Ulf Drzymala (41) aus Loburg ist - halten Sie sich fest - Lehrer für Lachyoga. Diese Lach- und Entspannungstechnik geht auf den Inder Dr. Madan Kataria zurück. Auf der Welt gibt es schon mehr als 5000 Lachclubs, in Deutschland etwa 50. Gestern wurde weltweit der Lachtag begangen. Ab Donnerstag, 19 Uhr, wird auch in Loburg wöchentlich unter Anleitung von Drzymala herzhaft gelacht. Was die Teilnehmer dort erwartet, erklärt er Volksstimme-Redakteurin Anja Guse.

Volksstimme: Lachen die Menschen im Jerichower Land zu wenig oder warum bieten Sie einen Kurs in Lachyoga an?

Ulf Drzymala: (Schmunzelt.) Nein, das kann ich so nicht bestätigen. Doch es wurde festgestellt, dass die Erwachsenen weltweit zu wenig lachen. Dabei ist wissenschaftlich belegt, dass Lachen gesund ist und verbindet.

Volksstimme: Es verbindet?

Ulf Drzymala: Ja, wer in einen Raum voll fremder Personen kommt und ein Lächeln auf den Lippen trägt, wird ein Lächeln zurück erhalten. Lachyoga verändert die Ausstrahlung positiv und damit auch das Umfeld.

Volksstimme: Was geschieht im Kurs Lachyoga? Erzählen Sie lustige Geschichten?

Ulf Drzymala: Nein, wir erzählen keine Witze, wie oft angenommen. Es können also auch humorlose Menschen zu uns kommen. Wir machen vielmehr Lachübungen, Laute sowie Atemtechniken des Yoga. Am Ende wird meditiert, um den Geist wieder zur Ruhe zu bringen. Die Sitzung dauert jeweils etwa eine Stunde.

Volksstimme: Aber das ist doch ein künstliches Lachen...

Ulf Drzymala: ... ja, aber der Körper unterscheidet nicht zwischen echtem und gespiel-tem Lachen. Es reicht die Technik, damit der Körper die Glückshormone ausschüttet.

Volksstimme: Was bewirkt das viele Lachen?

Ulf Drzymala: Es ist entspannend, man baut Stress ab und wird ruhiger, lockerer. Außerdem steigt das Selbstbewusstsein und man setzt leichter ein Lächeln auf, welches einen durch den Tag begleitet.

Volksstimme: Lachen auf Befehl - allein diese Vorstellung ist doch schon peinlich komisch...

Ulf Drzymala: Das mag sein. Sehr schüchterne Menschen haben vielleicht Probleme mit dem Kurs. Allerdings sind die Übungen kein Muss. Niemand wird gezwungen. Wer kurz aussetzen möchte, kann dies jederzeit tun.

Volksstimme: Es heißt, 10 Minuten Lachen bringt so viel wie 30 Minuten Joggen. Kommen ihre Teilnehmer auch so ins Schwitzen?

Ulf Drzymala: Wir schwitzen auch, kommen aber mehr aus dem Atem. Durch die pantomimischen Übungen wird die Atemmuskulatur beansprucht. Dabei wird die Lunge vollgepumpt und anschließend lange ausgeatmet. Das stimuliert die Muskeln.

Volksstimme: Wie oft sollte jeder Lachyoga durchführen?

Ulf Drzymala: Eigentlich täglich und am besten morgens zwischen 6 und 7 Uhr. Dann nimmt man die positive Energie mit in den Tag. Doch das schaffe selbst ich nicht immer.

Volksstimme: Welche Voraussetzungen sollten Menschen mitbringen, die am Kurs teilnehmen möchten?

Ulf Drzymala: Wichtig ist, sich zu verinnerlichen, dass man diesen Schritt tatsächlich tun möchte. Wer die Übungen erst einmal testen möchte, kann zu einer Schnupperstunde vorbeikommen.

Volksstimme: Für wen ist diese Entspannungstechnik besonders empfehlenswert?

Ulf Drzymala: Lachyoga dient hauptsächlich dem Stressabbau. Mitmachen kann natürlich jeder, egal in welchem Alter. Unsere jüngste Teilnehmerin ist sieben Jahre alt, die älteste 76. Unsere Gruppe gibt es ja schon ein paar Wochen.

Volksstimme: Worüber lachen Sie eigentlich?

Ulf Drzymala: Das ist eine gute Frage. (Überlegt kurz.) Ich hatte in meinem Lehrgang eine interessante Erkenntnis: Viele Menschen behaupten von sich, sie lachen genug. Doch ich habe gemerkt, dass ich gar nicht so viel und ausgiebig lache. Seitdem weiß ich, dass ich es mehr machen möchte (grinst).

Volksstimme: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich als Lehrer für Lachyoga ausbilden zu lassen?

Ulf Drzymala: Ich war 2005 bei einem Seminar in Fulda. Dort wurde neben Meditation und Yoga auch Lachyoga angeboten. Ich fand mich dann in einer Gruppe von über 60 Personen wieder. Letztes Jahr habe ich mir dann das Buch "Lachen verbindet" geholt und mich danach in Berlin ausbilden lassen.

Volksstimme: Warum möchten Sie auch andere Menschen zum Lachen animieren?

Ulf Drzymala: Weil es in einer Gruppe noch mehr Spaß macht. Man braucht die Gruppendynamik. Außerdem sind wir Menschen ja Rudeltiere, der soziale Kontakt ist schon sehr wichtig.

Volksstimme: Was sagt ihre Frau zu ihrer Leidenschaft? Ist sie dabei?

Ulf Drzymala: Ja, sie hat sofort gesagt, mach das. Sie ist bei den Kursen dabei und mittlerweile meine beste Teilnehmerin. Bald wird sie meine Co-Trainerin (lacht spitzbübisch).

Volksstimme: Wann findet der Kurs in Loburg statt?

Ulf Drzymala: Am Donnerstag zum ersten Mal. Start ist 19 Uhr, aber in den nächsten Wochen werden wir erst gegen 19.30 Uhr beginnen.

Volksstimme: Wo können sich Interessierte anmelden?

Ulf Drzymala: Bei der Kreisvolkshochschule Jerichower Land, Bruchstraße 20/21 in Burg oder unter Telefon (0 39 21) 94 43 32.

Volksstimme: Verraten Sie uns doch bitte zum Schluss noch eine Lachübung, die jeder allein zu Hause durchführen kann.

Ulf Drzymala: Na klar. Die Übung ist ganz einfach. Am besten ist, man stellt sich hin. Dann durch die Nase einatmen und langsam durch den Mund die Luft wieder ausatmen. Anschließend wieder durch die Nase einatmen, dann die Luft - hahaha - durch Lachstöße wieder ausatmen. Merken Sie den Unterschied?

Volksstimme: Mhh. Ich fühl mich völlig leer und beschwingt.

Ulf Drzymala: Ja, Atmung ist Leben pur. Wenn wir immer richtig atmen, werden wir nie krank.

Volksstimme: Herr Drzymala, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

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