Am Wochenende vom 2. bis 5. Juni wird im evangelischen Kirchspiel Wulkow/Wust das 30-jährige Bestehen der Marionettenbühne "Märchenvogel" und das 20-jährige Bestehen des Geschichtskreises gefeiert. Vorträge, Konzerte, Märchenvorstellungen und weitere Veranstaltungen bilden das öffentliche Rahmenprogramm für die beiden Jubiläen.

Wulkow. Seit einigen Tagen liegt die mehrseitige Sonderausgabe der "Offenen Türen", Beiträge zur Geschichte, Religion und Kultur im Elbe-Havel-Winkel, vor. Ein ordentliches Stück Vorarbeit ist geschafft, bevor die Feierlichkeiten am 2. Juni in der Kirche Kleinwulkow mit dem Film "Die Teepflanzer aus dem Jerichower Land" und einem Zusammensein bei Darjeeling-Tee und Teegebäck ihren Anfang nehmen werden.

Pfarrer i.R. Karlheinz Stephan und sein Team lassen die Öffentlichkeit an einem Jubiläum teilhaben, das weit und breit seines Gleichen sucht.

Aber die Jubiläen sind auch Momente des Innehaltens: "Als wir vor 30 Jahren mit dem Marionettenspiel begannen, ging es uns zunächst noch nicht um den Erhalt unserer Kirchen im Kirchspiel", erklärt der Pfarrer i. R.. "Als kirchliche Gruppe wollten wir der Öffentlichkeit Inhalte zugänglich machen und verständlich vermitteln. Das konnten wir mit Märchenaufführungen, die uns schließlich in Schulen und in öffentliche Einrichtungen führten." Stephan: "Da Märchen biblische Inhalte haben, war das zu DDR-Zeiten die richtige Entscheidung."

Der Ort erster Proben war das Pfarrhaus, es folgte - gegen das Versprechen, das Bauwerk so gut es geht herzurichten - ein Umzug in die kaum noch genutzte Kirche in Briest (Landkreis Stendal), in der die Märchenbühne heute noch ihr Domizil hat.

Wie die Marionettenbühne und der später gegründete Geschichtskreis dann eine Zweierbeziehung eingingen, erklärt Pfarrer i. R. Stephan so: "Wir haben bemerkt, dass Märchen und Romanik sehr nah beieinanderliegen, denn deren symbolischer Gehalt ist der Gleiche. Deshalb beleuchten wir die Geschichte des Kirchengebäudes stets als Glaubensgeschichte der Kirche."

Wer diese Glaubenshistorie anerkenne, egal ob er Christ oder Nichtchrist sei, könne bei der Marionettenbühne und im Geschichtskreis mitarbeiten. "Wir arbeiten im GuM mit jedem zusammen, der guten Willens ist, das ist mir sehr wichtig", sagt Stephan.

Heute gehören Geschichtskreis und Marionettenbühne 35 Mitglieder der näheren Umgebung und insgesamt 108 Mitglieder aus ganz Deutschland an.

In den 30 Jahren ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Marionettenspieler, Kirchenführer, oder einfach als "Helfer bei dringenden Aufgaben" erwirtschaftete GuM finanzielle Mittel, um die Kirchen in Wust, Kleinwulkow, Briest, Melkow, Sydow und Großwulkow entweder vollständig zu sanieren oder zumindest deren Bausubstanz zu stabilisieren.

Jährlich besuchen etwa 4000 Gäste diese kleinen Kirchen. Dabei geht es den Kirchenführern nicht allein um die Stilmerkmale der Romanik, hier soll der Besucher einen Einblick in die Gedanken- und Vorstellungswelt des mittelalterlichen Menschen erhalten.

GuM bietet unter anderem auch ein touristisches Pau- schalangebot für einen Tagesausflug mit Marionettenaufführung und Kirchenbesuch an. Der Weg, den GuM vor Jahrzehnten eingeschlagen hat, davon zeigt sich Pfarrer i. R. Stephan überzeugt, war richtig: Dass alle sechs Kirchen des Kirchspiels von Marionettenbühne und Geschichtskreis in den vergangenen Jahren finanziell bedacht werden konnten, aber auch ihre ganz spezielle Geschichte in Kirchenführungen einfließt, ist für ihn Ausdruck dessen, dass nur sechs Kirchen miteinander vorwärts kommen, nicht jede einzelne für sich.

"Wir haben schon zu DDR-Zeiten angefangen, touristisch zu arbeiten, und die Erfahrung lehrt, dass dies keine Kirche für sich allein tun sollte", sagt Stephan. Dabei steht jede Kirche für etwas Besonderes, ganz Individuelles: Wust mit der Katte-Tragödie, Großwulkow mit der Vision der Romanik, Kleinwulkow ist stolz auf die Saga der Wernickes als Darjeeling-Pioniere, Briest beherbergt die Marionettenbühne, Melkow als eine lupenreine romanische Kirche und Sydow mit einzigartigen Innenmalereien.

Und auch das große Festprogramm trägt dem Rechnung: In allen sechs Kirchen finden Veranstaltungen rund um das Jubiläum statt.