Wäsche waschen? Diese Aufgabe erledigt heute wohl in fast jedem Haushalt eine Waschmaschine. Kleidung rein, Knopf an und die Arbeit wird getan. Noch vor 30, 40 Jahren war das Wäschewaschen eine mühselige Angelegenheit. Wie man mit Waschbrett und Kernseife zu sauberer Kleidung kommt, und welche Tricks moderne Waschmittel zur Anwendung bringen, lernen Besucher im neu eröffneten Genthiner Waschmuseum.

Genthin. Den tiefschwarzen Fleck auf dem weißen Frotteetuch hat Marvin mit Waschbrett, Kernseife und Bürste gut weg bekommen. Bloß das Handtuch ist jetzt nicht mehr strahlend weiß, sondern ausgesprochen grau. Davon lässt sich der Junge nicht entmutigen. "Mir macht das Spaß", sagt er und schrubbt und schrubbt. Zuhause habe er auch schon mal gewaschen - allerdings mit der Waschmaschine.

Zum Tag des nachhaltigen Waschens ist am Dienstag das Genthiner Waschmuseum der Standortbetreuungsgesellschaft eröffnet worden. Den Raum in der ehemaligen Henkel-Lehrwerkstatt hinter dem Stadtkulturhaus (und nicht auf dem Henkelgelände) eingerichtet und den Eröffnungstag vorbereitet haben Elke Loth, Ida Zelmanski, Anneliese Dieckmann und Christa Wolf.

"Wir sehen die Verantwortung für den Standort"

Alte Plakate schmücken die Wände: "imi - reinigt schnell und gründlich" oder "Fewa - wäscht wunderbar weich" und "Persil - spart Kohle, Arbeit, Zeit und Geld". Eine Wäscheleine durchzieht den Raum. Alte Waschmaschinen wie eine WM 66 sind ausgestellt. Weitere Exponate, wie früher gewaschen wurde, werden noch gesucht.

"Wir wollten zum Thema Waschen auch etwas zum Anfassen haben", erklärt Peter Meißner von der Standortbetreuungsgesellschaft die Entscheidung für das Waschmuseum und lobt die "Liebe und Hingabe", mit der die Frauen das Museum eingerichtet haben. "Wir sehen die Tradition und die Verantwortung am Standort", setzte Andreas Titze von der QSG hinzu.

"Zuhause wäscht die Mama?", fragt Christa Wolf in die Runde. "Klar", antworten die Fünftklässler des Bismarck-Gymnasiums, die am Eröffnungstag die ersten Besucher sind. Wie findet man heraus, wie die Wäsche gewaschen werden muss? "Im Kleidungsstück gibt es da so einen Zettel." Pflegekennzeichen nenne man diesen Zettel, erklärt Christa Wolf den Schülern. Vor jeder ersten Wäsche sollte man sich dort genau informieren, welche Pflege das neue Stück benötige.

Als Mitglied in der Genthiner Ortsgruppe des Hausfrauenbundes liegt es ihr nicht nur am Tag des nachhaltigen Waschens am Herzen, dass beim Waschen Pulvermenge und Einstellung der Waschmaschine stimmen, "damit nicht so viel Energie und Chemie gebraucht werden."

Unter nachhaltiges Waschen wird die Reinigung mit Wasser verstanden, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.

Für die Schüler wird es im Waschmuseum ernst, die praktische Arbeit steht an. Die in den Raum geworfene Idee, die Klasse in Jungen und Mädchen zu teilen, um zu sehen, wer an den Waschbrettern eine bessere Figur macht, trifft auf wenig Gegenliebe. "Wir müssen es doch gar nicht wissen", ruft ein Junge dazwischen - wenn zuhause ja doch immer die Mamas waschen.

Aber an den Zinkbadewannen gucken die Jungen alles andere als bloß passiv zu. Sie schrubben mit genauso viel Begeisterung wie die Mädchen. Von Ursula Dieckmann und Ida Zelmanski werden die Kinder unterstützt. Neben dem Ölfleck, mit dessen Bekämpfung Marvin begonnen hat, gibt es Tücher, auf denen Ketchup und Rotwein ihre Spuren hinterlassen haben.

Marvin und Luka werden beim Schrubben abgelöst. Lara und Hannah übernehmen die anstrengende Arbeit.

Aber erst mit einem modernen Vollwaschmittel gelingt es Svenja und Sophie den hartnäckigen Ketchupfleck zu beseitigen.

"Wie man wäscht, müssen Jungs gar nicht wissen"

Nach der praktischen Erprobung experimentieren die Schüler gemeinsam mit Diplom-Chemikerin Christa Wolf und lernen dabei, welche Bestandteile ein Waschmittel braucht, damit Flecken verschwinden.

Das Waschmuseum wird wie das Henkelmuseum gleich nebenan auf Nachfrage geöffnet. Nach den Schnupperveranstaltungen in den ersten beiden Wochen wird ein geringer Eintrittspreis erhoben werden.

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