Die Problematik der vom Hochwasser bedrohten Tiere im Überflutungsgebiet bei Klietz- nick war auch bei der jüngsten Deichschau ein Thema. Der vom NABU Kreisverband Stendal vorgelegte Evakuierungsplan wäre nicht realisierbar gewesen, sagte Kati Erlecke, Außenstellenleiterin Tangermünde des Wasser- und Schifffahrtsamts Magdeburg.

Klietznick. Bei dem Hin- und Her wegen der Tierhaltung auf den Überflutungsflächen des Naturschutzgebiets "Bucher Brack" bei Klietznick ist noch längst kein Ende abzusehen. Dabei geht es um zweierlei Probleme, die freilich nicht zu trennen sich: Erstens die Sichrheit der Tiere im Hochwasserfall und zweitens die Errichtung fester Zäune im Überflutungsgebiet und unmittelbar auf und neben dem Deich sowie die Lagerung von Heuballen. Beides war im Vorgespräch und während der Frühjahrsdeichschau am Dienstag erneut Thema.

Zur Sicherheit der Tiere sagte Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner, dass er fordern müsse, dass tatsächlich ein realisierbarer Evakuierungsplan vorgelegt werde, in dem ein Richtwasserstand am Pegel Tangermünde festgelegt werde, wann die Tiere evaluiert werden müssen und wie. Vom Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg, Außenstelle Tanger- münde, habe er die Auskunft bekommen, dass es nicht funktioniert hätte, wie der NABU Buch es in seinem Evakuierungsplan vorgelegt hat.

Kati Erlecke, Außenstellenleiterin des WSA in Tangermünde, bestätigte das. Tatsächlich habe auch an der Havel eine Rettungsaktion von Rindern mit einer Fähre stattgefunden, "aber die Örtlichkeit ist dort ganz anders", betonte sie. "Hier ist das im Hochwasserfall so nicht möglich." Man könne hier bei Hochwasser nirgends anlegen, es gebe keine vernünftige Zufahrt, zudem seien es die Wildtiere (Koniks und Heck-Rinder) nicht gewohnt, ransportiert zu werden. Und die nächste Frage wäre, wo man die Tiere dann überhaupt hin gebracht hätte.

"Wir haben nur gesagt, dass wir eine Fähre haben und sie auch zur Verfügung stellen könnten - mehr nicht", betonte Kati Erlecke. "Es gab keine Absprachen, wie die Tiere dort auf die Fähre kommen und wohin sie gebracht werde sollen."

Für Jerichows Bürgermeister Harald Bothe war diese Mitteilung der WSA-Außenstellenleiterin eine völlig neue Darstellung der Situation. "Wir waren über die Stellungnahme des WSA entsetzt", erinnerte er daran, was sich für ihn und die Behörden aus dem damals vom NABU Buch vorgelegten Evakuierungsplan entnehmen ließ. Jetzt zeigte sich, dass man durchaus gleicher Meinung bezüglich der Undurchführbarkeit eines solchen Vorhabens war.

Vehement verteidigt hat zudem Siegfried Koch, jetzt seit vielen Jahren Chef des Unterhaltungsverbands Stremme/Fiener Bruch, die Einschätzung der Situation nach dem Überfliegen der Fläche. Er hatte dabei unter anderem Harald Bothe mitgenommen. "Nach so langer Zeit als Agrarflieger kann ich genau sagen, wo Land ist und wo nicht und ob man irgendwo herankommt", sagte er.

Bezüglich der Errichtung massiver Zäune und der Heuballenlagerung sagte Kürschner, dass es laut Information der Oberen Wasserbehörde weder eine naturschutzrechtliche noch eine wassserrechtliche Genehmigung gebe. Die naturschutzrechtliche Genehmigung sei bei der Oberen Behörde in Arbeit, die wasserrechtliche solle Sache der Unteren Wasserbehörde sein. Doch es gebe immer noch Unklarheiten und die Notwendigkeit von Absprachen untereinander, wie hier zu verfahren sei.

Für Kürschner ist die Situation jetzt klar, solange es keine anderweitige offizielle Entscheidung gibt: "Nach einer Vor-Ort-Kontrolle seien vom NABU Kreisverband Stendal alle mündlichen Vereinbarungen mit dem LHW gekündigt worden, berichtete Kürschner. "Das heißt, dass wir im Rahmen der Deichschau nun fordern müssen, dass die Zäune fünf Meter Abstand vom Deichfuß haben und Heuballe nicht auf dem Deich oder in unmittelbarer Nähe lagern."

Letzteres hatte Kürschner als Alternative zur Lagerung der Ballen im Überflutungsgebiet angeboten: Die Abrissfläche des ehemaligen Hirtenhauses am Ende des Leitdeichs hätte sich dazu angeboten.