Sebasian Roloff ist ein erfolgreicher Sportschütze. Schon zweimal ist er Deutscher Vize-Meister in seiner Disziplin geworden. Das Besondere: Der 33-jährige Benzingeröder hat nur eine Hand.

Benzingerode l Sebastian Roloff ist jung und dynamisch. Der 33 Jahre alte Mann studiert Informatik an der Hochschule Harz, zuvor war der er viele Jahre als Vermessungstechniker tätig. Dass Roloff eine massive körperliche Behinderung hat, ist ihm auf den ersten Blick nicht anzusehen.

Der Benzingeröder kam bereits ohne die linke Hand zur Welt. Darüber zu klagen, liegt Sebastian Roloff nicht. "Mir fehlt doch nur die linke Hand, vielen Menschen geht es da weitaus schlechter als mir", sagt der Sportschütze. Auf die Frage nach seinen sportlichen Erfolgen gibt er sich bescheiden. Erst nach kurzem Zögern erzählt Roloff begeistert von "seinem" Sport und davon, dass er bereits zweimal Deutscher Vize-Meister mit der Luftpistole wurde.

Mit 16 Jahren trat Sebastian Roloff nach der Schulzeit in die Schützengesellschaft Benzingerode ein. "Ich hatte Langeweile in meinen letzten großen Ferien", erinnert er sich. Von der Pike auf lernt der junge Harzer, der seit 1986 mit seinen Eltern und zwei jüngeren Schwestern in Benzingerode lebt, im Schützenverein das Schießen. Dort fühlt er sich wohl. "Auch die Geselligkeit hat mir gefallen."

Nach Etappen bei den Jungschützen und als Fahnenträger seines Vereins nimmt er an Wettkämpfen teil und lässt sich zum Jugendleiter ausbilden. "Bei einem dieser Lehrgänge auf der Sportschule in Osterburg sprach mich 2008 Wolfgang Bendisch von der Schützengilde Seehausen/Altmark an. Er hat sich dem Behindertensport verschrieben."

Flugs bekommt Roloff einen Termin zum Probetraining beim Landestrainer. Dann geht alles ganz schnell. "Nach nur wenigen Trainingseinheiten bin ich noch 2008 mit zur Deutschen Meisterschaft nach München gefahren und belegte in der Wertung der Allgemeinbehinderten den zweiten Platz", berichtet er.

Inzwischen trainiert Sebastian Roloff nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch in Niedersachsen. "Meine Freundin kommt aus Seesen, wir haben uns über die Schützen kennengelernt. Daher trainiere ich auch dort." 2012 folgt dann der nächste große Titel in der Kategorie der Klassifizierten mit der Luftpistole - erneut wird er Deutscher Vizemeister.

Im Moment hat der Student wenig Zeit für den Schießsport. "Mein Studium und der Beruf gehen derzeit ganz klar vor. Aber das Schießen ist ja ein Sport, den man auch vom Alter her lange ausüben kann."

Erst durch seine Mitgliedschaft in der Behindertennationalmannschaft hat Sebastian Roloff Kontakt zu Gleichgesinnten geknüpft. "Bis ich zum Behindertensport kam, habe ich mich nie als behindert angesehen." Er erzählt, dass sich seine Eltern damals sehr dafür einsetzen, dass er nicht auf eine Behindertenschule musste. "Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, weil sie mich nie an etwas gehindert und mir vieles ermöglicht haben." Und der 33-Jährige sagt sogar, dass er durch seine Behinderung Glück gehabt habe.

Die sportlichen Herausforderungen für das neue Jahr sind groß. Zusammen mit der Deutschen Behindertennationalmannschaft bereitet sich Sebastian Roloff auf die Weltmeisterschaft in Suhl im Sommer 2014 vor. Es sei schon etwas Besonderes, wenn eine solche Meisterschaft im eigenen Land stattfinde. Das sporne zusätzlich an, betont Sebastian Roloff. "Und 2016 finden die nächsten Paralympics statt, mal schauen", sagt der Sportschütze. Damit würde sich für ihn ein Traum erfüllen. "Eine Teilnahme an den Paralympics wäre das größte sportliche Ziel, das ich mir vorstellen könnte."