20 Jahre Kindertagesstätte Sonnenschein. Seit Montag feiern die 66 Kinder und die Erzieherinnen der kirchlichen Einrichtung diesen Geburtstag (Volksstimme berichtete) und damit auch ein bisschen sich selbst. Dafür haben sie gute Gründe.

Genthin. Gabriele Nitsche ist in ihrem Element. Sie steht in einer Gruppe Kinder, spielt mit ihnen unter freiem Himmel. "Meine Kolleginnen und ich haben den schönsten Beruf der Welt", sagt die Leiterin der Kita Sonnenschein in Genthin. Seit 33 Jahren ist sie schon in ihrem Beruf, der ihre Berufung ist. "Die Mädchen und Jungen, die vor 20 Jahren zu den ersten in unserer Einrichtung gehörten, sind heute Erwachsene. Es ist doch schön, dass wir sie ein Stück ihres Lebens begleiten, ihnen Werte mit auf ihren Lebensweg geben konnten." Einige Hunderte hatten in den vergangenen 20 Jahren hier ihr zweites Zuhause.

Zu den insgesamt 23 Kindern zwischen zwei und sechs Jahren, die vom Eröffnungstag an, 1. September 1991, den "Sonnenschein" besuchten, gehörten auch Ulrike und Marie. Sie werden bestimmt bei der Festveranstaltung am Sonnabend dabei sein. "Auch aus diesen beiden Mädchen von einst sind wunderbare junge Frauen geworden, die selbst heute Mütter sind", setzt Gabriele Nitsche hinzu.

Überhaupt freut sie sich auf die große Geburtstagsfeier am Sonnabend. "Der Höhepunkt ist der Festgottesdienst in der katholischen Kirche. Danach laden wir alle ehemaligen und heutigen ,Sonnenscheine\' zu einem gemütlichen Beisammensein in unsere Kita ein. Ab 17 Uhr steht ein Konzert für Kinder mit den Gebrüdern Jehn auf dem Programm", weckt Gabriele Nitsche die Vorfreude.

Bei dem Beisammensein werden sicher auch viele Erinnerungen wach. "Ich erinnere mich besonders an Pfarrer Willi Kraning, ein großartiger Mann", sagt Nitsche. "Er hatte 1991 die Idee, eine integrative Kindereinrichtung zu schaffen, die offen für alle Kinder ist, ob getauft oder nicht getauft, ob behindert oder nicht behindert", umreißt sie das Credo von Pfarrer Kraning, das noch heute seine Gültigkeit hat.

"Orientierung beim Umgang mit den uns anvertrauten Kindern gibt den Erzieherinnen das christliche Menschenbild, bei dem Toleranz einen hohen Stellenwert hat", beschreibt Gabriele Nitsche den Anspruch ihrer Arbeit. "Die Kinder werden in ihrer Ganzheitlichkeit und Einmaligkeit gesehen. Wir möchten eine Stätte der Geborgenheit und Begegnung sein."

Alle Kirchengemeinden der Stadt Genthin waren damals in die Überlegungen zur Schaffung einer solchen Einrichtung und in die Vorbereitungen einbezogen. Die juristische Trägerschaft übernahm die katholische Mariengemeinde mit fachlicher Unterstützung des Caritasverbandes Magdeburg.

"Die Möbel und das Spielzeug bekamen wir aus der Stadt Hagen in den alten Bundesländern. Das war Pfarrer Kranings Heimatort, er stellte den Kontakt her", erinnert sich Nitsche. Für eine Woche durfte sie in Hagen in einer Kindereinrichtung zu Gast sein, um die religiöse und pädagogische Arbeit kennenzulernen. "Für meinen weiteren Weg waren diese Tage in Hagen sehr prägend", sagt Nitsche.

Vom ersten Tag des "Sonnenscheins" ist Gabriele Nitsche die Leiterin. Doch ihre Arbeit begann vor dem 1. September 1991. "Viele Bauarbeiten mussten realisiert werden, denn beispielsweise war unser Gebäude von Anfang an behindertengerecht. Wir waren seinerzeit übrigens die einzige integrative Kindereinrichtung in ganz Sachsen-Anhalt", so die Leiterin. Sie begeht am 1. Juni ihr 20-jähriges Dienstjubiläum.

Damals wie heute ist sie begeistert davon, dass die Eltern so aktiv mitarbeiten. "Am vergangenen Montag beispielsweise haben 15 Eltern die Mädchen und Jungen zu einem Frühstück eingeladen", freut sich Nitsche. "Sie haben kleine Schnittchen beispielsweise mit Ei, Marmelade und Honig aufgetafelt, Obstsalat gemacht, selbst Kräuterquark und Quarkspeise mit Himbeeren angerichtet und liebevoll dekoriert", strahlt Gabriele Nitsche. "Ab 7 Uhr haben Organisatorin Casryn Karstedt und die anderen fleißigen Muttis alles vorbereitet. Ein schöner Tag."