Das Leader-Projekt im Jerichower Land hat sich seit 1991 ausgezahlt. Zwischen Jerichow und Loburg wurden insgesamt 30 Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund drei Millionen Euro angeschoben. Und auch für dieses Jahr bestehen finanzielle Chancen auf Förderungen.

Burg/Genthin. "Leader ist heute eine gute Möglichkeit, den ländlichen Raum nachhaltig zu stärken", sagte Kreisvorstandsmitglied Bernd Girke während eines Treffens mit dem Leader-Management der drei Lokalen Aktionsgruppen, die im Jerichower Land tätig sind. Bis auf Biederitz sind alle Kommunen in Leader integriert - mit zahlreichen Vorhaben, die nicht zuletzt das Heimatgefühl in der Region stärken.

Beispiele für gelungene Investitionen liegen quasi vor der Haustür. So verfügt die Elbgemeinde Derben heute über ein kleines Heimat- und Schifffahrtmuseum, betonte Heike Winkelmann von der Leader-Gruppe "Zwischen Elbe und Fiener Bruch". Der Blick in die Derbener Geschichte spiegelt die Entwicklung einer ganzen Elbregion wider. Denn rund 200 Jahre lang konnten viele Familien in Derben und Neuderben sehr gut von der Schifffahrt leben. Heute ist ein einziger Schiffer übrig geblieben. Dafür gibt es zwei Werften, die Derben mittlerweile in der ganzen Welt bekannt machen.

Rund 200 000 Euro Fördermittel hat Elbe-Parey für dieses Projekt vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) erhalten, 140 000 Euro steuerte die Gemeinde zu.

Damit nicht genug. Der Ausbau des Schlosses Zerben, in dem Elisabeth von Plotho lebte und in dem heute Ausstellungen zur Romanfigur Effi Briest stattfinden, ist beendet. Das historische Gebäude zieht mittlerweile viele Touristen an, darunter viele, die den Elberadweg nutzen.

Auch das Leader-Management "Elbe-Saale", das in unserem Landkreis die Stadt Gommern betreut, kann zahlreiche Projekte vorweisen. Der Ausbau des evangelischen Gemeindezentrums Leitzkau oder der Wiederaufbau des Kirchturms in Menz zählen unter anderem dazu. Überregional bekannt wurde vor Kurzem die Kirche in Nedlitz. In einer Gruft liegen dort sieben mumifizierte Körper in Särgen. Wegen ihres guten Erhaltungszustandes sollen zwei Mumien öffentlich gezeigt werden.

Im ersten Sarg ruht Robert Christian von Hake, beigesetzt am 2. August 1720, Kammer-Präsident im Herzogtum Magdeburg und Besitzer des Rittergutes Nedlitz, im zweiten Sarg Johanna Juliane Pforte, geborene Bosche, beigesetzt am 29. Juli 1753, Ehefrau des Oberamtmanns Johann Pforte. Särge und Mumien sollen nun aufgearbeitet werden. "Touristisch gesehen ein vielversprechendes Vorhaben", sagte Gudrun Viehweg vom Leader-Management. Allerdings fehle noch die Co-Finanzierung. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf etwa 60 000 Euro. In Nedlitz hofft man nun auf Sponsoren.

Profitieren vom Leader-Programm kann auch die flächenmäßig große Stadt Möckern, die in der Arbeitsgruppe "Mittlere Elbe-Fläming" integriert ist. Elke Kurzke vom Management konnte interessante Schwerpunkte nennen: die Darstellung der optischen Telegrafenlinie Berlin-Koblenz in Ziegelsdorf, der Naturpark Fläming, der Ausbau der Scheune im alten Ortskern Friedensau als Kulturstätte oder die Sanierung der Kirchen Rosian und Isterbies an der "Straße der gotischen Flügelaltäre".

Besonders wertvoll ist der Flügelaltar in Isterbies aus dem Jahr 1480.

Zudem wird verstärkt auf die Direktvermarktung im Raum Anhalt gesetzt, erläuterte Elke Kurzke. Dieses Projekt ist langfristig angesetzt und bedarf entsprechender Förderungen.

33 Projekte für das Jerichower Land

Überhaupt haben sich die Lokalen Arbeitsgruppen auch für dieses Jahr viele ehrgeizige Ziele gestellt. "Alle drei Aktionsgruppen haben eine Prioritätenliste erstellt", sagte Heike Winkelmann. "Demnach sind Anträge für die Umsetzung bei den zuständigen regionalen Ämtern eingereicht worden. Im Jerichower Land konnten somit insgesamt 33 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 1,93 Millionen Euro und einem Förderbedarf von knapp 1 Million Euro eingereicht werden."

Außerdem: Aus dem so genannten Finanziellen Orientierungsrahmen (FOR) wurde den Lokalen Aktionsgruppen für 2011 und 2012 eine vierte Rate zur Verfügung gestellt - mit nochmals 4,5 Millionen Euro. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Zunehmend problematisch wird es, wenn private Unternehmen und Vereine Vorhaben umsetzen wollen. "Ein Grund dafür sind die fehlenden Landesmittel, die aber dringend zur Co-Finanzierung dieser Projekte benötigt werden", so Heike Winkelmann. Andere öffentliche Träger wie Sparkassen, Lotto-Toto, Stiftungen oder Kommunen könnten hier einspringen.

Trotzdem seien aber weitere Ideen und Partner gefragt, um den ländlichen Raum weiter zu entwickeln, betonte Bernd Girke. Die natürlichen und kulturellen Potenziale der jeweiligen Regionen böten dafür ideale Voraussetzungen.

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