Bergzow (sta). Zu den vier Windenergieanlagen zwischen Bergzow und Parey könnten in den nächsten Jahren weitere dazu kommen. Bereits in der Haupt- und Bauausschusssitzung Mitte April war dieses Vorhaben eine Investors vorgestellt worden (Volksstimme berichtete). Vorige Woche war es Thema in der Ortschaftsratssitzung in Bergzow, und diese Woche nun fand eine Info-Veranstaltung für die Bergzower Bürger statt, an der neben Bergzower Ortschaftsräten und Bürgermeisterin Jutta Mannewitz auch alle Amtsleiter teilnahmen.

Dass bis auf die Demonstration der angedachten Standorte anhand von Karten die Veranstaltung in fast gemütlicher Bierrunde auf der Terrasse des Sportlerheims stattfand, täuschte, denn das Thema beschäftigte die Anwesenden sehr und wurde heiß diskutiert. Bauamtsleiterin Gabriele Panzlaff stellte zunächst die Fakten vor: Laut aktueller Planung des Investors will dieser vier Anlagen mit einer Gesamthöhe von 180 Metern, einer Nabenhöhe von 123 Metern und einem Rotordurchmesser von 114 Metern errichten. Zum Vergleich: Die vorhandenen vier haben eine Höhe von 140 Metern, eine Nabenhöhe von 100 Metern und einen Rotordurchmesser von 80 Metern. Die Anlagen sollen eine Nennleistung von 3,17 Megawatt haben. Von Planung, Bauausführung bis Betreuung wolle der Investor, die WSB Projekt GmbH Dresden, alles selbst in die Hand nehmen.

Da es sich um ein ausgewiesenes Windeignungsgebiet handelt, seien die planungsrechtlichen Voraussetzungen gegeben, betonte die Bauamtsleiterin. Von den zahlreichen Vorgaben, die darüber hinaus einzuhalten sind, beschäftigt die Bergzower vor allem der Mindestabstand zur Wohnbebauung. Mindestens 1 000 Meter zu Wohngrundstücken im Innenbereich und mindestens 500 Meter zu Häusern im Außenbereich müssen es laut Gesetz sein. "Wir wollen, dass für Bürger, die im Außenbereich wohnen, dasselbe gilt. Wir Fordern 1 000 Meter Abstand von jedem Haus", fasste der stellvertretende Ortsbürgermeister Hans-Joachim Bauer die Meinung des Ortschaftsrats zusammen. Er fügt an: "Am liebsten wollen wir überhaupt keine weiteren Windräder, aber es ist uns klar: Wer gegen Atomkraft ist, muss auch ein Bekenntnis für etwas anderes abgeben!" Diese Meinung fand Zustimmung.

Tatsächlich verhindern könnten ohnehin nur die Eigentümer der Flächen im Eignungsgebiet den Bau weiterer Windräder. Aber wenn schon weitere Windräder, warum dann nicht in Regie der Gemeinde? Bauer brachte damit einen Gedanken ins Spiel, der einigen sehr gewagt, aber durchaus interessant erschien. "Womit will die Gemeinde in Zukunft sonst noch Geld verdienen? Wir sollten diese Chance nicht vertun!" Investoren zur Mitfinanzierung würde man bestimmt in der Region finden, ist er überzeugt. Landwirt Jörg Schulze-Wext findet: "Die Idee ist klasse!" Er habe sich schon etwas ähnliches, einen Bürgerwindpark, angesehen, und bot an, dessen Leiter einmal einzuladen, um das Projekt vorzustellen.

Auch Bürgermeisterin Jutta Mannewitz fand ganz spontan diese Idee gut. Ob sie freilich realisierbar ist, bedarf einer genauen Prüfung - darin war man sich einig. Doch zumindest soll dieser mutige Gedanke nicht gleich beiseite gelegt, sondern weiterverfolgt werden.