Genthin (sta). Wie ein gewaltiger Sturm fegte er diesmal durch Genthin und hinterließ eine ebensolche Wirkung: Es brauchte einige Zeit, ehe die Zuhörer verarbeitet hatten, was Lambis Vassiliadis an diesem Konzertabend in ihnen ausgelöst hatte. Es war das 16. Konzert des griechischen Pianisten hier in Genthin - so hatten zum Glück viele der Anwesenden schon Gelegenheit, sich mental darauf einzustellen. Denn es war alles andere als ein beschaulicher Abend, sondern er verlangte nicht nur dem Pianisten, sondern auch den Zuhörern einiges ab. Lambis Vassiliadis spielte nicht nur mit großer Brillanz und Energie, sondern nahm sein Publikum auch wieder mit auf eine philosophische Reise, wozu auch gehörte, dass er wieder einmal einen Bogen spannte vom ersten bis zum letzten Ton, was eine Unterbrechung durch eine schnöde Pause nicht erlaubt hätte. Dass hinterher doch noch gern das Angebot an Getränken und zum Verweilen in Anspruch genommen wurde, war eine logische Folge: Man musste erst wieder zurückfinden auf die Erde, Boden unter den Füßen gewinnen, um heimgehen zu können.

Mit Beethoven begann Lambis Vassiliadis diesen Abend. Die "Eroica-Variationen", Untertitel "15 Variationen über ein Originalthema mit einer Fuge", finden sich in seiner 3. Sinfonie, der "Eroica", wieder und erhielten deshalb diesen Namen. "Ein neues Kapitel in seinem Leben fängt an", charakterisiert Lambis Vassiliadis die Bedeutung dieser Werke Beethovens. Lebensfreude und Kraft werden zum Ausdruck gebracht.

Anders als im Programm angekündigt folgte dann Tschaikowskis "Grande Sonate opus 37" und erst zum Schluss Szymanowskis "Variationen auf ein Polnisches Volkslied". Die ursprünglich andere Reihenfolge begründete Lambis damit, dass bei einer Unterbrechung durch eine Pause das Publikum nicht in gleicher Weise mitgenommen werden kann. Deshalb entscheidet er in seinen Konzerten spontan über den Ablauf, aber auch über die Art und Weise, wie er die Werke spielt. Tschaikowskis "Grande Sonate" sei "Salbe für die Seele. Sie hilft, uns finden zu können", sagte er und räumte später ein, "na gut - der zweite Satz...", denn der erste ist "eine Explosion von Gefühlen." Erst der zweite kommt zärtlich, sehnsuchtsvoll daher.

Als "kleine" Zugabe fügte Lambis Vassiliadis noch ein Stück aus dem Konzert des vorigen Jahres an: einen Satz aus der Liszt-Transkription von Beethovens 7. Sinfonie.

Es war wirklich ein stürmisches, energiegeladenes Konzert, bei dem die Zuhörer immer wieder das Gefühl hatten, dass da nicht nur einer spielt, ja, manchmal gar ein ganzes Orchester zu hören glaubten. Es war ein Sturm aus Tönen, der die Zuhörer mit sich zu reißen schien, wegzutragen in eine andere Welt - zumindest jene, die sich ganz darauf einließen. Und das waren viele, wie der gewaltige Applaus und die Begeisterung danach bewiesen.

Mögen das Publikum und der Flügel auch an Grenzen geraten sein - der Pianist war es keinesfalls. Erneut betonte Lambis, wie wichtig ihm diese Konzerte in Genthin sind, wo er ganz er selbst sein kann im Kreise von Zuhörern, die ihm freundschaftlich und emotional verbunden sind. Und es werden immer mehr.

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