Die Bürgerinitiative "Pro Ortsumfahrung" hat am Donnerstag, gemeinsam mit vielen Einwohnern aus Harsleben und etlichen Sympathisanten aus den umliegen Orten, die Halberstädter Straße mit einer Menschenkette abgesperrt. Mit dieser von den Behörden genehmigten Aktion haben die Bürger auf die untragbaren Zustände in der Gemeinde aufmerksam gemacht, durch die jeden Tag mindestens 14200 Fahrzeuge rollen.

Harsleben l Pünktlich um 17 Uhr gingen die versammelten Demonstranten am Ortseingang von Harsleben auf die Straße und machten diese für den Verkehr dicht. "Die Aktion verlief planmäßig", sagt Siegfried Koch, der Sprecher der Bürgerinitiative. "Wir haben den vorgeschriebenen Zeitraum genau eingehalten."

Die Initiative mobilisierte mit ihrem Aufruf etwa 300 Bürger. Hier war der angestrebte Schulterschluss von Harsleben und Halberstadt klar zu erkennen. Nicht nur Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) vertrat seine Stadt. Mit ihm waren zahlreiche Anwohner gekommen, die ihrem Unmut über die derzeitige Situation Luft machten. Auf den Plakaten und Protestschildern wurde der Bau einer Ortsumgehung gefordert.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Sperrung tat Harslebens Gemeinderätin Christel Bischoff (Bürger für Harsleben) die Forderungen der Bürgerinitiative kund. Unter den Zuhörern waren auch mehrere Landtagsabgeordente zu finden. Koch wies die Versammelten zu Beginn der Aktion noch einmal auf die tägliche Lärmbelastung hin, die im Ort jeden Tag ausgehalten werden muss. Nach der kürzlich erfolgten Lärmkartierung liege der Geräuschpegel bei über 75 Dezibel, so Siegfried Koch. "Mit der geplanten Umleitung der Schwerguttransporte würden die Werte noch viel höher liegen", führte er aus. "Das ist nicht mehr zumutbar. Die Ortsumgehung muss so schnell wie möglich her." Dem stimmte der Oberbürgermeister zu. Er unterstrich, dass die Stadt Seite an Seite mit den Harslebenern stehen würde. Außerdem regte er an, dass auch die Einwohner von Halberstadt ihren Bereich der B 79 mit einer ähnlichen Aktion sperren sollten. Er könne sich gut vorstellen, die Straße abwechselnd mit den Harslebenern zu blockieren.

Harslebener berichten von der hohen Lärmbelastung

Diese Worte stießen auf reichlich Beifall. Siegfried Koch zeigte sich mit der erreichten Resonanz sehr zufrieden. "Heute hat man gesehen, dass wir mit unserem Anliegen die meisten Einwohner des Ortes vertreten", sagte er erfreut. "Es ist uns Ernst mit der Forderung nach einer Ortsumgehung." Viele Bürger erzählten, welche Probleme die jetzige Verkehrbelastung mit sich bringt.

Manfred Kruse wohnt direkt an der B 79. Er hofft, dass sich bald etwas ändert und die Proteste Erfolg haben werden. Manfred Schütze wohnt gegenüber der Firma Reich. Er kann keine Nacht das Fenster zur Straße offen lassen, da bei dem Lärm an eine Nachruhe kaum zu denken sei. Auch Wegelebens Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer (CDU) war unter den Protestierenden. "Wenn Halberstadt für den Lkw- Verkehr dichtgemacht wird, dann haben wir die Schwerguttransporter auch bei uns in Wegeleben", ist er überzeugt. "Die Brummis könnten schon in Gröningen von der B81 abfahren und dann durch unsere Stadt rollen."

Die Bestätigung seiner Worte bekam er noch während der Kundgebung als bekannt wurde, dass der Ausweichverkehr auch seinen Weg über die Wegelebener Kieswerkstraße genommen hatte. Außerdem nutzten etliche Fahrer ei- nen Feldweg hinter der Tankstelle in Harsleben, um die Sperrung weiträumig zu umfahren.

 

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