Die Genthiner Kita "Birkenwäldchen" wird zum Jahresende geschlossen. Darüber erlangten die Eltern gestern von der Stadtverwaltung Gewissheit. Die Kinder der Einrichtung werden künftig in der Kita "Max und Moritz" betreut. Der Träger, die Johanniter-Unfallhilfe in Magdeburg, hält sich zu diesen Vorgängen jedoch noch bedeckt. Nach einer internen Versammlung in der Kita am Donnerstagabend sickerte die Nachricht durch.

Genthin. Kathleen Lemke ist eine von vielen Muttis, die völlig verärgert sind. Am Wochenende hatte sie sich hingesetzt, und hat die Wut im Namen aller Eltern über die bis dahin vermutlich anstehende Schließung der Kita "Birkenwäldchen" in einem Brief an den Genthiner Rundblick zu Papier gebracht.

Was sie besonders ärgerte, war der Umstand, dass selbst das Kuratorium, dem sie angehört, bei der Entscheidung außen vor gelassen wurde.

Eine offizielle Informationsveranstaltung hat es noch nicht gegeben - damit gab es offensichtlich Nährstoff für viele Spekulationen und Unsicherheiten. Fest stand für die Eltern bis zum Wochenende soviel, dass die bisherige Leiterin der Kita "Birkenwäldchen" seit gestern nicht mehr in der Einrichtung tätig ist und den Eltern mitgeteilt wurde, dass ihnen die Leiterin der Kita "Max und Moritz" zukünftig als Ansprechpartnerin zur Seite stehe. Für die Eltern um Kathleen Lemke war dies ein sicheres Indiz dafür, dass hier etwas "am Laufen ist".

Ihr Kenntnisstand, räumte Kathleen Lemke gegenüber Volksstimme ein, beruhte bis zum Montagmorgen ausschließlich auf Buschfunk. Demnach sollen die Kinder, die im nächsten Jahr in die Schule kommen, bereits ab dem 1. August geschlossen und mit ihren Erzieherinnen in die Kita "Max und Moritz" gehen. Die verbleibenden Kinder sollen bis zum Jahresende umziehen.

Während sich der Träger, die Johanniter-Unfall-Hilfe Magdeburg, gestern auf telefonische Volksstimme-Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern wollte und auf eine Info-Veranstaltung am 23. Mai verwies, suchten Kathleen Lemke, Nicole Ritter, Marco Kampf und Sabrina Tornow stellvertretend für alle Eltern den Weg ins Rathaus, um Klarheit zu erlangen.

Die ist ernüchternd, denn das Aus der Einrichtung ist in der Tat vorprogrammiert.

In seiner Auskunft gegen-über der Volksstimme verwies Bürgermeister Wolfgang Bernicke allerdings darauf, dass die Öffentlichkeit durchaus über die Schließung informiert gewesen sei.

Der Stadtrat habe sich in verschiedenen Sitzungen und letztlich in der Beschlussfassung über das Haushaltskonsolidierungskonzept am 7. April des Öfteren mit diesem Vorhaben befasst. Bernicke: "Ursprünglich war die Schließung der Einrichtung für das Kindergartenjahr 2015/16 vorgesehen. Allerdings hat der Träger vorgeschlagen, auf Grund der konkreten Entwicklung von Bedarf und Belegung darüber nachzudenken, ob diese Maßnahme nicht schon in diesem Jahr in Angriff genommen werden kann."

Im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss sei das Thema Anfang Mai erneut unter diesem Aspekt beraten worden und dem Vorschlag zugestimmt, natürlich erst nach entsprechender Absprache mit dem Kuratorium. Bernicke machte klar, dass es nicht das Verschulden der Stadt gewesen sei, dass nun bereits die Öffentlichkeit hergestellt wurde, bevor die ersten Gespräche geführt werden konnten. Das habe nur dazu beigetragen, Unruhe zu stiften und Spekulationen Raum zu bieten, sagte der Stadtchef. "Hier geht es um die sachliche Bewertung eines schwerwiegenden sozialen Themas, und das sollte zunächst mit den Betroffenen erfolgen, also den Eltern, den Erziehern, dem Träger, um dann in einem übereinstimmenden Handeln dieses Vorhaben umsetzen zu können".

Auf die Aufregung der vergangenen Tage reagieren die Stadt Genthin und der Träger der Kita: Zunächst war für den 15. Juni eine erste Beratung vorgesehen, um wie Bernicke sagte, "auch genug Zeit zu haben, neue Konzepte für die Weiterführung der Betreuungsarbeit erarbeiten und den Eltern vorstellen zu können". Jetzt wird auf ein kurzfristiges Zusammenkommen aller Beteiligten gedrungen. Das soll in einer öffentlichen Kuratoriumssitzung am 23. Mai erfolgen.

Marco Kampf, Sabrina Tornow, Kathleen Lemke und Nicole Ritter wissen seit ihrem gestrigen Gespräch mit der Kultusamtsleiterin, woran sie sind. "Ich glaube nicht, dass wir die Schließung noch aufhalten können. Dazu sind die Argumente zu schwerwiegend", sagte Nicole Ritter. "Wir als Eltern werden aber um eine Fristverlängerung kämpfen, so dass wir noch Chancen haben, uns wenigstens noch nach anderen Betreuungsmöglichkeiten umzuschauen."