Die Bürgerarbeit in Genthin thematisierte Genthins Bürgermeister Wolfgang Bernicke nochmals auf der Sitzung des Stadtrates in der vergangenen Woche. Er appellierte an potentielle Antragsteller, ernsthaft das Angebot der Bürgerarbeit in Erwägung zu ziehen.

Genthin. Kati Baron (41) und Karl-Heinz Blanke (60) machen ihren Job als Bürgerarbeiter im Thomas-Morus-Haus gern. "Ich bin froh, dass ich hier arbeiten kann. Doch ich weiß von vornherein, dass die drei Jahre für mich nur ein Lückenfüller sein werden", sagt Kati Baron in fester Gewissheit. Für Karl-Heinz Blanke ist die Bürgerarbeit hingegen ein Schrittchen in Richtung Rente. "Für mich kann es im Moment nichts Besseres geben", sagt er.

Bernd Neumann, Chef des Morus-Hauses, hat händeringend auf die insgesamt fünf Bürgerarbeiter gewartet. Nachdem sich abzeichnete, dass es sowohl keine AB-Maßnahmen als auch keine Ein-Euro-Jobber mehr geben sollte, blickte man mit allergrößten Sorgen in die Zukunft der Jugendeinrichtung. Arbeit gibt es hier genug. Kati Baron und Karl-Heinz Blanke investieren sich nach besten Kräften, die 41-Jährige begleitet unter anderem die Arbeitsgemeinschaft "Kochen und Backen", Karl-Heinz Blanke gibt seine handwerklichen Fähigkeiten in der Arbeitsgemeinschaft "Kettenriss und Speichenbruch" weiter. Das Jugendhaus gibt den beiden Bürgerarbeitern das Gefühl, gebraucht zu werden. Bernd Neumann kommentiert dies kurz und knapp: "Die Leute sind bei uns einfach gut in der Spur und das ist wichtig."

Doch der Jugendhausleiter weiß auch: "Wenn die drei Jahre vorbei sind, haben unsere Bürgerarbeiter im Bereich der Jugendarbeit wohl kaum eine Chance auf eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt."

Kati Baron und Karl-Heinz Blanke sind zwei der inzwischen 100 für die Stadt Genthin bewilligten Bürgerarbeitsplätze. 30 weitere Anträge, darüber informierte der Stadtchef auf der Stadtratssitzung, seien noch in Bearbeitung. Weitere 50 Stellen könnten noch besetzt werden. Am 7. Juni gibt es erneut eine Beratung, zu der die Arge und die Stadt Genthin alle Interessenten eingeladen haben, die über Möglichkeiten verfügen, Bürgerarbeitsplätze zu beantragen und zu erhalten. Bernicke: "Wir wollen wirklich jeden ansprechen, wer kommt, ist willkommen".

Offensichtlich gibt es jedoch bei potentiellen Antragstellern Unsicherheiten, welche Jobs sich für Bürgerarbeit anbieten.

Genauer: Antragsteller wie Vereine, Einrichtungen und Institutionen täten sich schwer mit dem Nachweis, dass die Bürgerarbeit zusätzlich zu üblichen Arbeitsfeldern geleistet werden müsse, sagte Bernicke vor den Stadträten. Sie dürfe zudem keine Verdrängung auf dem regulären Arbeitsmarkt darstellen, machte Bernicke noch einmal klar. Mit dem Hinweis, dass es in nicht absehbarer Zeit nach dem Willen der Bundesregierung auch keine weiteren Maßnahmen auf dem zweiten Arbeitsmarkt geben würde, mahnte Bernicke, unbedingt von der Bürgerarbeit Gebrauch zu machen. "Es ist die letzte Chance, Arbeitskräfte zu genieren. Zurzeit gibt es nichts Besseres als die Bürgerarbeit. Wer jetzt nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, wird es später bitter bereuen."

Insgesamt 180 Stellen waren für die Kanalstadt auf Antrag der Arbeitsgemeinschaft Grundsicherung im Job-Center JL aus dem Bundesprogramm "Bürgerarbeit" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bestätigt worden.