Die Lektüre des "Leser wollen\'s wissen"-Beitrag vom vergangenen Sonnabend hat vielen Genthinern keine Freude bereitet. Laut Landesbetrieb Bau soll der Radweg zwischen Genthin und Parchen erst 2014 realisiert werden. Noch einmal drei Jahre warten? Der Hauptausschuss verständigte sich am Donnerstagabend auf dreifachen Protest.

Genthin. Von den Bürgern werde der Radweg zwischen Genthin und Parchen "dringend herbeigesehnt". Und auch alle 28 Mitglieder des Stadtrates und der Bürgermeister seien sich einig, sagte Lutz Nitz (Bündnis 90/Die Grünen) am Donnerstagabend im Hauptausschuss. "Was können wir als Stadtrat und Verwaltung tun?"

"Uns war fest zugesagt worden, dass die Planung 2010 abgeschlossen wird", sagte Birgit Vasen (Die Linke). 2011 sollte mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Gegenüber der Volksstimme (vom 7. Mai) erklärte Andreas Boehle, Fachgruppenleiter Planung und Entwurf beim Landesbetrieb Bau, jedoch, dass die Vorplanung erst im Juni abgeschlossen sein wird. Dem folgt die Entscheidung für eine Vorzugsvariante, die Landkreis und Stadtverwaltung vorgestellt wird. Der Entwurf dient als Grundlage für das Planfeststellungsverfahren. Eine Baugenehmigung wird außerdem benötigt ...

"So lange nicht der Druck von der Straße kommt, passiert nichts"

SPD-Fraktionschef Horst Leiste informierte, dass er sowohl Landrat Lothar Finzelberg als auch Kreisvorstand Bernd Girke am Montag beim Bauausschuss des Kreises auf die Problematik hingewiesen habe. "In der Einheitsgemeinde Genthin passiert nichts an den Bundesstraßen", kritisierte er. Seit 20 Jahren werde um den Radweg gekämpft. Diverse Verkehrsminister hätten ihr Engagement versprochen, aber gebracht habe das nichts. Zuletzt hatte Jens Bullerjahn, SPD-Spitzenkandidat im Landtagswahlkampf, bei seinem Besuch in Genthin angekündigt, sich beim Verkehrsminister für den Radwegebau in der Region einzusetzen. "Ich werde da noch einmal nachhaken", kündigte Horst Leiste an.

Außer Frage stand im Hauptausschuss, dass Radfahren auf der B1 viel zu gefährlich sei. Einen Blick in die Altmark wagte Andreas Buchheister (CDU). Er erinnerte an die Aktion der Kakerbecker, die sich gegen den starken Lkw-Verkehr in ihrem Ort mit einer Putzaktion der Straße zu Wehr setzten. Andreas Buchheister schlug vor, an einem Sonn-abend eine Demo anzumelden und alle Radfahrer einzuladen, von Genthin nach Parchen und wieder zurück zu fahren. Fahnen und Plakate sollten dabei auf das Ziel der Radler nachdrücklich verweisen. "So lange nicht der Druck von der Straße kommt, passiert nichts."

Der Vorschlag kam bei seinen Kollegen im Hauptausschuss sehr gut an. Lutz Nitz regte an, den Radwegebau am 26. Mai im Stadtrat zu behandeln. Neben der Demo sollte es noch eine Genthiner Delegation geben, die bei den Behörden vorspricht. Lutz Nitz verteilte zugleich einen Seitenhieb auf die Direktkandidaten, die im Landtagswahlkampf als Verfechter des Radwegebaus aufgetreten waren.

Bürgermeister Wolfgang Bernicke kündigte an, mit Verkehrsminister Thomas Webel das Gespräch zu suchen. "Wenn wir über drei Ebenen gehen, ist das noch besser", reagierte Lutz Nitz.

Bis zur Stadtratssitzung wird die Verwaltung eine genaue Auflistung vorlegen, welche Terminketten es für den Radwegebau zwischen Genthin und Parchen bereits gegeben hat.