Genthin. Sonnabendmorgen. Nach einer anstrengenden Arbeits- beziehungsweise Schulwoche möchte man endlich ausschlafen. Plötzlich wird der Schlaf von einem lauten, nervenden Geräusch gestört, obwohl der Wecker eigentlich nicht gestellt worden ist. Bei genauerem Hinhören lässt sich der Lärm nun identifizieren: Nachbars Hahn kräht wieder munter daher.

Ganz anderes am Sonnabend auf dem Genthiner Hundeplatz. Da freuten sich die Männer, wenn ihr Hahn stolz und kräftig krähte. Dafür standen die 19 Zuchtfreunde des Genthiner Rasseflügelzuchtvereins am Sonnabend sogar eher auf, denn das 15. Hähnekrähen auf dem Genthiner Hundeplatz war angesagt. Zu ihrem jährlichen Wettbewerb hatten sie auch Freunde aus Burg und Parchen eingeladen.

Das Hähnekrähen ist eine Tradition des Vereins, das einmal im Jahr statt findet. Die so genannten Zähler machen ihrem Namen alle Ehre und zählen, wie oft ein Hahn in 45 Minuten gekräht hat, ein einfaches Gackern zählt hierbei nicht. Als Siegerhahn wird logischerweise derjenige gekürt, der in der festgelegten Zeitspanne am häufigsten kräht. Es kommt auch schon mal vor, dass ein Hahn mehr als 100 Mal kräht.

Aussetzer gibt es auch

In diesem Jahr wurden 27 Hähne, darunter 18 Zwerghähne und neun große Hähne begutachtet. "Zwerghähne und große Hähne werden getrennt bewertet, denn ehe ein großer Hahn fertig gekräht hat, hat ein Zwerghahn dies schon zweimal getan", erklärt der Vorsitzende des Genthiner Rasseflügelzuchtvereins Erich Nerling. Die Besitzerin des diesjährigen Siegerhahns ist Clarissa Groß aus Burg, ihr Prachtexemplar krähte 82 Mal, bei den Zwerghähnen gewann Renate Nerling aus Genthin, ihr Geflügeltier krähte 58 Mal. Die Sieger erhielten als kleine Anerkennung sowohl einen Sack voller Futter als auch ein selbstgebautes Vogelhaus.

Der Vorsitzende Nerling sagt, dass dieser Wettbewerb keinen Zuchtwert hat, sondern eher eine Gaudi-Veranstaltung sei, bei der man sich lustig zusammensetze und Spaß hat. Daher wird auch spontan kurz vor dem Hähnekrähen entschieden, wer das ehrenvolle Amt des Zählers übernimmt.

Man sieht es auch völlig locker, wenn ein Hahn während der 45 Minuten nicht ein einziges Mal kräht. Dieses Tier bekommt dann ein Schreiben, wo es aufgefordert wird, im nächsten Jahr gefälligst zu krähen.

"Es sind zu dieser lustigen Zusammenkunft auch alle Hähnehalter aus der Umgebung recht herzlich eingeladen", lässt der Vorsitzende verlauten.

   

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