Den Ersatzneubau der Brücke an der Friedenstraße in Gladau hat der Stadtrat Genthin abgelehnt. Die Auflage, dass eine so genannte Otternberme mitgebaut werden muss, gab den Ausschlag für die Entscheidung. Immerhin betragen die Mehrkosten zwischen 20 000 und 25 000 Euro.

Gladau/Genthin. Das Bauvorhaben war schon mit einer Ablehnung in den Stadtrat verwiesen worden. Der Bau- und Vergabeausschuss hatte keine Mehrheit für die Planungsänderungen gefunden. Den Anbau einer Otternberme an der Brücke hatte die Untere Wasserbehörde der Kreisverwaltung gefordert, die wiederum auf die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verwiesen hat. Demnach ist im Interesse des Artenschutzes eine Durchgängigkeit des Einzugs- und Wandergebietes der Fischotter zu gewährleisten.

Die Otternberme verändert die ursprüngliche Planung. Die Brücke muss etwa 65 Zentimeter höher als vorgesehen gebaut werden. Das gesamte Rahmenbauwerk ändert sich. Zwar verringert sich auch die Bauzeit auf rund fünf Monate, aber die Mehrkosten betragen nach derzeitiger Berechnung zwischen 20 000 und 25 000 Euro.

"Ohne Zustimmung des Stadtrats wird keine Brücke gebaut", machte CDU-Fraktionschef Klaus Voth auf die Wichtigkeit des Beschlusses aufmerksam. Das Naturschutzgesetz werde jetzt bei jedem Brückenbau angewandt.

"Das kann man keinem Bürger mehr erklären"

Horst Leiste, Fraktionsvorsitzender der SPD, fand dagegen, dass man sich mit der Auflage nicht zufrieden geben dürfe.

"Welche Konsequenzen hätte eine Ablehnung?", erkundigte sich Bürgermeister Wolfgang Bernicke (parteilos) bei Bauamtsleiterin Dagmar Turian. Sie verwies darauf, dass es für die Planung, wie sie die Stadt ursprünglich eingereicht habe, keine Genehmigung gebe. Außerdem sei die Stadt für den Brückenbau auf Fördermittel angewiesen.

"Das kann man keinem Bürger erklären!", fand Birgit Vasen (Die Linke) deutliche Worte. 20 000 Euro Mehrkosten zu bezahlen, wo in der Stadt das Geld an allen Ecken und Enden fehle.

Wie viele Otter nehmen den Weg?, erkundigte sich Harry Czeke, Vorsitzender der Linke-Fraktion.

In der ausführlichen Erläuterung des Beschlussvorschlags für den Stadtrat heißt es, dass es bereits einen Fischotterbestand im Bereich des Gladauer Baches gebe und der Fiener als Einzugs- und Wandergebiet des Fischotters gelte. Konkrete Zahlen werden nicht genannt.

Harry Czeke forderte, dass die Mehrkosten aus dem Landeshaushalt bezahlt werden sollten. "Wer bestellt, der bezahlt auch. Die Mehrkosten kann die Stadt nicht tragen."

"Wir können uns nicht nur die Rosinen rauspicken"

Lutz Nitz (Grüne) erkannte ein grundsätzliches Problem. Beim Brückenbau stelle sich der Stadtrat wegen der Mehrkosten gegen das Naturschutzgesetz. Bei dem Fällen der Pappeln im Fiener werde jedoch nach dem Gesetz gerufen. "Entweder wir wollen es oder nicht. Wir können uns nicht nur die Rosinen rauspicken."

Klaus Voth plädierte auch in seiner zweiten Stellungnahme für den Ersatzneubau der Brücke in Gladau. Diese werde vor allem von Landwirten genutzt. "Es geht um die Einkünfte der Landwirte", erinnerte er.

"Die Mehrheit des Stadtrates ist bestimmt dafür, dass die Brücke gebaut wird. Aber gegen die zusätzliche Maßnahme", sagte Horst Leiste. Bei zehn Ja-Stimmen, 15 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurden die Planungsänderungen für den Ersatzneubau der Brücke in der Gladauer Friedenstraße abgelehnt.