Theater in Genthin, genauer gesagt Puppentheater. In der Begegnungsstätte Lindenhof waren am Dienstagnachmittag Puppenspieler aus Berlin zu Gast, und rund 60 Kinder und deren Eltern und Großeltern saßen im Publikum.

Von Cordula Bischoff

Genthin. Eine Hiobsbotschaft kurz vor Beginn der Vorstellung hinter den Kulissen: Puppenspieler Uwe Kraus, er gibt die Hexe in dem Märchen "Hänsel und Gretel", wurde von der Hexe "geschossen". Damit stand nicht fest, ob er die 45-minütige Spieldauer des Märchens durchhalten würde.

Allerdings hätten die Zuschauer selbst bei seinem Ausfall nicht auf das Theatererlebnis verzichten müssen. "Unser 15-jähriger Sohn Richard steht bereit, er kann jederzeit seinen Vater ersetzen", sagte die Chefin der Bühne, Karina Kraus. "Unsere sechs Kinder sind von Kindesbeinen an mit dem Puppenspiel aufgewachsen, können die Puppen führen, kennen jeden Text." Doch der Vater hielt durch - bis zum Schluss.

Von Beginn an ließen sich die Kinder im Publikum vom Spiel des Berliner Puppenkoffers gefangen nehmen. Die Mädchen und Jungen fieberten mit, klatschten in die Hände, wenn es spannend wurde, lachten erleichtert, als die böse Hexe besiegt wurde. An den spannenden Stellen kuschelten sie sich nicht selten an Mutti oder Vati, Oma oder Opa. Aber richtig ängstlich waren sie nicht, obwohl es bei dem Märchen "Hänsel und Gretel" ja nicht gerade um ein einfaches Thema geht.

Dass die Kinder keine Angst hatten, ist der Inszenierung der Berliner Puppenspieler zu verdanken. Bereits in sechster Generation ist die Familie als Puppenspieler unterwegs. Seit 32 Jahren ist Karina Kraus die Chefin. "Chefin, das ist so ein großes Wort", lacht die Frau. "Ich bin auch Puppenspielerin, baue die Bühne und die Tontechnik mit auf, hänge die Beleuchtung auf. Das machen wir alle. Die Arbeit, die gerade gemacht werden muss, wird von uns allen erledigt."

Tradition wird weiter fortgesetzt

Und das natürlich auch am Vorstellungstag in Genthin. Da verwandeln sich lange Stäbe beispielsweise in eine ansprechende Bühne, da werden aus Kisten Puppen herausgeholt und wenige Stunden später mit Leben erfüllt. "Unsere Puppen sind aus Lindenholz. Manche Bühnen setzen heute auf Plastik oder Pappmaché. Wir nicht", so Karina Kraus. "Wie bei unseren altdeutschen Inszenierungen halten wir uns an die Originaltexte, verfremden sie nicht. Wir spielen die Märchen, wie sie einst aufgeschrieben wurden."

Der Erfolg - auch in Genthin - gibt den Berlinern recht. Sohn Richard wird auch deshalb die Bühne einmal übernehmen. Ein kluger Mann hat mal gesagt, dass Theater für Kinder sein muss, wie für Erwachsene - nur besser. Der Berliner Puppenkoffer hat gezeigt, dass das auch auf einer kleinen Bühne möglich ist.

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