Ehrgeizig ist Waldemar Kapust fraglos. Als Züchter hat sich der Halberstädter einer schwierigen Taubenrasse verschrieben und gleichzeitig einen Namen als Preisrichter gemacht.

Harsleben/Halberstadt l An jedem letzten Sonnabend im Monat zwischen März und Oktober ist lautes Krähen und Gackern in Harsleben zu hören. Verantwortlich sind dafür die Tiere, die die Mitglieder des Halberstädter Rassegeflügelzuchtvereins präsentieren.

Jeweils zwischen 8und 12Uhr wird gefeilscht und gefachsimpelt. "Unsere eigentliche Fläche wird nun als Bauland genutzt. Aber wir haben die Zusage bekommen, unseren Kleintiermarkt vor der Mehrzweckhalle auszurichten", berichtet Waldemar Kapust im Volksstimme-Gespräch. Dort findet auch die jährliche Dezember-Schau statt.

Der 77-Jährige leitet den Verein seit 1982. Im vergangenen Jahr wurde er als Ehrenmitglied und -vorsitzender ausgezeichnet. "Aber ich muss weitermachen, ob ich will oder nicht", sagt Kapust lachend und fügt ernst hinzu: "Uns fehlt der Nachwuchs."

25Züchter seien derzeit aktiv, zu DDR-Zeiten waren es hingegen weit über 40. "Das hat viele Ursachen: Die Arbeit, Wegzug oder auch die schwieriger gewordenen Haltebedingungen für Geflügel in der Stadt", erläutert der Halberstädter. Sein Interesse an dem Federvieh sei jedoch seit seiner Jugend ungebrochen.

Geboren in Ostpreußen, ist er in Groß Quenstedt aufgewachsen. Zu seinem Bedauern in einer Mietwohnung. "Aber zwei Freunde hielten Tauben und mein späterer Chef, ein Bäcker-Meister, ebenfalls", erinnert sich der Vereinschef.

Seine Leidenschaft für die Zucht der Tiere war schnell geweckt. Frisch verheiratet und nach Halberstadt gezogen, legte er sich im Alter von 24Jahren deshalb einen Kleingarten zu - "endlich Platz für eigene Tauben". 1967 wurde der gelernte Bäcker Mitglied im Halberstädter Verein, verschlang Fachbücher über Tauben und hielt regelmäßig Verträge vor Gleichgesinnten. "Um 1971 legte mir der damalige Vorstand deshalb nahe, Preisrichter zu werden", berichtet Kapust.

Drei Jahre Schulungen

Anfangs zögerte er. Doch als er einen solchen erst einmal bei der Arbeit begleitete, entschied er sich für die Qualifikation. Nach drei Jahren Schulungen und Prüfungen hatte er sie absolviert. Eine Rasse zu bewerten, war dem ergeizigen Halberstädter nicht genug.

Er erlangte innerhalb von nur sieben Jahren die Preisrichterzulassung für alle zulässigen sechs Rassen. In dieser Tätigkeit reiste er zu Schauen in ganz Deutschland. "Mittlerweile trete ich jedoch kürzer. Ich fahre nur noch zu etwa 20Ausstellungen in der näheren Region", sagt Kapust.

Neben dem Alter bereiten seine Augen derzeit Schwierigkeiten. Er ist am grauen Star erkrankt und hofft auf eine baldige Operation.

Seit Jahrzehnten machte sich der Senior auch einen Namen als Züchter und heimste unzählige Preise ein: Sieben Mal Landesmeister, fünf Mal Deutscher Meister, 2010 Bundesehrenmeister, um nur einige zu nennen. "Aber auf meinen eigenen Schauen bewerte ich nicht selbst", versichert er.

Verschrieben hat er sich der Rasse deutsche langschwänzige Tümmler schwarze Weißschwänzer. Nicht nur der Name ist kompliziert, auch deren Zucht. "Ich bin wohl der einzige Züchter in ganz Deutschland", sagt Kapust stolz.

Treue Stütze während seiner langen Karriere ist ihm seine Frau Sigrid. "Sie hat sehr viel Verständnis und kümmert sich um die Tauben, wenn ich unterwegs bin", berichtet der Vereinsvorsitzende. Auch heute ist sie für die Pflege der Tiere zuständig - Kapust ist als Preisrichter bei einer Schau in Königerode gefragt.