Halberstadt l Der Name des Konzertes "Geheimnisse" war Programm. Denn es gab so manches an musikalischer Gestaltung an diesem Vormittag zu entdecken. Unter den Zuhörern im Großen Haus des Nordharzer Städtebundtheaters waren Schüler der Klasse 9c der Halberstädter Sekundar- und Europaschule Am Gröpertor und angehende Kinderpfleger aus der Berufsschule in Böhnshausen.

Das Konzertprogramm diesjährigen IMPULS-Festivals für Neue Musik hätte kontrastreicher nicht sein können: Die Peer-Gynt-Suite Nr. 1, eines der bekanntesten Orchesterstücke der romantischen Musik von Edvard Grieg aus dem Jahr 1888, versus "Central Park in the Dark" und "The Unanswered Question", beides von dem Amerikaner Charles Ives 1906 komponiert.

Gemeinsam ist Grieg und Ives jedoch, dass Werbung, Film und Fernsehen gern auf ihre Musik zurückgreifen. Dies und noch mehr zum Hintergrund der Kompositionen und zum Leben der Komponisten erfuhren die Konzertbesucher vom Dirigenten Phillip Barczewski und der Theaterpädagogin Anja Grasmeier, die durch das Programm führten und dabei die jugendlichen Konzertbesucher mit einbezogen. An verschiedenen Klangbeispielen wurden die Intentionen der Komponisten erläutert, wie beispielsweise aus "Central Park in the Dark". An diesem Stück erläuterte Barczewski die "Collage-Technik" des amerikanischen Komponisten, der die unterschiedlichsten Geräusche im nächtlichen Central Park in New York musikalisch einfängt. Musik aus Restaurants (Ragtime, Dixieland und Walzer) gehört ebenso dazu wie das Hufklappern der Pferde, eine vorbeifahrende Straßenbahn oder eine vorbeiziehende Marching Band.

Noch eindrucksvoller "The Unanswered Question", für Trompete (Matthias Kunert), vier Flöten und Streichquartett. Das Stück wurde in einem Doppeldirigat von Phillip Barczewski und Musikdirektor Johannes Rieger präsentiert. Siebenmal stellt die Trompete eine Frage, sechsmal versuchen die Flöten eine Antwort auf die Frage zu geben: "Wo komme ich her, wo gehe ich hin", sagte Phillip Barczewski. Letztlich bleibt die Frage aber unbeantwortet.

Im Gespräch mit Dirigent und Theaterpädagogin gab es zunächst ein Kompliment für die jungen Zuhörer, die aufmerksam und diszipliniert dem Programm gefolgt waren. Keine Frage für Marvin Walther von der Gröpertorschule. "Wir haben uns bewusst für diesen Konzertbesuch entschieden", erzählte der Neunklässler, der die Kreismusikschule in Halberstadt besucht und Akkordeon spielt. Das unterstrichen auch die Berufsschüler aus Böhnshausen, die gern der Anregung der Musiklehrerin Sandra Günther zu diesem Konzertbesuch gefolgt waren.

Für manche der jungen Zuhörer war es das erste Mal, dass sie Musikern direkt bei der Arbeit auf der Bühne zuschauen konnten, da diese meistens im Orchestergraben sitzen. Besonders beeindruckt hatte die Schüler die Arbeit des Dirigenten. Und so hatte Phillip Barczewski viele Fragen zu beantworten; beispielsweise, wie er sich eine Partitur erarbeitet, wie das mit dem Blickkontakt zu den Musikern läuft oder welche Aufgabe die rechte und die linke Hand eines Dirigenten haben, wie muss das Gehör eines Dirigenten sein, und was kann ein Dirigent mit Mimik und Gestik übermitteln? Fragen, auf die Barczewski gern und ausführlich einging.

"Mir hat es sehr gut gefallen, es ist schöner, Musik live zu hören", sagte Vanessa Mützel von der Gröpertorschule, die früher auch einmal ein Instrument gespielt hat. Marvin Walther fügte hinzu: "Eine CD kann man kaufen, den musikalischen Moment nicht".

Patrick Schulz von der Berufsschule aus Böhnshausen war einer der engagiertesten Gesprächsteilnehmer bei der Interpretation der Musikstücke. "Central Park in the Dark" und "In der Halle des Bergkönigs" waren für ihn eine besonders interessante Erfahrung. Er selbst probiert sich musikalisch als DJ in Richtung Trance aus. Falko Kniestedt, ebenfalls Berufsschüler, war genauso angetan vom Konzert und teilte die positive Gesamteinschätzung seines Mitschülers.