Jerichow. Ehrfurchtsvoll legt Jan Wißgott das große, schwere Buch, das er gerade aus dem Tresor geholt hat, auf den Tisch seines Büros im Kloster Jerichow. Der Leiter der Stiftungsverwaltung ist stolz und glücklich über dieses wertvolle Exemplar, dass sich nach vermutlich mehr als drei Jahrhunderten nun wieder dort befindet, wo es herstammt. Es handele sich um eine sehr alte Altarbibel, erklärt Wißgott. "Es ist ein Lüneburger Druck aus dem Jahr 1650."

Wie lange sie sich im Kloster Jerichow befunden hatte und auf welchem Wege und warum sie hier weggekommen ist, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Geheim bleiben soll auch, von wem sie wieder zurückgebracht wurde, erklärt Wißgott. Anfang April brachte sie ein Rathenower Bürger, der nicht genannt werden möchte. "Er berichtete, dass sich die alte Bibel seit sieben Generationen im Familienbesitz befindet. Von Generation zu Generation wurde weitergegeben, dass sie aus dem Kloster Jerichow stammt. Der letzte Besitzer hat keine Kinder und wollte deshalb, dass das Buch wieder hierher zurückkommt."

Das stattliche Buch ist erstaunlich gut erhalten. Das einzig Neue daran sei der lederne Schutzeinband. Ursprünglich habe sie einen roten Samteinband gehabt, der auch noch darunter sei, erklärte Jan Wißgott. Damit das Buch nicht auseinanerfällt, wurde es zusätzlich eingebunden.

Die Seiten sind mit wenigen Ausnahmen vollständig und ausgezeichnet erhalten. Nur wenige haben am Rand Fehlstellen, so das Bild auf der letzten Seite. Wißgott vermutet, dass hier Mäuse geknabbert haben. Die Schrift jedoch ist überall einwandfrei lesbar. "Ein wunderbarer, sauberer Druck, wunderbare Kalligrafien und Bilder", ist Wißgott begeistert.

Für das bald neu eingerichtete Klostermuseum wird die Bibel ein besonderes Kleinod sein.

 

Bilder