Mit den vom Umweltministerium angekündigten Ersatzpflanzungen für die gefällten Pappeln im Fiener Bruch können alle Betroffenen leben. Das ist das Ergebnis des Genthiner Wirtschafts- und Umweltausschusses. Am stärksten stand der Landkreis Jerichower Land in der Kritik, der keinen Vertreter zur Sitzung geschickt hatte.

Tucheim. Was sie von den Pappelfällungen im Fiener Bruch halten, machten die Tucheimer den Teilnehmern an der Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses schon auf der Fahrt zum Königsroder Hof klar. Transparente begleiteten die Autofahrer auf ihrem Weg: "Stoppt die Pappelfällungen", "Klimawandel - jeder Baum zählt" oder "Sag mir, wo die Pappeln sind".

Karl-Heinz Steinel (CDU), Mitglied im Tucheimer Ortschaftsrat und Genthiner Stadtrat, kleidete die Meinung der Tucheimer in Worte. "Ich bin sehr enttäuscht, dass über die Köpfe der Leute hinweg entschieden wurde."

Sein Argument, dass es in den 70er Jahren noch mehr Bäume und Trappen im Fiener Bruch gegeben habe, ließ Dr. Astrid Sutor, Geschäftsführerin des Fördervereins Großtrappenschutz, so nicht gelten. Vor drei Jahrzehnten seien die Bäume kleiner gewesen. "Die Landschaft hat sich gravierend verändert."

"Es ist ärgerlich, dass die Untere Naturschutzbehörde heute Abend nicht vertreten ist", sagte Torsten Pietsch vom Landesverwaltungsamt. Der Landkreis Jerichower Land ist vom Umweltministerium per Erlass beauftragt worden, ein Konzept zu Ersatzpflanzungen unter Einbeziehung aller Betroffenen zu erarbeiten. Das Konzept soll klären, wo welche Ersatzpflanzungen (vornehmlich Flurgehölze und Hecken) sinnvoll sind, und ob es weitere Fällungen geben muss.

Kreisvertreter fehlt, weil er erkrankt ist

"Wir verweigern uns den Ersatzpflanzungen nicht", sagte Dr. Astrid Sutor. Sie räumte ein, dass Fehler in der Öffentlichkeitsarbeit gemacht worden sind, und dass der Förderverein von der Vehemenz und Wucht des Tucheimer Aufschreis wegen der Pappelfällungen überrascht worden sei. In Belzig habe es das nach den dortigen Fällungen überhaupt nicht gegeben.

Der Unmut der Tucheimer richtete sich hauptsächlich gegen den Förderverein, obwohl dieser eine Genehmigung für die Wegnahme der Pappeln hatte. Der Landkreis ist Bewilligungsbehörde gewesen. "Es ist ein absolut beschämendes Verhalten, dass der Landkreis fehlt", sagte Harry Czeke (Die Linke), Vorsitzender des Umwelt- und Wirtschaftsausschusses.

"Der Kollege, der den Termin wahrnehmen sollte, hatte sich kurzfristig krank gemeldet", sagte gestern Kreissprecher Henry Liebe auf Nachfrage der Volksstimme. Es werde bedauert, dass der Kreis bei der Sitzung nicht vor Ort gewesen ist.

Harry Czeke hatte die Unterschriftenliste der Tucheimer an Umweltminister Dr. Herrmann Onko Aeikens weitergeleitet. Das Ministerium hat in der Folge den Landkreis zur Erstellung des Konzeptes beauftragt.

Harry Czeke erkundigte sich, wie mit den noch vorgesehenen Fällungen vorgegangen wird.

"Die Stadt Genthin hat ihre Einverständniserklärung zurückgezogen", sagte Torsten Pietsch. Weitere Bäume könnten deshalb ohne eine neue Abstimmung mit der Stadt nicht gefällt werden. Er sah es als möglich an, dass künftig Pappeln nur noch gruppenweise gefällt werden. Ausnahme sei das Gehege, da müsse man "großflächiger angreifen." Das untermauerte Dr. Sutor. Mindestens an der Querdrift in unmittelbarer Nähe des Geheges müsse die Pappelreihe entfernt werden. "Nur einzelne Maßnahmen helfen nicht", sagte sie. Der Lebensraum müsse für die Großtrappen insgesamt stimmig sein.

Das Wirken der Jäger zugunsten der Trappen betonte Richard Friedrich, Vorsitzender der Kreisjägerschaft: "Wenn wir als Jäger nicht aktiv gewesen wären, dann wäre keine Trappe mehr da." Er zog in Zweifel, dass die Pappeln tatsächlich störend für die Trappen sind.

Warten auf Konzept zu Ersatzpflanzungen

"Die Ersatzpflanzungen sind die Arbeit der Tucheimer Bürger", war sich Wolf Lützow von der Tucheimer Jägerschaft sicher. Er habe eine Petition an den Magdeburger Landtag eingereicht. Der Wunsch der Jäger, künftig mit am Tisch zu sitzen, soll erfüllt werden. Torsten Pietsch kündigte an, sich mit dem Kreis in Verbindung zu setzen. Der Ausschuss will das Ersatzpflanzungskonzept, das voraussichtlich im Juni vorliegt, abwarten.

   

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