festgeschrieben. Als letztes Druckmittel gegen Verweigerer könnte aber auch Zwangshaft drohen.

Alle Fragebögen sind personalisiert. Das lässt die Frage nach Datenschutz aufkommen. Alle an der Datenerhebung Beteiligten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Daten werden auch nicht an Dritte wie zum Beispiel die Jobcenter weitergegeben.

Nach der Volkszählung werden die Erfassungsstellen die Daten an das Landes- und das Bundesamt für die Auswertung weiterleiten. Danach werden sich die Erfassungsstellen mit den Mahnverfahren derjenigen beschäftigen, die eine Teilnahme verweigert haben.