Über Ordnung lässt sich streiten - nicht nur im privaten, auch im öffentlichen Raum. Grund des Ärgers: Die Brettiner Kiesgrube (Brettin II) und Teile des Roßdorfer Altkanals. Hier liegt zu viel Müll, da sind sich die Beteiligten einig. Wer aber soll ihn wegräumen? Bei dieser Frage scheint keine einvernehmliche Lösung in Sicht.

Brettin. Wolfhard Meerkatz freut sich über das schöne Wetter und will den Tag für einen Bootsausflug nutzen. Brettin ist für ihn die "Gemeinde der Seen", er bewundert auf seiner Fahrt durch den Roßdorfer Altkanal die 100 Jahre alten Linden am Ufer, freut sich über Aale, Karpfen, Enten und viele andere Wasserbewohner. "Das ist einfach ein tolles Stückchen Erde."

Umso ärgerlicher ist für den Brettiner die Verschmutzung des Gewässers. "Flaschen, Körbe, Autoreifen - ich frage mich, wie kommt das ins Wasser? Das stört das Bild empfindlich." Mögliche Verursacher des Müllproblems gibt es für Meerkatz einige: "Ich habe nichts gegen Angler, auch soll hier gegrillt und gefeiert werden - aber man muss doch seinen Müll dann wieder mitnehmen", fordert er.

Udo Pasemann kann die Vorwürfe nicht mehr hören. "So viel Müll liegt oder schwimmt im Roßdorfer Altkanal gar nicht", so der Vorsitzende des Angelvereins. "Ich will nicht ausschließen, dass nach dem Angeln mal eine Wurmschachtel liegen bleibt. Aber - und da lege ich die Hand für unsere 43 Mitglieder ins Feuer - das ist die Ausnahme. Wir Brettiner Angler sind nicht die Hauptverursacher!" Auswärtige Angler aus Stendal, Halle, Brandenburg und Postdam angeln regelmäßig in Brettin. Außerdem wird gefeiert und gegrillt. "Und das nicht nur von Anglern", so Pasemann.

Er betont auch die Arbeitseinsätze, die der Verein regelmäßig an den Kiesgruben durchführt. "Irgendwo ist Schluss, wir können uns daneben nicht auch noch um den Roßdorfer Altkanal kümmern. Den beangeln wir gar nicht primär."

Die Aufräumarbeiten an den Kiesgruben begrüßt auch Wolfgang Meerkatz, sie gehen dem Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) aber nicht weit genung: "An der Kiesgrube Brettin II liegt trotzdem zu viel Unrat. Da werden Lagerfeuer gemacht, und danach bleibt alles liegen", so Meerkatz.

"Der Müll dort stört mich auch", sagt Ortsbürgermeister Werner Pamperin. "Aber der See ist in Privatbesitz, was kann man da machen?" Auch Pamperin weist auf die Arbeitseinsätze hin, die Brettiner Vereine und Anwohner durchführen, um in ihrem Dorf für Ordnung zu sorgen. Den Müll im Roßdorfer Altkanal stuft der Bürgermeister als "nicht dramatisch" ein. "Ich fahre da auch oft Boot, ab und an schwimmt mal eine Flasche im Wasser, das ist zwar nicht schön, aber von Vermüllung zu sprechen, finde ich übertrieben."

Reinhard Schultze arbeitet im Wasser- und Schifffahrtamt Brandenburg und ist verantwortlich für den Außenbezirk Genthin. "Das Phänomen ist überall beobachtbar. Wenn ich meinen Sessel nicht mehr brauche, entsorge ich ihn im Wald - oder eben im Kanal - für ihn eine unverständlich Gedankenlosigkeit. Einen konkreten Schuldigen zu benennen sei für Schultze aber ungerecht. "Unser Amt ist für Kanalsäuberungen nicht zuständig. Bei Anfragen der Gemeinde würden wir auf unseren Kontrollfahrten bei Bedarf aber auch bei der Müllentsorgung helfen. So eine Zusammenarbeit würde auch Ortsbürgermeister Pamperin begrüßen. "Wir können an Land für Ordnung sorgen, auf dem Wasser wird es schwierig. Unterstützung vom Amt wäre eine gute Lösung." Das findet auch Wolfhard Meerkatz: Ohne viel Bürokratie eine Säuberungsaktion starten - das muss doch möglich sein.