Bei der Arbeitsmarktbörse im Genthiner Stadtkulturhaus konnten Arbeitsuchende gestern mit regionalen Unternehmen und Personaldienstleistern in Kontakt treten. Viele ließen ihre Bewerbungsunterlagen da und verließen die Veranstaltung um einiges zuversichtlicher als sie gekommen waren.

Genthin. Gestern Vormittag, kurz vor 10 Uhr: Zahlreiche Arbeitsuchende haben sich vor dem Genthiner Stadtkulturhaus versammelt und warten auf Einlass zur Arbeitsmarktbörse. Die Stimmung ist alles andere als euphorisch. Dennis Voßköhler ist seit Januar ohne Arbeit und macht sich keine großen Hoffnungen, hier einen neuen Arbeitgeber zu finden: "Hier sind vielleicht zehn Prozent richtige Unternehmen, der Rest sind Zeitarbeitsfirmen." Und die Vorurteile gegenüber den Personaldienstleistern sind nach wie vor groß. Die 51-jährige Iduana Müller aus Genthin findet: "Man macht die gleiche Arbeit wie die Stammbelegschaft für weniger Geld - gerecht ist das nicht."

Die Ziele der Arbeitsmarktbörse erläutert Torsten Narr, Geschäftsführer des Job-Centers im Jerichower Land: "Das Angebot richtet sich vor allem an Arbeitnehmer, die sich in der so genannten Aktivierungsphase des Projektes Bürgerarbeit befinden." Diese sollen idealerweise in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Wenn das nicht gelingt, würde ihnen laut Narr ein Bürgerarbeitsplatz in Aussicht gestellt.

Ich möchte über die Vorurteile aufklären

400 potentielle Arbeitnehmer kamen gestern in das Genthiner Stadtkulturhaus. Dort hatten sie die Gelegenheit, mit 25 Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen. Dazu zählte beispielsweise Jörg Hampel vom Personaldienstleister Piening. Er wollte Vorurteile abbauen. Hampel: "Es gibt ganz viele Fälle, in denen es unsere Arbeitnehmer in die Stammbelegschaft eines Betriebes schaffen. Zeitarbeit hat einen schlechten Ruf, weil es einige schwarze Schafe gibt. Im persönlichen Gespräch möchte ich hier über die Vorteile aufklären."

Fred Lücke von "Lücke Bau" Tangermünde ist mit der Hoffnung nach Genthin gekommen, Tief- und Gleisbauer für die Niederlassung in Jerichow zu finden. "Ich bin eher skeptisch, hier passende Bewerber zu treffen." Am späten Vormittag hat sich seine Meinung geändert. Einige Bewerbungsmappen liegen auf seinem Tisch. "Mittlerweile bin ich zuversichtlicher. Für mich hat sich die Arbeitsmarktbörse auf jeden Fall gelohnt."

Die Meinung der Arbeitsuchenden geht in diesem Punkt auseinander. Karina Lechner möchte sich als Produktionshelferin im Genthiner Waschmittelwerk bewerben. Eine fertige Mappe hat sie mitgebracht, auch ein Praktikum hat sie in dem Unternehmen schon absolviert: "Ich finde die Jobbörse praktisch, so bekommt der Arbeitgeber gleich einen Eindruck von mir. Das sagt doch mehr aus, als die Bewerbungsmappe alleine."

Richard Ordner teilt den positiven Eindruck nicht: "Ich arbeitete mein ganzes Leben in der Forst, zum Beispiel als Waldarbeiter. Ich würde auch als Landschaftsgärtner arbeiten. In diesem Bereich wurde hier gar nichts angeboten. "

Patrick Zirk dagegen ist zuversichtlich. Der gelernte Maurer ist bereits drei Jahre ohne Arbeit und würde gern im Bereich Logistik arbeiten. Die Zeitarbeitsfirma Randstad hatte einige Arbeitsplätze für ihn im Angebot: "Ich habe meine Bewerbung da gelassen, man hat mir versprochen, sich zu melden. Wenn das klappt, wäre ich überglücklich." Der 25-Jährige hätte mit einem Personaldienstleister als Arbeitgeber kein Problem: "Hauptsache ich kann endlich wieder arbeiten."

In einem Punkt sind sich die Arbeitsuchenden einig: "Das Projekt Bürgerarbeit hat uns bis jetzt nichts gebracht. In sieben Tagen ist meine Aktivierungsphase vorbei, bis jetzt ist weder eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt, noch ein Bürgerarbeitsplatz in Aussicht", sagt Richard Ordner und viele der Anwesenden geben ihm in dieser Einschätzung recht.