Bei der Buchpremiere von Dorothea Iser kürzlich im Therapiezentrum des AWO Fachkrankenhauses Jerichow gab es noch eine weitere Premiere: Eine Gruppe Hobby-Musiker, alle Mitarbeiter im Kran- kenhaus, hatte ihren ersten Auftritt. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und haben ganz verschiedene Erfahrungen mitgebracht.

Jerichow. Musik ist in der Lage, die unterschiedlichsten Menschen zusammenzuführen. Schon lange wird im AWO Fachkrankenhaus deshalb auch die Musiktherapie angewendet, denn Musik kann psychisch Kranke ein Stück weit zurück ins Leben und auf andere Menschen zu führen.

Nun haben sich durch die Arbeit mit Patienten auch Mitarbeiter des Krankenhauses zusammengefunden, um Musik zu machen. Angefangen hatte es mit einer Projektwerkstatt mit Patienten, berichtete Marco Pernitzsch (Ergotherapie). "Als mal ein Gitarrist ausgefallen war, ist Siegfried Herrmann eingesprungen." Und so kam es, dass sie sich überlegten, doch mal etwas nur mit Kollegen zu machen.

Siegfried Herrmann ist Hausmeister im AWO Fachkrankenhaus, und er ist auch einer von denen der neuen "Band", die am meisten Erfahrung mit dem Musikmachen haben. Seit knapp 30 Jahren spielt er bereits Gitarre, berichtete er. Gesungen habe er bisher nur im Jerichower Kirchenchor, und auch ein bisschen Mundharmonika spielt er noch. Gitarre hat er schon in mehreren Gruppen gespielt: Nach der Armeezeit war er bei "FS 77", dann kurz bei "Engine", dann etwa zwölf Jahre bei "Pan", und jetzt ist er sei fünf Jahren bei "Faustdick".

Marco Pernitzsch hat nicht so viel Band-Erfahrung. Er habe früher ein bisschen Gitarre gespielt und sei dann nach der Hochzeit wieder dazu gekommen, erzählt er.

Auf der Suche nach einer Sängerin für die Band trafen sie auf Kerstin Spitzer, Ärztin auf der neurologischen Station. Sie habe so etwas noch nie gemacht, sagt sie. Früher habe sie daheim in Wolfenbüttel im Kirchenchor gesungen - diese Erfahrung teilt sie mit Siegfried Herrmann. Außerdem sei in ihrer Familie viel Hausmusik gemacht worden.

Eine ganz große Rolle spielt die Musik im Leben von Sabine Iser. Sie ist als Musiktherapeutin im Krankenhaus beschäftigt, aber auch in ihrer Freizeit auf vielerlei Weise mit der Musik verbunden. Hauptsächlich haben es ihr der Tanz und das Cello-Spiel angetan. Beides verbindet sie nun mit der neuen Band, und das teilweise sogar im Wechsel. "Es fühlt sich toll an, zu Live-Musik zu tanzen", schwärmt sie. Sie liebt die Interaktion mit den anderen Akteuren auf der Bühne.

Ihren ersten Auftritt hatte die damals noch nicht ganz vollständige Gruppe beim Krankenhaus-Betriebsfest im Oktober vergangenen Jahres. Dort hat Roland Lutzky sie gehört und sie hinterher angesprochen: "Wenn ihr mal einen Schlagzeuger braucht, sagt Bescheid..." Roland Lutzky ist Pfleger im Krankenhaus, und auch sein Hobby ist schon lange die Musik. Der Pareyer hat 1974 beim Schalmeienorchester angefangen, war dann nebenher ab 1977 einige Jahre bei "Engine", dann bei der "Harry Schmidt Formation" Parchen. Dem Schalmeienorchester ist er die ganze Zeit treu geblieben und macht nun auch hier mit.

Die fünf Mitglieder der Gruppe kommen also aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Krankenhauses, was auf der Bühne keine Rolle mehr spielt. Weiterhin wird auch gemeinsam mit Patienten etwas gemacht: Bei der Patientenweihnachtsfeier im Dezember sei das zum Beispiel so gewesen, berichtet Marco Pernitzsch. In wechselnder Zusammensetzung wurde da musiziert.

In dieser Formation hatten sie nun ihren ersten Auftritt, doch dabei soll es nicht bleiben. Wann immer sich die Möglichkeit bietet und es sich mit ihren Dienstplänen vereinbaren lässt, wollen sie künftig gemeinsam auftreten.