In einem Erlass fordert das Magdeburger Umweltministerium den Landkreis Jerichower Land als Untere Naturschutzbehörde auf, ein neues Konzept für das Fällen der Pappeln im Fiener zu erstellen. Ersatzpflanzungen soll es auf jeden Fall geben. Für diese hatte sich jüngst noch einmal die CDU stark gemacht.

Tucheim/Genthin/Magdeburg. Der Landkreis Jerichower Land wird in dem Erlass des Landesverwaltungsamtes aufgefordert, sich mit allen Betroffenen abzustimmen. Dazu gehört der Förderverein Großtrappenschutz genauso wie die Land- und Forstwirte, die Jäger, Verbände, die Stadt Genthin und - natürlich - die Bevölkerung. Dass es bislang "deutliche Defizite" in der Kommunikation gegeben habe, räumte Dr. Wolfgang Milch, Abteilungsleiter Naturschutz im Magdeburger Umweltministerium, ein. Die Öffentlichkeit sei überhaupt nicht "mitgenommen worden."

Laut dem ersten Zwischenbericht zum Konzept habe es "konstruktive Gespräche" gegeben. Weitere sollen folgen. Mitte Juni ist mit der Fertigstellung des Papieres zu rechnen.

"Ich bin mir sicher, dass die Runden zu dem Konzept zu einem runden Ergebnis kommen werden, die die Bedürfnisse von Natur, Großtrappen und Menschen gleichermaßen berücksichtigen", sagte Dr. Milch.

Bestandteil des Erlasses ist darüber hinaus die Forderung von Neupflanzungen. "Wo und wie welche Bäume oder Sträucher gepflanzt werden, muss noch geklärt werden", sagte Christian Bank, Referent für Artenschutz und Natura 2000 im Magdeburger Umweltministerium. Die Bedürfnisse der Trappen müssten dabei unbedingt berücksichtigt werden. Das heißt unter anderem, dass das Gehege von hohen Sichtbarrieren freizuhalten ist. Christian Bank hob die Bedeutung des Fiener für die Großtrappe hervor. Im Gegensatz zum Zerbster Ackerland sei es im Fiener gelungen, die Population der Trappen zu halten und merklich zu vergrößern. Perspektivisch bestehe die Hoffnung, dass die Trappen auch ins Zerbster Ackerland zurückkehren könnten.

"Das Land Sachsen-Anhalt hat auf Grund des sehr überschaubaren Bestandes an Großtrappen in Deutschland eine besondere Verantwortung", setzte Dr. Wolfgang Milch hinzu. Er sah Möglichkeiten, dass das Land die Neuanpflanzungen finanziell unterstützt.

Der Förderverein Großtrappenschutz hatte die Fördermittel zum Fällen der Pappeln im Fiener beantragt. Zuständig für den Artenschutz ist der Landkreis Jerichower Land. Das Landesverwaltungsamt ist die Bewilligungsbehörde. Dort wird über die Vergabe des Geldes entschieden.

"In die Breite denken muss der Landkreis"

"In die Breite denken muss der Landkreis", sagte Christian Bank. Aufgabe des Kreises sei es, alle anderen mit ins Boot zu holen. "Der Kreis hätte erkennen müssen, dass die Pappeln eine Landmarke sind und von Anfang an Ersatzpflanzungen fordern müssen." Das könne das Landesverwaltungsamt "aus Fernsicht" nicht entscheiden, fügte Dr. Wolfgang Milch hinzu. Dafür werde das Wissen der Leute vor Ort benötigt.

Der Landkreis sieht die Schuld allerdings nicht bei sich. Kreissprecher Henry Liebe deutete gegenüber der Volksstimme an, dass das Ministerium von seinen eigenen Fehlern ablenken wolle.

Welche Verantwortlichkeiten nicht erfüllt worden sind, können die Beteiligten am Dienstagabend diskutieren. Der städtische Wirtschafts- und Umweltausschuss tagt im Landschaftspflegehof Königsrode ab 17.30 Uhr ausschließlich zum Fällen der Pappeln im Fiener.

