Wer etwas über seinen Ort erfahren möchte, über Menschen, die einst dort lebten und wirkten, über besondere Bauwerke, stillgelegte Bahngleise oder besondere Begebenheiten, der wird bei den Ortschronisten fündig. Sie sind die erste Adresse für enormes Wissen über die jeweiligen Orte. Am Sonnabend trafen sich 32 von ihnen zum Jahrestreff im Kreismuseum in Genthin.

Genthin. Es hatte den Hauch von der Zusammenkunft einer Großfamilie und irgendwie stimmt der Vergleich, denn die Ortschronisten sind auf jeden Fall eine Familie im Geiste. Sie gehen Spuren der Vergangenheit nach, beschäftigen sich mit Lebensläufen der Vorfahren, graben besondere Ereignisse in ihren Orten aus, fördern nicht selten ein Stück fast verloren gegangener Heimatgeschichte zu Tage.

"Die Ortschronisten sind das Gedächtnis ihrer Orte", sagte dann auch Antonia Beran, die Leiterin des Kreismuseums, die die Frauen und Männer wie jedes Jahr eingeladen hatte.

Und sie machte einen sehr guten Vorschlag, der auch die Arbeit der Ortschronisten sehr erleichtern würde. "Alle Zeitungen des Bibliotheksbestandes von 1856 bis 1970 sind fotografiert und digitalisiert worden. Als nächster Schritt wäre es prima, wenn diese Seiten im Internet stehen würden." Die Ortschronisten, aber natürlich auch alle anderen Interessierten hätten damit die Möglichkeit, in historischen Zeitungen zu blättern. "Und das unabhängig von den Öffnungszeiten der Bibliothek. Es gibt ja bereits die Möglichkeit, im Internet historische Bücher zu lesen, warum sollten wir das nicht hinkriegen?", so Beran.

Spannendes Referat zur Lehrerausbildung

Um zu sehen, wie die Idee praktisch und damit technisch umgesetzt werden kann, will sie sich jetzt mit Fachleuten beraten. Wenn das Vorhaben Geld kosten sollte, so war sie mit ihrem Vorschlag gleich an der richtigen Adresse, denn Landrat Lothar Finzelberg war zu dem Jahrestreffen ebenfalls gekommen. Er dankte den Chronisten für ihre engagiert ehrenamtliche Arbeit. "Sie sind das Gedächtnis ihrer Orte. Durch ihre akribische Arbeit bleibt ein Stück der jeweiligen Geschichte lebendig. Sie entreißen sie dem Vergessen."

Nach den Worten des Landrats hielt Frank Hoche, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Museen des Landkreises und der Stadt Stendal, einen Vortrag zum Thema "Vom Schulmeister zum Pädagogen". Der Referent Frank Hoche, Diplom-Historiker, verfolgt darin die Schulgeschichte und insbesondere die Frage der Lehrerbildung in Preußen. Es war spannend und interessant zu erfahren, wie die Ausbildung der damaligen Volksschullehrer war, wie sie durch das Lehrerseminar ihren Abschluss erreichten, den sie mit nur 21 Jahren in der Tasche hatten.

"Wir haben dieses Thema gewählt, weil es bestens zu unserer Ausstellung ,Von der Schiefertafel bis zum Polylux\' passt", so Antonia Beran. Zu der haben auch die Ortschronisten wieder sehr viel beigetragen.

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