Seit Ende Dezember vergangenen Jahres ist die Fähre Ferchland-Grieben außer Betrieb. Waren zunächst Eisgang und Hochwasser die Gründe dafür, ist es inzwischen die Insolvenz des Fähreigners. Ab 1. März sollte sie - übergangsweise von der Gemeinde Elbe-Parey betrieben - wieder verkehren. Doch dies wurde in letzter Minute abgesagt. Die bange Frage vieler Nutzer lautet nun: Wie geht es weiter?

Ferchland/Grieben. Es fällt mittlerweile schwer, Fakten von Spekulationen zu trennen. Denn auf beiden Seiten der Elbe wird kräftig daran gearbeitet, zu einer Lösung zu kommen, damit der Fährbetrieb so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden kann. Doch offenbar gehen die Vorstellungen, wie dieses Ziel erreicht werden kann, auseinander. Auf der Seite des Landkreises Stendal ist es vor allem Griebens Ortsbürgermeisterin Rita Platte, die sich mächtig ins Zeug legt. Auf der Seite des Jerichower Landes hält Elbe-Pareys Bürgermeisterin Jutta Mannewitz die Fäden in der Hand, unterstützt vom Gemeinderat, und - wie am Montag bei einem Gespräch vor Ort Landrat Lothar Finzelberg versicherte - auch vom Landkreis.

Auch auf Landesebene ist das Problem schon thematisiert. Zugleich mit Finzelberg war am Montag der CDU-Landtagsabgeordnete Detlef Radke in Parey. Er berichtete, dass er schon mehrere Gespräche dazu geführt habe, unter anderem vergangene Woche mit Bau- und Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre.

Jeglichen Spekulationen, dass seitens der Gemeinde Elbe-Parey gar kein Interesse daran bestehe, die Fähre weiter zu betreiben, tritt Bürgermeisterin Jutta Mannewitz entgegen. Seit der Anmeldung der Insolvenz sei nach vertretbaren Lösungen gesucht worden, wobei es zunächst um eine Übergangslösung ging, damit die Fähre erstmal wieder fahren kann. "Es war alles vorbereitet, von der Benutzungsentgeltsatzung bis zum bestellten Fährkraftstoff, von der Versicherung bis zum angeheuerten Fährpersonal - aber die Schallmauer des Insolvenzrechtes konnte der Gemeinderat mit all seinen Bemühungen und Angeboten nicht durchbrechen", sagte sie zu dem kurzfristig wieder abgesagten Start des Fährverkehrs in Regie der Gemeinde am 1. März.

Der Pachtvertrag, der der Gemeinde hierfür vom Insolvenzverwalter angeboten worden sei, sei nicht akzeptabel gewesen: Kosten und Risiken für die Gemeinde wären nicht vertretbar und zudem mit Sicherheit von der Kommunalaufsicht beanstandet worden.

Das Thema war damit aber keinesfalls beendet, sondern es wird nahezu täglich um machbare Lösungen gerungen - sowohl um eine günstigere Vertragsgestaltung für den Über- gang auf Pacht-Basis als auch um eine endgültige Lösung. Und diese geht mehr und mehr in die Richtung eines Kaufs durch die Gemeinde Elbe-Parey.

Seit Oktober 2000 privat

Ein Blick zurück: Die Fähre Ferchland-Grieben war, nachdem die Fährverbindung rund 40 Jahre unterbrochen war, nach einem Neubau von Fährschiff und Fährrampen im April 1998 eingeweiht worden. Die damaligen Gemeinden Ferchland und Grieben, unterstützt von ihren Verwaltungsgemeinschaften und Land- kreisen sowie mit erheblicher Förderung durch das Land, haben die Fähreverbindung wieder aktiviert, wobei das Fährrecht von alters her auf Ferchländer beziehungsweise jetzt Elbe-Pareyer Seite liegt. Betrieben wurde die Fähre zunächst von der QSG Genthin, die aber aufgrund von Problemen verschiedener Art bald versuchte, aus dem Vertrag auszusteigen. Per 1. Oktober 2000 gelang das durch Privatisierung: Dietmar Wagner, damals noch gemeinsam mit Joachim Gustavus (Wagus GbR) kauften die Fähre von der Gemeinde.

Inzwischen hatte sich die Fährverbindung wieder etabliert, es gab viele Stamm-Nutzer und zahlreiche Touristen und Ausflügler, die zu den Passagieren zählten. Ein Riesenproblem war der Zustand der falsch konstruierten und zudem viel zu niedrigen Fährrampen. Mit erneuter Förderung wurden diese neu gebaut, was die mögliche Betriebszeit der Fähre erhöhte, da bei höherem Wasserstand gefahren werden konnte.

