Die Dorfkirche ist neben der Bockwindmühle eines der Wahrzeichen des Örtchens an der Zernau. Vom Dorfplatz haben die Mützeler freie Sicht auf ihr schmuckes Bauwerk. In den vergangenen Tagen wird über die Baumaßnahmen an der Kirche spekuliert. Auch unsere Leserin Ruth Schattschneider möchte wissen: "Was ist genau geplant mit unserer Kirche?" Um Antworten zu bekommen, fragte die Volksstimme bei Pfarrer Reinhard Simon nach:

Mützel (ks). "Die Dorfkirche in Mützel ist stark vom Holzwurmbefall betroffen", erzählt der Pfarrrer. Die gefräßigen Nagekäfer sitzen überall: Im Gebälk, in den Bänken und in den Brettern. Deshalb steht im Frühjahr eine große Holzwurmbekämpfung auf dem Programm.

"Einen genauen Termin haben wir allerdings noch nicht festgelegt, fest steht nur, dass wir den Holzwürmern im Monat Mai den Kampf ansagen", so Reinhard Simon.

Auf Volksstimme-Nachfrage erklärt er genau, wie die Holzwurmbekämpfung funktioniert: Die gesamte Kirche wird mit einer luftdichten Schutzfolie überzogen und dann begast. Das überleben die Insekten nicht. Auch für Menschen seien die Gase gefährlich. Aber durch die Schutzfolie seien die Anwohner keiner Gefahr ausgesetzt. "Das Gas bleibt zwei bis drei Tage in den Räumlichkeiten, bis es verflogen ist. Um kein Risiko einzugehen, werden wir die Schutzfolie aber eine gute Woche über der Kirche lassen", sagt Pfarrer Simon.

Alte Möbel werden gleich mitbehandelt

"Nach dieser Gasaktion wird der Innenraum holzwurmfrei sein." Auch die Menschen haben etwas von der Aktion: "Hauptnutzen ist natürlich, dass sie danach in einer holzwurmfreien Kirche sitzen. Aber wer alte Möbel hat, kann diese in der Kirche abgeben. Die verbleiben dann ebenfalls in den Räumlichkeiten und unter der Schutzfolie und werden gleich mit schadstofffrei gemacht", so der Pfarrer. Anmeldungen zur Schadstoffbekämpfung nimmt er unter der Telefonnummer (0 39 33) 36 05 entgegen.

Holzwürmer zieht es besonders in Keller, Dachböden, Brennholzanlagen - und eben Kirchen. Die Käfer, die nach zwei bis acht Jahren Entwicklungszeit der Larven schlüpfen, sind recht ortstreu und legen ihre Eier vorzugsweise in das Holzstück, in dem sie selbst aufgewachsen sind.

Für die Holzwürmer ist das unproblematisch, für das Holz jedoch gefährlich. Es kann durch die Käfer vollständig zerstört werden.

Genau das soll in der Mützeler Kirche vermieden werden. "Um dieses Wahrzeichen wäre es nämlich sehr schade", meint Reinhard Simon. Der einfache Fachwerkbau wurde 1767 mit dem Erlös einer landesweiten Kollekte von Genthiner Meistern - dazu zählten Maler und Zimmerer - erbaut.

Der Fachwerkbau kostete 1347 Taler

Parallel dazu entstand die alte Schule sowie das Wirtschaftsgebäude. Die Spenden aus ganz Preußen flossen in das Mützeler Wahrzeichen. Die große Informationstafel neben der Kirche gibt Aufschluss über die genauen Kosten des Baus: 1347 Taler, neun Groschen und sechs Pfennige kostetet das Bauwerk demnach. Für Glocke und Turmuhr wurden zusammen 160 Taler bezahlt.

Nach einem Schreiben des Inspektors des Konsistoriums in Burg vom 8. März 1767 war genau festgelegt, was der Prediger von der Gemeinde Mützel zu erhalten hat: Er bekam 18 Groschen für die Copulation (Hochzeiten), Kuchen und Brautsuppe. Für eine Taufe wurden sechs Groschen, für eine Leichenpredigt ein Reichstaler fällig.