Die Wanderausstellung zur Himmelsscheibe von Nebra kommt nach Osterwieck. Vom 3. Oktober an wird sie für sechs Monate in der Altstadt zu sehen sein. Zur Finanzierung hat die Stadt am Montag einen Sponsorenvertrag mit der Harzsparkasse geschlossen.

Osterwieck l Seit sechs Jahren ist die Ausstellung "Ein Himmel auf Erden" auf Reisen. Sie ist Publikumsmagnet von Stralsund an der Ostsee bis Konstanz am Bodensee. "Osterwieck hat im Termin mit Peking und Hongkong konkurriert", berichtete am Montag Bernd Zich, Abteilungsleiter des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. "Die Ausstellung ist eine Erfolgsstory", erklärte er. Bis 2015 sei sie ausgebucht. Zwischen 3000 und 50 000 Besucher seien - je nach Größe - pro Stadt gekommen. Für Osterwieck wird mit 10 000 gerechnet.

Dass die Ilsestadt den Vorzug vor Fernost erhielt, hat mehrere Gründe. Zum einen sprachliche, vor allem aber sei der Nordharz in Sachen "Frühbronzezeit eine potente Region", sagte Zich. Dafür gebe es zahlreiche Belege aus archäologischen Grabungen. Die 1999 bei Nebra entdeckte Himmelsscheibe stammt auch aus der Zeit und gibt Einblick in das Weltbild der Menschen vor etwa 3600 Jahren.

Für Osterwieck sprach auch die Betreuung der Ausstellung durch Alexandra Runschke, die aus der Ilsestadt stammt und eine Studentin von Zich an der Luther-Universität war. "Sie ist das ultimative Sprachrohr für die Frühbronzezeit." Aus einer von Runschke in Osterwieck organisierten Archäologie-Vortragsreihe heraus ist die Idee entstanden, die Wanderausstellung herzuholen. "In einer atemberaubenden Geschwindigkeit", wie Zich bemerkte. Anderswo hätten die Vorbereitungen zwei bis drei Jahre gedauert, hier nur sechs Monate.

Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) hob dabei die Harzsparkasse hervor. Die Stadtchefin und Vorstandsmitglied Wilfried Schlüter unterzeichneten am Montag einen Sponsorenvertrag. Durch einen erheblichen Zuschuss wolle die Harzsparkasse das finanzielle Risiko der Stadt verringern. "Die Ausstellung ist nicht nur für Osterwieck wichtig, sondern für den gesamten Harzkreis etwas Besonderes", betonte Schlüter.

Auch Peter Werner (CDU), der stellvertretende Ortsbürgermeister, sieht den Werbeeffekt. "Es ist ganz wichtig, dass Osterwieck bekannter wird." Diese 16. Station der Schau ist die erste in der Mitte Deutschlands und soll bis aus Hannover Besucher in die Fachwerkstadt anziehen.

Deshalb sollen mehrere "Pakete" geschnürt werden. Der gestern unterzeichnete Sponsorenvertrag ist dafür quasi der Startschuss. Es geht um touristische Pakete in Verbindung mit Hotels, Gaststätten und Museum, ebenso um pädagogische Pakete, um viele Schüler für die Ausstellung zu begeistern. Begleitend sind ab Oktober mehrere Fachvorträge vorgesehen.

Ausstellungsort wird nicht etwa das Heimatmuseum sein, sondern das Fachwerkhaus Kapellenstraße 2, wie Wirtschaftsförderer Peter Eisemann berichtete. "Wir haben lange nach einem geeigneten Raum in der Altstadt gesucht." Dabei ging es um Kriterien wie Größe, behindertengerecht und zentrale Lage.

Die Ausstellung besteht aus 16 Vitrinen mit etwa 100 nachgebildeten Exponaten, darunter eine Replik der Himmelsscheibe, die als älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene gilt. "Es geht darum, die Dinge im Zusammenhang zu verstehen", erklärte Museums-experte Zich. Da auf der Scheibe auch die Wintersonnenwende dargestellt ist, soll es am 21. Dezember ein historisches Fest in Osterwieck geben.

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