Das Jahresfest im Diakonissen Mutterhaus Genthin konnte mit einem sehr seltenen Jubiläum verbunden werden. Schwester Dorothea erlebte vor 50 Jahren ihre Einsegnung als Diakonisse. Zwar befindet sich die 78-Jährige mittlerweile im Ruhestand, auf ihre Meinung wird im Haus aber nach wie vor viel Wert gelegt.

Genthin. Die Tradition der Diakonissen pflegen, zugleich aber auch an die Zukunft denken, umschreibt Pfarrer Mathias Barniske als Geschäftsführer des Diakonissen Mutterhauses Genthin die Aufgabe der Einrichtung. Mit 120 Besuchern wurden am Wochenende das Jahresfest und Einsegnungsjubiläum von Schwester Dorothea Graumann gefeiert.

"Sie ist die Letzte, die die Tradition der Diakonissen in Genthin zu pflegen versucht. Wir sind dankbar, dass wir sie haben", sagte Mathias Barniske. Auf ihre Meinung werde nach wie vor viel Wert gelegt.

Dorothea Graumann war in einem Kinderheim aufgewachsen. "Ich wollte das, was die Pflegemutter uns gegeben hat, an andere weitergeben." Sie sei sehr dankbar, dass es jemanden gegeben hat, der sich so um sie gekümmert habe.

Diakonisse zu werden, hat die 78-Jährige nie bereut. "Manchmal ist es nicht leicht gewesen, weil ich die Jüngste gewesen bin." Aber dass sie sich erneut für ein Leben als Diakonisse entscheiden würde, steht für sie außer Zweifel.

Schwester Dorothea machte ihr Krankenpflegeexamen und war als Krankenschwester, später Küchen- und Gartenschwester tätig. Im Waldhaus war Schwester Dorothea Hausmutter. "Das war eine große Aufgabe", erinnerte sie sich. 1996 zogen die Diakonissen in das Haus am Birkenwäldchen. Ursprünglich für 23 Frauen gebaut, leben heute nur noch zwei Diakonissen in Genthin. Neben Schwester Dorothea die 97-jährige Schwester Charlotte Dräger. Das Mutterhaus öffnete sich für andere Bewohner. Zuletzt sind nach einem Umbau eine Mutter und ihr behinderter Sohn eingezogen.

Besucher, wie jüngst eine Frauengruppe, schätzen das Mutterhaus und seine Umgebung als "außerordentlichen Ort der Ruhe in Genthin", sagte Mathias Barniske. Wer am Haus interessiert sei, könne sich die Einrichtung gern anschauen und unter Umständen als Altersruhesitz wählen.

Beim Jahresfest drehten sich viele Gespräche, um die Arbeit, die die Diakonissen in Genthin beispielsweise im Krankenhaus geleistet haben. Nicht wenige Kanalstädter sind mit Hilfe der Hebamme auf die Welt gekommen.

Ihre Arbeit beruhe auf einer "ganzheitlichen Grundlage: der Nächstenliebe", erklärte Pfarrer Barniske. "Heutzutage ist keiner mehr zu finden, der sich so dem Dienste der Barmherzigkeit verschreibt", setzte Hauswirtschaftsleiterin Sabine Futterlieb hinzu.

Zwar seien weiterhin Frauen im Krankenhaus ausgebildet worden, aber keine sei als Diakonisse geblieben. Jede habe früher oder später heiraten und mehr Geld verdienen wollen, blickte Schwester Dorothea zurück.

Ihr Glauben habe es Schwester Dorothea ermöglicht, durch die Tiefen zu gehen, ergänzte Mathias Barniske.

In ihrem Ruhestand übersieht die Schwester - mit ihrem grünen Daumen - weiterhin die Gartenarbeit und hält Kontakt zu anderen Mutterhäusern. Einmal im Jahr reist sie beispielsweise zu Diakonissen in die Schweiz. Gestern besuchte sie ein Mutterhaus in Hamburg.