Klaus Börner will sein Amt als Bodendenkmalpfleger niederlegen. Er ist unzufrieden, wie der Stadtrat mit dem KZ-Lagerstandort vor den Toren Genthins umgeht. Die Reaktionen auf die Amtsaufgabe fallen sehr unterschiedlich aus: Von Bedauern bis unbequemen Nachfragen.

Genthin. Klaus Börner kündigte nicht nur an, sein Amt als Bodendenkmalpfleger niederzulegen, er will auch seine umfangreichen Forschungsdokumente der Stadt nicht zur Verfügung stellen. Der 77-jährige Diplom-Historiker bezweifelt, dass der Stadtrat "an einer fachgerechten, sachlichen Aufarbeitung der faschis- tischen Diktatur in Genthin" interessiert ist.

Harry Czeke, Vorsitzender der Linke-Fraktion, zieht vor Klaus Börners Engagement den Hut. "Ich habe großen Respekt vor seiner Leistung." Nach der Freilegung der Grabungsfunde (360 Meter Betonsockelstreifen, drei Meter lange Torschwelle etc.) sei im wahrsten Sinne des Wortes schon wieder Gras über die Sache gewachsen. Er könne sich vorstellen, dass gemeinsam mit dem Landesforstbetrieb eine Regelung gefunden wird, die Schwelle in den ehemaligen KZ-Lagerstandort freizulegen und eine Gedenktafel aufzustellen, "um an das menschliche Leid zu erinnern und für nachfolgende Generationen einen Ort wider das Vergessen zu schaffen." Darin sieht Harry Czeke eine gesamtpolitische Aufgabe. Das schon vorhandene Mahnmal werde von der Stadt sehr löblich unterhalten. "Das von Klaus Börner als Bodendenkmalpfleger zusammengetragene Material darf uns nicht verloren gehen." Stadt und Region Genthin seien ihm zu Dank verpflichtet, sagte Harry Czeke.

"Der Haushalt lässt es nicht zu"

"Das tut uns sehr leid", reagierte Wilmut Pflaumbaum (Pro Genthin/FDP/ Wählergemeinschaft Mützel). Klaus Börner habe sich Riesenverdienste erworben. "Wir würden es gerne machen, aber der Haushalt lässt es nicht zu." Der Fraktionsvorsitzende erinnerte daran, dass auch viele ältere Genthiner sich nicht für den Lagerstandort interessierten, noch nie draußen waren. Die Erinnerung wach zu halten, sei Klaus Börners Verdienst.

2007 habe der Stadtrat eine weitere Erschließung des Ehrenmalgeländes mit einer Ausschilderung des KZ-Lagerstandortes für Besucher abgelehnt. "Da verwundert es mich, wenn man erst 2011 das Amt niederlegt", sagte SPD-Fraktionschef Horst Leiste. Die Aussagen von Klaus Börner in seinem Volksstimme-Beitrag vom 28. April, dass das "Einschmelzen der freistehenden Bronzestatue gewinnbringende Erlöse für die Stadt bringen" würde, empfindet Horst Leiste als "sehr sarkastisch und beleidigend" gegenüber dem Stadtrat und der Verwaltung.

Seine Fraktion habe sich immer dafür eingesetzt, die vier Ehrenmale in der Stadt zu pflegen und an ihnen zu gedenken. "Uns verwundert es, warum Herr Börner nicht schon zu DDR-Zeiten mit der Aufarbeitung begonnen hat."

Die CDU-Fraktion hat sich zu dem Thema noch nicht verständigt, teilte Fraktionschef Klaus Voth mit.

"Engagement und Leistung von Klaus Börner sind unbestritten", sagte Grünen-Chef Lutz Nitz. "Aber warum muss er gleich zurücktreten? Er hätte doch das Gespräch suchen können."

Bürgermeister Wolfgang Bernicke (parteilos) bedauert es zutiefst, dass Klaus Börner sein jahrzehntelanges erfolgreiches Wirken als Bodendenkmalpfleger aufgibt. "Zumal ein gleichwertiger oder überhaupt Ersatz nicht erkennbar ist und uns mit Herrn Börner wohl doch der profilierteste Fachmann auf diesem Gebiet verloren geht."

Er habe ihn in einem persönlichen Gespräch ermutigt, "sein Wissen und seine Fähigkeit weiterhin einzusetzen und seine Forschungsarbeiten in einer Dokumentation niederzulegen."

Wolfgang Bernicke will sich dafür einsetzen, dass die Dokumentation in Form einer Broschüre über die Touristinformation veröffentlicht wird. "Klaus Börner hat bei der Aufarbeitung der Geschichte unserer Stadt Großes geleistet. Seine wissenschaftliche Arbeit für die Erforschung des Außenlagers des KZ-Ravensbrück hat viele neue Erkenntnisse gebracht, die es unbedingt zu erhalten gilt."