"Ladenlokal zu vermieten". Dieses Angebot lesen Passanten in der Genthiner Innenstadt in Schaufenstern mehr als einmal. Wie kann man die Attraktivität der Geschäftszeilen steigern? Mit dieser Frage wandte sich Anita Jakob aus Genthin an die Volksstimme. Bürgermeister Wolfgang Bernicke antwortet:

"Das ist eine interessante Frage, die nicht nur mich, sondern viele Mitbewohner, Interessenverbände des Einzelhandels, Grundstückseigentümer und andere seit langem intensiv bewegt, denn das Stadtbild wird ja eben durch den Einzelhandel geprägt. Das Leben in einer Innenstadt hängt mit der Attraktivität und Vielfalt seines kleingliedrigen Einzelhandels unmittelbar zusammen. Schon von daher ist es fast eine Frage des Überlebens der Innenstädte, den Einzelhandel zu fördern. Aber wie?

In der freien Marktwirtschaft zählt das Ergebnis. Es bedarf also eines Unternehmers, der sich mit der Übernahme eines Einzelhandelsgeschäftes eine wirtschaftliche Existenzsicherung vorstellen kann und den Schritt wagt. Ob er erfolgreich ist, hängt von vielen Faktoren ab.

Es gibt viele Beispiele für gescheiterte Versuche, bestehende Geschäftsflächen wieder zu beleben - nicht mit Einflussnahme der Stadt, denn die ist in keiner Weise gegeben.

Man denke nur an die wechselvolle Geschichte der Gastronomiefläche in der "Bummelmeile". Beginnend mit einer Pizzeria, über ein Chinarestaurant bis hin zum Italiener: Es hat sich niemand in dieser Gaststätte halten können. Ursachen für den Leerstand sind schrumpfende Einwohnerzahlen, eine im Bundesdurchschnitt niedrige Kaufkraft in der Region und nicht zuletzt ein verändertes Kaufverhalten.

Wo suchen die Leute, abgesehen vom Grundbedarf, den spezialisierten Einzelhandel auf? Doch überwiegend in den Ballungszentren wie Magdeburg und Brandenburg.

Das Fazit lautet: Die Stadt kann gegen den Leerstand nichts tun. Verändert werden kann die Situation erst, wenn sich das Einkaufsverhalten unserer Einwohner ändert. Das allerdings ist nicht in Sicht, wenn immer neue Konsum-Tempel außerhalb der Innenstädte entstehen und die Mobilität es gestattet, da einzukaufen, wo es aus der Sicht des Einzelnen am billigsten, schönsten und vielfältigsten ist."