Schon zum 37. Mal trafen sich Laienchöre der Region zum gemeinsamen Konzert in der Klosterkirche Jerichow, und das Publikum ist keineswegs müde geworden - im Gegenteil. Mehr Besucher als in den Vorjahren waren gekommen, kein einziger Stuhl blieb frei. Die Freude am Singen beherrschte diesen Nachmittag.

Jerichow. "Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken." Mit diesem Zitat von Friedrich Schiller begrüßte stellvertretend für die Stiftung Kloster Jerichow Ivette Marquardt die Anwesenden. "Das Chorkonzert ist ein fester Bestandteil dieses Hauses geworden", würdigte sie diese Konzertreihe. Weit vor der Wende ins Leben gerufen, hat die Reihe jene schwierigen Jahre überstanden und existiert nun schon deutlich länger nach als vor der Wende, und das mit stetig wieder steigenden Zuhörerzahlen.

Dass Profi-Chören keine Konkurrenz gemacht werden kann und soll, ist allen bewusst, wenn auch immer wieder recht Schwieriges ins Repertoire genommen wird, das für die Laiensänger keine geringe Herausforderung ist.

Neun Chöre waren diesmal dabei. Der zehnte und eigentlich erste im Programm, der gemischte Chor Gerwisch, fiel wegen Krankheit aus. So begann gleich der Männerchor Orpheus Pretzien unter Bernhard Janowski, gefolgt vom Frauenchor Genthin unter Moses Schermann. Beide Chorleiter dirigierten noch jeweils einen zweiten Chor: Janowski den Gemischten Chor Leitzkau und Schermann den Handwerker-Männerchor Genthin.

Frischen Wind brachten die "ßwiet ßisters"aus Pretzien ins Konzert. Die jungen Frauen unter Leitung von Friedrich Harwig waren zum ersten Mal dabei, stellten sich zunächst musikalisch vor, präsentierten dann Film- beziehungsweise Musical-Melodien und zeigten dann mit "Ave Verum" und dem "Irischen Segenswunsch", dass sie auch Altes beherrschen. Anschließend brachte der Gemischte Chor Schönhausen/Wust unter Branimir Kyrdshiew seinem früheren Leiter Klaus-Joachim Lasch zu dessen 50. Chorleiterjubiläum ein Ständchen. "Ich bete an die Macht der Liebe", sangen die Schönhausener zum Abschluss.

Mit dem Chor der Friedensboten aus Wagners "Rienzi" setzte der Frauenchor Rathenow unter Herrmann Tressel das Programm fort. Jeweils drei Lieder (mit Ausnahmen) sang jeder Chor - mehr würde den Umfang des Konzerts sprengen. Kreischorleiter Thomas Schöbel hatte mit seinem Chor, der Chorgemeinschaft Hohenseeden, Glucks "Füllt mit Schalle" sowie das sehr lustige Lied "Der Schneider Jahrestag" und das schöne Volkslied "Musikanten aus dem Bauerndorf" ausgewählt. Tatsächlich stand Thomas Schöbel an diesem Nachmittag mit sehr gemischten Gefühlen vor seinen "Musikanten aus dem Bauerndorf", denn eigentlich wäre er zur selben Zeit sehr gern nach Wernigerode gefahren. Als ehemaliges Mitglied des Rundfunkjugendchors Wernigerode wäre sein Platz dort beim Konzert zum 60. Chorjubiläum gewesen - aber seinen Sängerkreis Elbe-Havel bei dessen wichtigstem Konzert im Jahr im Stich zu lassen, das fiel ihm nicht ein.

Nachdem zum Schluss noch die "Stremme-Lerchen" unter Karina Zaslavskaya und der Handwerker-Männerchor Genthin unter Moses Schermann an der Reihe waren, leitete Thomas Schöbel den von Anbeginn der Konzertreihe üblichen Abschlusskanon aller Chöre - "Dona nobis pacem" - Gib uns Frieden".

Norbert Jankiewicz, Vorsitzender des Sängerkreises Elbe-Havel, dankte allen mitwirkenden Chören und speziell den Chorleitern sowie dem Publikum, das der Konzertreihe die Treue hält.

 

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