Berliner und Karower Publikum wurde am Sonnabendnachmittag gleichermaßen von Mandy Buchholz\' Ausstellung "Karow oder die Sehnsucht nach Heimat" in das Dorf gelockt. Die alte Brennerei bot für den Besucheransturm kaum genügend Platz.

Karow. Hände schütteln, in den Arm nehmen, liebe Worte austauschen, Wiedersehensfreude. Herzlich ist Mandy Buchholz am Sonnabendnachmittag in der alten Brennerei in Karow in Empfang genommen worden. Viele Einwohner freuten sich, die junge Frau, die Anfang der 90er Jahre ihr Heimatdorf verlassen hatte, wieder zu sehen und ihr zu der Ausstellung gratulieren zu können, die sie ihrer alten (und immer noch) Heimat Karow gewidmet hat.

"Die Rückbesinnung auf Heimat hat etwas mit dem Älterwerden zu tun", sagte Mandy Buchholz in einer der wenigen ruhigen Minuten, die ihr am Sonnabendnachmittag blieben. Verlassen habe sie ihr Heimatdorf einst, weil sie keine Perspektive mehr für sich gesehen habe. "Ich wollte studieren und die Welt entdecken."

Karow kam ihr dagegen "trostlos" und "langweilig" vor. Heute weiß die Wahl-Berlinerin, dass die Menschen, die Natur, ihre Herkunft aus Karow alles Bausteine ihrer Identität sind. Dass diese Dinge ausmachen, was es heißt, Mandy Buchholz zu sein. "Karow wird immer meine Heimat bleiben", ist sie sich inzwischen sicher.

Die Vorbereitung für ihr Buch und die Ausstellung hatte sie schon vorher nach Karow zurückgeführt. Die Einwohner seien sehr kooperativ gewesen. "Viele kannten mich schon als Kind. Andere Leute habe ich neu kennengelernt." Dass der Zuspruch am Sonnabendnachmittag so groß sein könnte, damit hatte sie nicht gerechnet. Vor Aufregung hatte sie in der Nacht zum Sonnabend kein Auge zu bekommen.

Eröffnet wurde die Ausstellung zünftig von den Karower Jagdhornbläsern. In der alten Brennerei, die den mehr als 100 Besuchern kaum ausreichend Platz bot, stellte sich Familie Baumgärtel als Besitzer des Schlosses und der alten Brauerei vor. Auch sie wollten mit ihrem Umzug von Hamburg auf ein Dorf "zurück zu den Wurzeln". Dass es gerade Karow geworden ist, sei eher ein Zufall gewesen. "Wir fühlen uns gut aufgenommen und empfinden uns als Karower", sagte Birgit Baumgärtel.

Insofern passten die Projekte der Baumgärtels und von Mandy Buchholz perfekt zusammen.

Mit dem Vorwort zu ihrem Buch "Karow oder die Sehnsucht nach Heimat", das Olaf Dahmke geschrieben hat, und am Sonnabend vortrug, und Corinna Thiels Text zum ländlichen Raum wurden die Besucher mit Interpretationen, Theorien und Erkenntnissen versorgt, zu denen sie beim Betrachten der Fotografien ihre eigenen Überlegungen anstellen konnten.

Die Ausstellung zeigte das Dorf und seine Bewohner in einer Zwischenebene. Sie porträtierte Menschen, die in Karow wohnen bleiben wollen. Sie bewies Veränderung, aber "Veränderung ist nichts Negatives, wenn sie in die Zukunft gerichtet ist", schrieb Corinna Thiel in ihrem Begleittext. Der demografische Wandel, der von einer alternden Gesellschaft und Abwanderung ausgemacht wird, sei nicht allein ein ländliches Problem. Aber, so musste Corinna Thiel einschränken, viele Normen von den Schülerzahlen für eine Klassenstärke bis zu den Zeiten, in denen ein Notarzt beim Patienten eingetroffen sein muss, passten oft nicht zu dörflichen Gegebenheiten.

Vor dem Tourismus als Allerheilmittel warnte die Autorin. Lösungsansätze sah sie eher in Rund-um-Läden, die von Lebensmitteln über Medikamente bis zum Versicherungs- und Reisebüro eine Vielzahl von Angeboten bündelten. Oder in Projekten wie dem brandenburgischen Ökodorf Brodowin, das zu seinem eigenen Unternehmen geworden ist.

Wer die Hauptausstellung in der ersten Etage der Brennerei erleben wollte, musste Geduld mitbringen. Die Anzahl der Nutzer im ersten Stockwerk war begrenzt gewesen.

Die Ausstellung war nur am Sonnabend in Karow zu sehen gewesen. Beim Landheimatbund in Wernigerode wird sie im Sommer gezeigt. Halle wird eine weitere Station sein. "Ich würde mich freuen, wenn ich meine Ausstellung auch in Magdeburg zeigen könnte", sagte Mandy Buchholz.

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