Hohenseeden. Nach dem großen Spargelfest am Wochenende herrscht auf den Feldern an der B1 noch immer geschäftiges Treiben. "Spargelzeit ist noch bis zum 24. Juni", erzählt Martin Rümschüssel. "Etwa 200 Erntehelfer kommen jedes Jahr aus Polen."

Den Geschäftsführer der Hohenseedener Agrargenossenschaft treibt in diesen Tagen aber ein ganz anderes Thema um: Heidelbeeren! "Vor einiger Zeit war ich in Holland, dort gab es Tipps zum Spargelanbau. Aus dem Nachbarland brachte er auch die Idee vom Heidelbeeranbau in Hohenseeden mit.

Zur Zeit blühen die Pflanzen, ab Mitte Juni wird geerntet. Das 2,7 Hektar große Feld am Reitplatz des Dorfes sieht noch verlassen aus. Nur eine blonde Frau ist zu sehen, als Martin Rümschüssel seinen Rundgang macht.

Grazyna Tworek kam 2005 das erste Mal nach Hohenseeden. Die Polin kommt aus einem kleinen Dorf bei Krakau. An ihre ersten Tage auf den Hohenseedener Feldern erinnert sie sich noch sehr gut. "Uns wurde ganz genau gezeigt, wie das mit dem Spargelernten richtig funktioniert", sagt sie in einem Deutsch, das sich durchaus hören lassen kann. Dann begann für die 36-Jährige der Erntehelferalltag: "Um sechs beginnen wir auf dem Acker, abends geht es mal bis fünf, wenn viel zu tun ist auch mal bis sieben Uhr." Großes Heimweh hatte sie nicht. "Wir kamen ja in der Gruppe, das hilft, wenn man so weit weg von zu Hause ist."

Und auch mit den Hohenseedenern hat sie sich bald angefreundet. "Nach der Arbeit war ich oft auf dem Fußballplatz", erinnert sich die junge Frau. Dort hat es auch zwischen ihr und ihrem heutigen Ehemann gefunkt. Neben Spargel hat sie in Hohenseeden auch die Liebe gefunden. Heute lebt sie ganz in Deutschland. "Zuerst war das eine Riesenumstellung, die Polen sind offener und zugänglicher als die Deutschen." Heute ist das für Grazyna kein Problem mehr. "Es dauert hier etwas länger, aber wenn man die Deutschen erst einmal erobert hat, ist es ein tolles Miteinander." Im Moment dreht sich ihr Arbeitsalltag nicht um Spargel, sondern um besagte Heidelbeeren. "Ich schaue nach dem Rechten, mache hier sauber und warte auf die Ernte." Darauf freut sich auch Martin Rümschüssel. Er hat seinen Rundgang für heute beendet. "Sieht gut aus, die blauen Beeren können kommen."