Ob im Herbst noch weitere Pappeln gefällt werden, hängt von den Aussagen des Konzeptes ab, das der Landkreis erstellt. Denkbar ist, dass Bäume weggenommen werden, die ihren Lebenszyklus erfüllt haben. Jedoch will Dr. Milch dem neuen Konzept nicht vorgreifen.

"Mit den Neuanpflanzungen erreichen wir mehr als einen bloßen Ersatz der Pappeln", sagte Christian Bank. Es werde unter anderen etwas für das Niederwild und die Schmetterlinge getan und die Erosionsgefahr gebremst.

Dass anfangs keine Ersatz- oder Neupflanzungen angedacht waren, ergibt sich daraus, dass das Fällen zugunsten des Großtrappenschutzes initiiert wurde, also die Wegnahme der Bäume allein schon einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz geleistet hat.

Mit der Zusicherung der Ersatzpflanzungen reagiert das Land auf den größten Kritikpunkt, der in Tucheim und Genthin immer wieder geäußert wurde und bei einer Unterschriftensammlung in kürzester Zeit 1300 Mitwirkende gefunden hatte.

Nach dem der Stadtrat den Antrag der CDU-Fraktion zum Fällen im Fiener (Volksstimme berichtete) in den Wirtschafts- und Umwelltausschuss verwiesen hatte, hat sich die Partei noch einmal für die Interessen der Tucheimer stark gemacht.

Karl-Heinz Steinel (CDU), Mitglied im Tucheimer Ortschaftsrat und Genthiner Stadtrat, hatte bei einem Volksstimme-Gespräch große Sorgen geäußert, dass das Fällen der Bäume im Herbst weitergehen könnte. Schließlich seien erst rund 200 der mehr als 500 geplanten Pappeln beseitigt worden.

Die Bäume seien ursprünglich als Erosionsschutz gepflanzt worden, wies der Tucheimer Ortschaftsrat Michael Friedrich (CDU) hin. Wie wichtig dieser sei, habe gerade erst die Massenkarambolage auf der A19 infolge des Sandsturmes gezeigt. Ohne die Pappeln sei außerdem damit zu rechnen, dass der Fiener vernässe. "Wer kommt dann für die Schäden der Grundstücksbesitzer auf?", warf er eine weitere Frage auf.

"Weder der Ortschaftsrat noch der Stadtrat oder die Bevölkerung sind in Kenntnis gesetzt worden", wiederholte Karl-Heinz Steinel seine schon mehrmals geäußerte Kritik. Dabei befänden sich die Pappeln zum großen Teil im Besitz der Stadt. Seine Feststellung: "Die Behörden haben im Alleingang entschieden." Wenn es so sei, forderte er, müsse die Stadt entschädigt werden.

"Uns ist der Wert der Bäume zu erstatten", unterstützte Gerd Mangelsdorf, Genthinter Stadtrat und CDU-Kreisvorsitzender, diese Forderung. Er ging von einer Summe von rund 18 000 Euro aus, für die das Holz zu vermarkten gewesen sei.

"Die Tucheimer Bürger stehen hinter uns"

Ob die Bäume tatsächlich krank oder zu alt und entsprechend anfällig gewesen seien, bezweifelten die CDU-Mitglieder. Ihrer Ansicht nach haben die Baumstämme keinerlei Anzeichen einer Erkrankung gezeigt.

"Es ist schon irritierend, dass kein Umweltverband sich zu Wort meldet", fügte Gerd Mangelsdorf hinzu. "Die Tucheimer Bürger stehen hinter uns."

Und zur Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses werden einige Aktionen der Tucheimer zu erwarten sein, kündigte Michael Friedrich an. Mit noch mehr Gegenwehr sei zu rechnen, rücke Technik an, um auch nur noch eine Pappel zu fällen. Er bemängelte, dass der Förderverein Großtrappenschutz, auf dessen Antrag die Pappeln gefällt wurden, keine Informationsveranstaltung angeboten habe.

"Über ein paar Bäume, beispielsweise Schneisen, hätte man reden können", sagte Karl-Heinz Steinel. Schließlich, und darin waren sich die Männer einig, sei man stolz auf die Trappen und wolle sie keinesfalls weghaben.