Heilen mit Unterstützung von Klängen - das gibt es schon seit Tausenden von Jahren. Vor allem in Asien haben derartige Verfahren ihre Wurzeln. Im AWO Fachkrankenhaus Jeri- chow haben jetzt 14 Mitarbeiter aus Therapie und Pflege eine Ausbildung zum Klangmassagepraktiker begonnen - nach einer Methode, die Peter Hess auf der Basis von Erfahrungen aus Asien in den 80er Jahren entwickelte.

Von Sigrun Tausche

Jerichow. Tiefe Stille herrschte im Therapiezentrum des Fachkrankenhauses. Die leisen Töne, die beim Anschlagen der Klangschalen entstehen, drangen nicht nach draußen. Im Kreis auf Matten lagen die Seminarteilnehmer und schienen weit entrückt. Nur die zwei Frauen, die das Seminar leiteten, waren wirklich wach. Die eine schlug zart in Abständen auf das Metall, die andere las mit leiser Stimme Anweisungen, mit Hilfe derer die Teilnehmer der Wirkung der Töne auf ihren Körper nachspüren sollten - bis in jeden Winkel. Am eigenen Leibe sollten sie zunächst erfahren, wie sie später mit Patienten arbeiten können.

Anita Böttcher und Eva-Maria Hähnel sind Mitarbeiterinnen des Peter-Hess-Instituts und kommen aus Berlin. Dort habe Oberärztin Dr. Claudia Glöckner bereits eine Ausbildung gemacht und sei so begeistert gewesen, dass sie die Ausbildung hierher in die Klinik nach Jerichow gebracht habe, berichtet Eva-Maria Hähnel. Nach zwei Ausbildungstagen in dieser Woche folgen im Juli weitere zwei Tage und im November viereinhalb Tage. 2012 gibt es dann noch einmal an zwei Tagen das Abschlussseminar. "Es sind sehr viele Bausteine. Die Therapeuten müssen wissen, wie Klangmassage funktioniert, damit sie sie in ihre Arbeitsbereiche einfließen lassen können", erläutert die Ausbilderin. "Man kommt damit sehr schnell in einen Entspannungszustand. Nur dadurch kann man loslassen und es ist eine Neuordnung möglich." Der Selbstheilungsprozess werde unterstützt, und andere therapeutische Behandlungen können effektiver durchgeführt werden. Große Erfolge würden mit der Klangmassage bei Schlaganfallpatienten und bei Demenzpatienten erzielt.

Lange sei diese Therapiemethode in die esoterische Ecke geschoben worden, begründet Eva-Marie Hähnel, die bisher noch nicht so weite Verbreitung. Peter Hess habe sie auf wissenschaftlicher Basis entwickelt.

Auch der bevorstehende Therapietag im Fachkrankenhaus soll genutzt werden, um die Methode in einem Workshop vorzustellen, an dem dann auch Mitarbeiter anderer Einrichtungen teilnehmen können.