Neujahrsbegegnung hat der Harzer SPD-Kreisverband seine Veranstaltung zum Jahresbeginn überschrieben. Die Darlingeröder Sandtalhalle war zur Premiere am Sonntag gut gefüllt, und nicht nur mit Sozialdemokraten.

Von Tom Koch

Darlingerode l "Bitte den Hintereingang benutzen!" steht auf dem handgeschriebenen Zettel an der Tür zur Darlingeröder Sandtalhalle. Die kräftigen 2013er-Wahlniederlagen haben bei der Sozialdemokratie Spuren hinterlassen. Aus Sorge, die Premiere der Neujahrsbegegnung lässt zu viele Stühle unbesetzt, haben die Harzer SPD-Genossen vorsichtshalber nur einen kleinen Teil des Saales eindecken lassen.

Dieser zeigte sich am Sonntagvormittag ausgesprochen gut gefüllt: SPD-Mitglieder aus nahezu allen Regionen des Harzkreises, Bürgermeister, nicht nur mit SPD-Parteibuch, die Chefin der Halberstädter IG Metall, der Chef der Wernigeröder IHK, auch Städtebundtheaterchef Johannes Rieger sind der Einladung von Kreischef Ronald Brachmann gefolgt. Seine Erklärung zum Unterschied der dieser Tage so häufigen Neujahrsemfänge und der ersten SPD-Neujahrsbegegnung: Zwischen den Reden gibt es keine Musik.

Ereignisreich, schwierig und dennoch durchaus erfolgreich - mit diesen Worten beschreibt Brachmann das SPD-Jahr 2013 aus seiner Sicht.

Zur Bilanz gehören die Niederlagen zur Bundes- und zur Landratswahl, beide am 22.September. Sowohl Mario Hennig als auch Landratskandidat Dirk Michelmann hätten einen engagierten Wahlkampf geführt, lobte Brachmann.

"Wir haben ein besseres Wahlergebnis erhofft, vielleicht sogar verdient."

Ronald Brachmann,

Harzer SPD-Kreischef

"Wir haben ein besseres Wahlergebnis erhofft, vielleicht sogar verdient", sagte der Harzer SPD-Chef. An die Adresse von Landrat Martin Skiebe (parteiloser CDU-Bewerber) erklärte er: "Wir sind faire Verlierer und erleben seither ein offenes und konstruktives Miteinander."

Dass es in den finanziell meist kräftig angeschlagenen Harzer Kommunen mitunter laut knirscht, wisse jeder, der die Debatten in der Oberharzstadt verfolge. Es gehe jedoch auch anders, Osterwieck gehe es kaum besser, und doch würden die Probleme weitaus geräuschloser gelöst.

Angesichts der Kommunalwahlen im Mai sagte Brachmann: "Wir brauchen engagierte Menschen, die sich in die bestehenden Strukturen konstruktiv einbringen." So klingt die Absage des Innenpolitikers an die Ortschaftsräte aus Elend, Stiege und Hasselfelde samt ihren Oberharzer Austrittsbeschlüssen.

Da 58Prozent der Wähler im Herbst nicht für CDU/CSU gestimmt haben, gab sich der Sozialdemokrat für den bevorstehenden Wahlkampf zuversichtlich, ohne jedoch eine Zahl der zu erlangenden Kreistagsmandate zu benennen. Dass die SPD im Osten hinter der Linken rangiere, liege auch an ihrer Agenda 2010-Politik. Die entstandenen "sozialen Unwuchten" zu überwinden, das sei die Chance für seine Partei, erklärte der Kreischef.

Brachmann: "Wir wollen Politik so organisieren, dass die kleinen Orte nicht sterben." Der ländliche Raum, dazu gehöre in Sachsen-Anhalt auch der Harz - dürfe nicht zu kurz kommen. Die größte Herausforderung in den kommenden Jahren sei, den Bevölkerungsrückgang plus Überalterung so zu gestalten, dass keine weißen Flecken entstünden.

Zu dieser Herausforderung werde nicht nur erneut eine Finanzdebatte gehören, da der Landtag für 2015/2016 einen sogenannten Doppelhaushalt beschließen wolle. Das werde neue Verteilungskämpfe im Land und neue Aueinandersetzungen auch innerhab der Sozialdemokratie zur Folge haben, blickte Brachmann voraus. Er bat seine Parteifreunde bereits jetzt um einen fairen und sachlichen Meinungsstreit.