Das neue Ausbildungsjahr steht vor der Tür. Glücklich, können sich die schätzen, die schon einen Platz haben. In den nächsten Wochen wollen wir einen Blick auf die Lage auf dem Ausbildungsmarkt werfen. Im ersten Teil kommen die Hauptakteure zu Wort. Sechs Schüler der Klasse 10a der Brettiner Sekundarschule haben mit uns über das Ende ihrer Schulzeit, Bewerbungsstress und Zukunftswünsche gesprochen.

Genthin/Brettin. "Wie man eine Bewerbungsmappe anlegt, können wir singen", erzählt Marvin Helm. "Stimmt", ergänzt Klassenkameradin Lisa-Darleen Richter. "Das haben wir in der 9. Klasse ganz ausführlich behandelt und in der 10. Klasse wiederholt." Insgesamt fühlen die beiden 16-Jährigen sich gut auf das kommende Berufsleben vorbereitet. "Da kann man nicht meckern", sagt Lisa.

Die Schule arbeitet mit der Agentur für Arbeit zusammen.Jeanette Olschewski kommt einmal im Monat nach Brettin, beantwortet Fragen, gibt Tipps und vermittelt im Idealfall auch schon einen Ausbildungsplatz. "Die Teilnahme ist freiwillig, die meisten machen natürlich mit", erzählt Lisa-Darleen. "Spätestens wenn der Direktor dich anspricht und fragt, warum du noch nicht bei der Berufsberatung warst, gehst du auf jeden Fall hin", fügt Marvin lachend hinzu.

Bei Katrin Rothbauer hat das Instrument der Berufsberatung optimal funktioniert: "Ich möchte Zahnmedizinische Fachangestellte werden. Mein Praktikum in der neunten Klasse machte ich beim Zahnarzt. "Das hat mich interessiert und mir Spaß gemacht, darum absolvierte ich noch ein freiwilliges Praktikum in diesem Bereich. Das kann für den Lebenslauf nur nützlich sein, dachte ich mir. Damit lag sie goldrichtig. Jeanette Olschewski vermittelte ihr Kontakte zu Zahnarztpraxen, bei denen sie sich bewarb.

"Nach einem Tag Probearbeiten bekam ich die Zusage"

"Wieviele Mappen ich genau verschickt habe, kann ich gar nicht sagen. Ich habe mich in Magdeburg, Hannover, Potsdam und hier in der Region beworben." Über die Einladung zum Vorstellungsgespräch in eine Burger Praxis hat sich die 17-Jährige besonders gefreut. "Ich wäre auch weiter weg gegangen, aber bei meiner Familie und den Freunden ist es doch schöner." In Burg musste sie einen Tag zur Probe arbeiten. "Das finde ich gut, so kann man die Kollegen schon kennen lernen und der Arbeitgeber sieht, ob man geeignet ist." Katrin ist geeignet und hat bereits eine mündliche Zusage in der Tasche. Katrin hat den nahtlosen Übergang also fast geschafft. Das wollen die anderen auch: "Am 1. Juli gibt es Zeugnisse, der Beginn der meisten Ausbildungen fällt zwischen den ersten August und den 1. Oktober", erklärt Lisa-Darleen.

Obwohl erst wenige Schüler eine feste Zusage haben, ist in Brettin keine Panik zu spüren. "Die meisten Firmen sind jetzt in der Phase, wo sie aus den Bewerbungen ihre Auszubildenden aussuchen", erklärt Jeanette Olschewski von der Arbeitsagentur.

Jennifer Scharp schickte bereits über 20 Bewerbungen auf die Reise. Sie möchte in der Region bleiben und hat sich daher in Genthin und Umgebung beworben. Die 16-Jährige möchte Industriekauffrau werden. "Planen und kontrollieren liegt mir, und im Internet habe ich viel über das Berufsbild gelesen." Antworten auf Bewerbungen habe ich noch gar nicht bekommen, erzählt sie. "Das ist normal", gibt Lisa-Darleen Entwarnung. Die meisten Unternehmen lassen sich damit Zeit bis mindestens Ende April." Auch das hat sie in der Berufsberatung gelernt.

Lisa-Darleen: "Ich habe gute Erfahrungen mit der Arbeitsagentur gemacht, manchmal passieren aber auch ärgerliche Sachen." Auch ihre Mitschüler können davon ein Lied singen. "Man bekommt Kontakte von Arbeitgebern vermittelt, die schon seit Jahren nicht mehr ausbilden", erzählt Marvin Helm. "Oder die Fristen sind lange abgelaufen", ergänzt Lisa-Darleen Richter.

Ihr Traumberuf ist Hebamme. "Ich liebe Kinder, wenn sie weinen oder laut werden, macht mir das überhaupt nichts aus."

Falls das nicht klappt, hat sie einen Plan B: "Der Beruf der Automobilkauffrau begeistert mich genauso. Ich habe zwei Brüder, die Leidenschaft für Autos liegt in der Familie."

Während der Schulzeit hat sie zwei Praktika absolviert: "Das erste im Krankenhaus, das hat mich in meinem Berufswunsch bestärkt." Das zweite Praktikum - in einer Gaststätte - war eine Notlösung. "Ich kümmerte mich nicht früh genug, das würde ich heute anders machen."

30 bis 40 Bewerbungen hat Lisa-Darleen verschickt. Mit System: "Jeder Beruf hat einen Ordner, Lebenslauf und Deckblatt können so gleich bleiben. So muss ich nur die Anschreiben individuell formulieren und komme mit der ganzen Zettelei nicht durcheinander."

Lisa Brunow möchte auf jeden Fall etwas mit Tieren machen. "Ich habe mich als Tierpflegerin und Tiermedizinische Fachangestellte beworben."

Mit Tieren kennt die 16-Jährige sich aus: Bei ihr zu Hause gibt es Hunde, Katzen, Hasen, Pferde und Tauben. Sie hat schon ganz konkrete Vorstellungen von der Zeit nach der Schule: "Falls es mit der Lehrstelle nicht gleich klappt, mache ich ein freiwilliges ökologisches Jahr. Dafür hätte ich in Burg bereits eine Zusage."

Marvin Helm möchte Industrie- oder Konstruktionsmechaniker werden. "Praktisch Arbeiten - das ist mein Ding", erzählt er. Ein Besuch auf der Berufsmesse mit seinen Eltern hat ihn in diesem Wunsch bestätigt. "Ich mag es, zu sehen, was ich am Tag geschafft habe."

13 Bewerbungen hat der Schüler verschickt und bereits einige Zusagen zum Einstellungstest bekommen.

Die anderen können schon Anekdoten über Einstellungstests erzählen:

"Was ist der Vorteil eines dreibeinigen Stuhls?"

"Mir haben sie seltsame Fragen gestellt", erzählt Eric Plötz. "Was ist der Vorteil eines dreibeinigen Stuhls? - Die Antwort weiß ich bis heute nicht." Er strebt eine Ausbildung als Konstruktionsmechaniker oder Kraftfahrer an. Er hatte bereits einige Einladungen zu Einstellungstests und Vorstellungsgesprächen im Briefkasten und blickt den kommenden Monaten zuversichtlich entgegen.

Das ist allen Schülern gemeinsam, genauso wie der angestrebte Abschluss: "Wir wollen den erweiterten Realschulabschluss schaffen", sind sie sich einig. Wir drücken die Daumen und sind gespannt, wie es bei den Schülern weiter geht.

Lesen Sie im nächsten Teil: Tipps von der Expertin - Berufsberaterin Jeanette Olschewski im Interview