Halberstadt l Saurier mit Rückenleiden - eine Meldung, die für Schmunzeln sorgt. Berliner Wissenschaftler haben Sauriererknochen untersucht und die These aufgestellt, die Deformationen an den 220 Millionen Jahre alten Knochen stammen von einer entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung. Und wo kommen die in Berlin untersuchten Knochen her? Aus Halberstadt.

Wer jetzt denkt, kein Wunder, die haben unter der Last der Finanzprobleme gelitten, richtet den Blick nicht weit genug zurück. Schließlich mussten Saurier weder Steuern zahlen noch Straßenbahnen, Kindertagesstätten oder Theater finanzieren. Und ob von uns in 220 Millionen Jahren noch Knochen übrig sind, die von der Sorgenlast der zweibeinigen Halberstädter zu Beginn des 21. Jahrhunderts berichten, ist mehr als fraglich. Da ist nicht nur der ungebrochene Boom hin zur Feuerbestattung vor.

Aber eine Frage stellt sich dennoch: Wenn wir schon Knochen nach Berlin schicken, zahlen die dort dafür Geld an Halberstadt? Oder gibt es bald Vereinbarungen mit orthopädischen Kliniken und Universitäten, die die großen Knochen zur Ausbildung nutzen wollen?

Weder noch, ist auf Nachfrage von Museumsdirektor Armin Schulze und Heineanumchef Dr. Bernd Nicolai zu erfahren. Die Knochen sind zum Teil schon kurz nach dem Fund 1910 in der Tongrube der Firma Baerecke Limpricht nach Berlin gelangt. Die Präparation der Knochen habe damals zum Großteil die Firma Klamroth finanziert, berichtet Schulze. Befunden hat sich die Tongrube im Bereich der heutigen Rudolf-Diesel-Straße, etwa dort, wo sich heute die Brachfläche neben dem Straßenbauhof erstreckt. "Aus diesem Grund haben wir ja zum Sachsen-Anhalt-Tag 1999 dort ein kleines Fest mit dem ältesten Halberstädter gefeiert", erinnert Schulze. Bronti, der Nachbau eines Brontosauriers, hatte damals viel Aufmerksamkeit geweckt.

Die Grube, in der der Paläontologe Otto Jaekel 1910 fündig wurde, ist nach Aussage von Florian Witzmann vom Berliner Museum für Naturkunde "eine der wichtigsten Saurierfundstellen Europas". Neben den Dinosauriern wurden dort laut Witzmann auch Riesenamphibien, Schildkröten, Fische und eben die Krokodilsaurier genannten Phytosaurier gefunden.

In Halberstadt selbst sind nur noch wenige der Riesenknochen zu sehen: So im Eingangsbereich des Heineanums, die montierten Skelette eines Plateosauriers (ca. 220 Millionen Jahre alt) und eines Plesiosauriers (ca. 190 Millionen Jahre alt). Die Knochen gehörten ursprünglich zum Bestand des Städtischen Museums, wurden später aber dem Naturkundlichen Museum Heineanum zugeordnet. "Wir selbst haben nur noch ein paar einzelne größere Knochen und Wirbelabschnitte", berichtet Bernd Nicolai. Einige Knochen sind zu DDR-Zeiten nach Wernigerode gebracht worden, andere gingen nach Greifswald. "Auch im Senckenberg-Museum in Frankfurt/Main findet man Knochen von Halberstädter Sauriern", erzählt der Heineanum-Chef.

Ob man in den Museen in Berlin und Frankfurt jetzt noch Leihgebühren einfordern könnte, diese Frage hat wohl noch niemand gestellt. Angesichts der leeren Stadtkasse wäre es vielleicht eine Überlegung wert. Aber wer weiß, vielleicht sorgt so eine Anfrage für Kopfschmerzen ...