Den Waldbesitzern in der Region Genthin steht ein Mastjahr bevor. Sie können Eichensaaten anlegen und für den Waldumbau per Naturverjüngung nutzen. Auch die Kiefern blühen in diesem Jahr, das heißt 2013 können Kiefernzapfen geerntet werden.

Genthin. Wie über einen Teppich läuft man durch den Wald, wenn die Pollenstände von Eichen und Buchen runtergefallen sind. "Wir können mit einem Mastjahr rechnen", sagte Detlef Radtke, Leiter der Betreuungsforstämter Elbe-Havel-Winkel in Genthin und in Nedlitz (Anhalt-Bitterfeld). Sein Aufruf richtet sich an alle Waldbesitzer, das Mastjahr für den Waldumbau über Naturverjüngung zu nutzen. Innerhalb des eigenen Waldes sei das erlaubt, weil die Saaten nur für den eigenen Bedarf genutzt werden.

Für den Waldbesitzer liegen die Vorteile auf der Hand. Eigene Saaten sind preisgünstig und versprechen sehr gute Ergebnisse, weil die Bäume keinen Verpflanzungsschock erleben. Außerdem entstehen keine Wurzeldeformationen wie durch den Aushebepflug in der Baumschule. "In der Regel wachsen Saaten sehr gut, weil sie von den Standorten angepassten Mutterbäumen stammen", setzte Detlef Radtke hinzu.

Damit das Mastjahr den größtmöglichen Erfolg bringen kann, darf der Sommer nicht zu trocken werden und nicht zu viele Schädlinge produzieren, die die Saat auffressen.

Wie die Saat über den Winter richtig gelagert wird, hat schon der Altenplathower Oberförster Hans-Helmut Alemann vor über 120 Jahren mit seinem "alemannschen Schuppen" zur verlustarmen Überwinterung von Eicheln gewusst. "Aus den Saaten sind viele hervorragende Bestände hervorgegangen."

Altenplathower Förster schafft "Schuppen"

Das Mastjahr zu nutzen ist um so wichtiger, da ungewiss ist, wann die Waldbesitzer mit dem nächsten rechnen können. In der Region Genthin geht es dabei insbesondere um Eichen und weniger um Buchen, die eher im Fläming eine Rolle spielen. Die hiesigen Standorte sind für Buchen zu trocken.

"Es hat sich bewährt, keine Herbstsaaten vorzunehmen, sondern bis zum Frühjahr zu warten", sagte Detlef Radtke. Die Gefahr sei groß, dass die Saat in fremden Mägen lande. Falle der Winter warm und feucht aus, bestehe außerdem das Risiko von Pilzerkrankungen.

Wichtig ist, dass die Saat auch in ihrem alemannschen Schuppen mit einem stabilen Zaun vor Rehen und Wildschweinen geschützt wird.

"Wenn die Saat im Frühjahr in den Boden kommt, ist die Gefährdung nicht mehr ganz so lang", fügte der Forstamtsleiter an. Kleine Pflanzen seien immer noch gefährdet. "Wir haben eine Wilddichte, die Eichenkulturen ohne Zaun nicht wachsen lässt."

Für den Waldumbau oder die Umstellung auf naturgemäße Waldbewirtschaftung/Waldverjüngung können Fördermittel beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Altmark beantragt werden. Bis Anfang August sollten die Unterlagen bei der Behörde eingereicht werden. "Wer dazu Fragen hat, dem hilft sein Revierförster oder das ALFF weiter", informierte Detlef Radtke.

Auf den Kiefernflächen, auf denen früher Laubbäume gestanden haben, sollten nach Möglichkeit wieder Mischwälder begründet werden. Vorausgesetzt, der Boden ist nach wie vor für Laubbäume geeignet. Es gibt Standorte in der Region, wo vornehmlich Kiefern und Douglasien wachsen.

Naturverjüngung auch bei Kiefern möglich

Bei den Kiefern ist ebenfalls eine Naturverjüngung möglich. In diesem Jahr blüht die Kiefer. Ihre Pollen sind es, die die Pfützenränder gelb färben. 2013 ist Samenjahr. Für die Naturverjüngung bei Kiefern müsse der Waldbesitzer "ein großes Interesse am Wald und waldbauliches Feingefühl" mitbringen, sagte Detlef Radtke.