Innere Werte sind für Stefanie Volmer nicht das Wichtigste - zumindest nicht bei historischen Büchern. Vielmehr als ihr Inhalt hat sie als Schülerin ihr Einband interessiert. Als Restauratorin im Gleimhaus sorgt sie nun dafür, dass die alten Schriften künftigen Generationen erhalten bleiben.

Halberstadt l Alte Wälzer sind verstaubt, überholt und langweilig? Weit gefehlt! "Ich bekomme richtiges Herzflimmern, wenn ich Schriften in der Hand halte, die um das Jahr 800 entstanden sind oder bei jenen, die für sechs Millionen Euro versichert sind", berichtet Stefanie Volmer begeistert. Sie hat ihre Leidenschaft für alte Handwerkskunst zum Beruf gemacht. Seit einem Jahr ist sie als Restauratorin im Halberstädter Gleimhaus, einem der ältesten Literaturmuseen Deutschlands, angestellt.

"Ich bekomme richtiges Herzflimmern, wenn ich Schriften in der Hand halte, die um das Jahr 800 entstanden sind oder bei jenen, die für sechs Millionen Euro versichert sind."

Stefanie Volmer, Restauratorin im Gleimhaus Halberstadt

Bücher haben die 31-Jährige schon immer fasziniert. "Also nicht, dass ich alles lesen musste", erläutert Stefanie Volmer. "Aber ihr Einband und wie sie hergestellt wurden, das hat mich sehr interessiert." Etwas Handwerkliches zu erlernen stand ebenfalls ganz oben auf ihrer Wunsch-Liste, als sie noch Schülerin im Martineum in Halberstadt war. Verstärkt wurde der Berufswunsch durch ein Praktikum im Städtischen Museum Halberstadt.

Restaurator: Ein Beruf mit Seltenheitswert

Nach dem Abitur gleich das Studium antreten - so einfach ist das für künftige Restauratoren jedoch nicht. "Man muss Erfahrung, damals noch zwei Jahre, und eine Mappe mit Arbeitsproben vorweisen", informiert Stefanie Volmer. Um etwas Solides vorweisen zu können, lernte sie deshalb zunächst drei Jahre lang Buchbinderin in Hamburg, bevor sie das Studium "Restaurierung und Konservierung von Schriftgut, Büchern und Grafik" in Hildesheim aufnahm. "Der Studiengang ist eine Nische, wir waren nur zu fünft in meinem Semester", erinnert sich die Restauratorin mit Master-Abschluss.

Mit den Gleimhaus-Mitarbeitern hat sie schon für ihre Abschlussarbeiten Kontakt aufgenommen. "Das hat mir bei meiner Bewerbung sicher geholfen", sagt Stefanie Volmer. "Meinen Beruf in meiner Heimatstadt ausüben zu können, ist das ¿i-Tüpfelchen\'."

Neben der Aufarbeitung und Konservierung von Schriftstücken im Städtischen Museum Halberstadt kümmert sie sich um Aufträge von Privatkunden, zeigt Kindern bei Besichtigungen, wie früher Bücher hergestellt worden, begleitet Exponate auf Wanderausstellungen und fertigt Gutachten für Museen in ganz Sachsen-Anhalt an. Bei den Arbeiten ist Vorsicht geboten. Die Stücke können porös sein oder emfindlich auf Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen reagieren. Ein genaues Wissen über verwendete Materialien, deren Zusammensetzung und Reaktion mit anderen Stoffen sei deshalb wichtig, so die Expertin.

Anfassen dürfen, was sonst in Glasvitrinen liegt

Für Stefanie Volmer macht ihren Traumberuf genau das aus. Sie schwärmt: "Man hält Schriften von Leuten in der Hand, deren Namen man sonst nur entfernt aus dem Schulunterricht kennt. Man kommt mit Dingen in Kontakt, darf sie anfassen, die andere nur durch Glasvitrinen bestaunen dürfen oder sogar nie zu Gesicht bekommen würden." Beeindruckt haben sie etwa Briefe von Martin Luthers Frau, die sie im Studium untersuchte.

Die Kombination aus Handwerk, Wissenschaft und Kreativsein habe es ihr angetan. "Und die Wertigkeit, die Büchern zugeschrieben wurde. Es wurde soviel Aufwand, Geld und Mühe in sie investiert", betont sie. "Ziel meiner Arbeit ist es, ihren Originalzustand weitestgehend zu erhalten und die Schriften für weitere 500 Jahre zu bewahren."

Weitere Infos: www.gleimhaus.de.