Am Freitag, 20 Mai, findet im Rahmen der Mitgliederversammlung des Jerichower Förder- und Heimatvereins eine Würdigung des Malers Oscar Bluemner mit der Vorstellung seiner Arbeiten statt. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Gaststätte Lucke

Jerichow. Als Wegbereiter der modernen amerikanischen Malerei genießen die Werke Oscar Bluemners heute hohe Anerkennung. Ihm zu Ehren wurde 2009 an der Stetson University in DeLand/Florida ein eigenes Ausstellungsgebäude errichtet, in dem seine Werke gezeigt und sein umfangreicher Nachlass gepflegt wird. Die Geschichte seiner Familie führt uns nach Jerichow, wo bereits sein Urgroßvater als Buhnenmeister lebte. Auch seine Großeltern, Friedrich und Elisabeth Bluemner, wohnten in Jerichow, heute Zimmerstraße 10. Der Großvater war Zimmermeister auf der Domäne. Oscar wurde am 21. Juni 1867 in Prenzlau geboren, begann nach dem Abitur ein Architekturstudium und emigrierte 1892 in die USA.

Unter dem Einfluss modernistischer Künstler begann er zunehmend, sich dem Zeichnen und Malen zuzuwenden.

Noch kurz vor seiner Auswanderung besuchte er seine Großmutter in Jerichow (gest. 1896) und fertigte eine Reihe von Skizzen und Zeichnungen aus dem Elbestädtchen an. Eine zweite Europareise (1912) führte ihn wieder nach Jerichow, wo noch Verwandte lebten. Wieder hielt er Ort, Umgebung und Menschen in rund 200 Zeichnungen oder flüchtigen Skizzen fest.

Diese Europareise festigte bei ihm einen modernen Malstil, der dem Neoimpressionsmus nahekommt. Da seine Werke jedoch kaum Abnehmer fanden, lebte Bluemner in ständiger Armut. Nach dem Tod seiner Frau 1926 zog er zu seinem Sohn nach Braintree/Mass. Nach einem schweren Autounfall 1935 und zunehmender Erblindung musste er die Malerei aufgeben. Im Zuge tiefer Depressionen verübte er 1938 Selbstmord.

Erst in den letzten 25 Jahren wurde die Bedeutung Bluemners durch mehrere wichtige Ausstellungen gewürdigt. Er malte Landschaften, Industrieanlagen und verwahrloste Fabrikgelände mit der modernsten künstlerischen Sprache, kombiniert mit sozialer Sympathie für die arbeitenden Schichten des Volkes. Bei der Farbwahl ließ sich Bluemner von emotionalen und spirituellen Vorstellungen leiten. Er bevorzugte besonders ein glühendes Rot.

Oscar Bluemners Tochter, Vera Bluemner Kouba, stiftete 1997 den umfangreichen Nachlass ihres Vaters von mehr als 1000 Arbeiten der Stetson University DeLand. Dort befinden sich auch seine zahlreichen Zeichnungen und Skizzen, die Jerichow, seine Umgebung und Menschen vor rund 100 Jahren im Bild festgehalten haben.

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