Jahrelang gut gelaufen

Bis vor etwa zwei Jahren lief das Fährgeschäft gut. Das wurde sowohl aus der Gemeinde anhand der vorgelegten Zahlen bestätigt als auch von Dietmar Wagner selbst. Es sei also nicht so, dass die Fähre von vornherein ein Verlustgeschäft ist, betonte Elbe-Pareys Bürgermeisterin Jutta Mannewitz. Wagner hat auch kein Problem damit, über Zahlen zu reden: Durchschnittlich 10 000 Euro im Monat Umsatz habe die Fähre eingebracht, im Frühjahr und Sommer konnte die Zahl manchmal bis 15 000 Euro hochgehen - abzüglich der Kosten für Löhne, Diesel, Versicherung und so weiter. Dem standen freilich magere Wintermonate bis hin zu null Einnahmen in Stillstandszeiten entgegen. "Im letzten Jahr hat die Fähre 134 Tage gestanden!" Dadurch fehlen ihm etwa 40 000 Euro - das gab den Ausschlag für den Insolvenzantrag, wobei aber auch persönliche Gründe noch mitspielten.

Zwei Beschäftigte und eine Aushilfe hat er zuletzt gehabt - das dürfte tatsächlich ein Minimum für den Betrieb der Fähre sein. Immerhin sind auf der Fähre Rogätz, die etwa 24 Elb-Kilometer weiter in Richtung Magdeburg verkehrt, fünf Mitarbeiter beschäftigt - der Eigner Marko Knuth und vier weitere. Seit 1996 betreibt Knuth die Rogätzer Fähre mit Erfolg, seit 1991 verkehre sie bereits in privater Hand, sagt er. Allerdings seien bei ihm auch die Bedingungen günstiger, räumt er ein: Das Verkehrsaufkommen sei größer und die Fähranleger seien etwa 50 Zentimeter höher als selbst die neuen in Ferchland, weshalb er bei Hochwasser auch länger fahren kann. "Wir hätten sie damals am liebsten noch höher gehabt, aber die Entscheidung trifft das Wasser- und Schifffahrtsamt, weil die Durchflussmenge bei Hochwasser gesichert sein muss."

Im Elbe-Pareyer Gemeindeamt ist man trotzdem zuversichtlich, dass auch ein rentabler Betrieb der Ferchländer Fähre in der Zukunft möglich sein werde - auch in Regie der Gemeinde. Zwar ist zunächst angestrebt worden, dass ein privater Käufer die Fähre übernimmt und vor Ort weiter betreibt, doch dass das klappt, scheint mangels finanzkräftigen Interessenten mehr und mehr Illusion. Über den Insolvenzverwalter ist die Fähre überregional zum Verkauf ausgeschrieben - könnte theoretisch also sonstwo hingehen. Aber auch das sei Illusion, weiß Dietmar Wagner: "Diese Fähre ist für die Elbe gebaut und kann nur hier fahren. Sie kann auch nirgends sonst hingebracht werden, durch keine Schleuse. Das geht nicht."

Aktuelles Kaufangebot

Gestern Nachmittag gab es im Elbe-Pareyer Gemeindeamt erneut eine Zusammenkunft, bei der über das neueste Angebot des Insolvenzverwalters beraten wurde. Tatsächlich zeichnet sich nun ab, dass die Gemeinde trotz der zur Zeit schwierigen finanziellen Situation die Fähre kaufen wird, äußerte sich Jutta Mannewitz zuversichtlich und ist sich auch der Rückendeckung durch den Landkreis sicher. "Wenn wir Eigentümer der Fähre sind, bekommen wir Fördermittel vom Land für dann nötige Investitionen", berichtete sie bereits am Montag von einer entsprechenden Zusage aus Magdeburg, und auch Detlef Radke konnte dies bestätigen: Ihm sei von Minister Daehre eine entsprechende finanzielle Unterstützung zugesichert worden. Immerhin ist die Fähre Ferchland im Landesverkehrswegeplan als "landes- bedeutsam" verzeichnet.

Von etlichen Gemeinderatsmitgliedern hatte Jutta Mannewitz gestern Nachmittag bereits die Zustimmung für das aktuelle Angebot erhalten, weitere hatte sie für den Abend eingeladen und sich auch noch einmal mit Finzelberg beraten. Dieser weiß auch von seinem Stendaler Amtskollegen Jörg Hellmuth, dass er Möglichkeiten der Mitfinanzierung prüfen wolle. Möglich ist also jetzt alles. Die optimistischste Variante dürfte sein, dass die Fähre noch vor Ostern wieder in Betrieb ist.

 

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