Der Elbe-Havel-Kanal ist im Bereich Genthin eine Baustelle (Volksstimme berichtete). Im Herbst 2009 war der Baustart. Auch in den nächsten Wochen wird dort gebaggert. An zwei Bauabschnitten wird derzeit gearbeitet.

Genthin. Auf einer Länge von zehn Kilometern wird der Elbe-Havel-Kanal tiefer und breiter gemacht. Containerschiffe beispielsweise, die die riesigen Metallkisten zweistöckig Huckepack nehmen, sollen hier einmal problemlos fahren können. Dazu brauchen diese und andere so genannte Großmotorgüterschiffe bei voller Beladung eine Wassertiefe von mindestens 2,80 Meter.

Und: Wenn sich zwei dieser großen "Pötte" begegnen, müssen sie natürlich gefahrlos aneinander vorbeifahren können. Dafür muss der Kanal mindestens 55 Meter breit sein. Bisher bot er mit seinen 39 bis 42 Metern Breite einfach zu wenig Platz - doch nicht mehr lange.

"Im Bereich der B1-Brücke sind die Arbeiten links und rechts der Strecke so gut wie abgeschlossen", weiß Henrik Täger, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Magdeburg und damit auch zuständig für Genthin. "Ingesamt gibt es drei Bauabschnitte auf den rund zehn Kilometern. Zwei sind noch im Bau. Das ist die Strecke ganz westlich von Seedorf bis zur Stadtgrenze Genthin und es ist der zweite Bauabschnitt, der zwei Kilometer lang ist und auf der Höhe vom Waschmittelwerk beginnt." Sehr große Schiffe fahren durch Genthin. Ist das realistisch oder ist eher der Wunsch Vater des Gedankens? "Nein", sagt Henrik Täger ganz entschieden. "Der Bedarf ist da. Das wurde im Vorfeld der Bauarbeiten natürlich eingehend geprüft, sonst hätte es auch keinen Planfeststellungsabschluss gegeben. Allein im Genthiner Bereich des Kanalausbaus werden 30 Millionen Euro investiert. Und das nicht ohne Grund. Der Schiffsverkehr ist eine der umweltfreundlichsten Transportmöglichkeiten und nimmt zu".

Die Vorteile des Transports von Waren auf den Wasserwegen kennen natürlich auch die Unternehmen. "Im Zuge unserer Bauarbeiten bekommt ein Maschinenanlagenbauer in Genthin eine Liegestelle. Diese bauen wir gleich mit, die Firma bezahlt allerdings, spart aber trotzdem Kosten. Das Unternehmen kann dann seine hochwertvollen Anlagen sicher mit einem ökologischen Verkehrsmittel transportieren."

Damit die großen Schiffe wirklich künftig auf dem Elbe-Havel-Kanal fahren können, müssen die Brücken eine Durchfahrtshöhe von mindestens 5,25 Metern haben. Ist die überall gewährleistet? "Alle Straßenbrücken haben diese Mindesthöhe, das wurde natürlich bei deren Neubau berücksichtigt", so Täger. "Nur die Fußgängerbrücke beim Waschmittelwerk ist mit ihren 4,70 Meter zu niedrig und muss neu gebaut werden. Damit werden wir im Sommer dieses Jahres beginnen."