Bereits zum sechsten Mal lud Dardesheim gemeinsam mit der Windpark Druiberg GmbH und dem Förderverein Stadt Dardesheim zum großen Jahresempfang ein. Viele Bürger der "Stadt der regenerativen Energien" sowie zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, von Vereinen und Verbänden nahmen diese Einladung am Freitagabend gern an.

Dardesheim. Das Dardesheimer Stadtorchester unter Leitung von Steffen Wendlik, bereits vier Mal Deutscher Meister, erfreute die Besucher im Landgasthaus Zum Adler mit hochkarätiger Blasmusik. Ein gemischtes Musik-Programm mit Melodien aus den Bereichen Film, Musical, Rock und Pop sorgte für gute Stimmung im großen Saal.

Diese verbreitete auch Dardesheims Ortsbürgermeister Rolf-Dieter Künne, der Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann, Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ und alle anderen Gäste herzlich begrüßte und in seinem Jahresrückblick überwiegend Positives zu berichten hatte.

Gut sei es gelaufen trotz vieler Befürchtungen, das erste Jahr in der neu gebildeten Einheitsgemeinde Stadt Osterwieck. Die Politiker im neuen Einheitsgemeinderat hätten sich unter Leitung der neuen Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ zu einem dem Gemeinwohl aller Bürger verpflichteten Gremium zusammengetan. Gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel sei es wichtig, diese so gerecht und effektiv wie möglich zu verteilen – und dies sei bislang gut gelungen, attestierte Künne.

Der Gastgeber aus der 1589 erstmalig als Stadt erwähnten Ortschaft mit heute etwa 850 Einwohnern, zählte eine Vielzahl von Vereinen und Institutionen auf, die das Leben in Dardesheim bereichern und lobte ihre Arbeit: Stadtorchester, Männerchor, Sportverein, Schützengesellschaft, Feuerwehr, Seniorenkreise, Jugendclub und viele andere.

Seit 17 Jahren drehen sich die Windräder in Dardesheim. Mittlerweile wird mehr als das 40-Fache des Dardesheimer Strombedarfs am Druiberg erzeugt. 2010 waren dies etwa 100 Millionen Kilowattstunden.

Aber auch die Stromerzeugung mit Fotovoltaik hat hier enorm zugenommen. Riesige Modulflächen mit Solarzellen sieht man auf den Dächern des Ortes. Ein Drittel des Bedarfs an elektrischer Energie kommt bereits aus diesen umweltfreundlichen Kleinkraftwerken. Solarkollektoren zur Wassererwärmung werden ebenfalls immer häufiger zur Brauchwassererwärmung und Unterstützung der Heizung installiert. Auch bei der Stromerzeugung durch Biomasse, der Wärmepumpen-Technologie sowie der Elektro-Mobilität sind die Dardesheimer Spitze.

Rolf-Dieter Künne berichtete weiterhin über das Projekt Regenerative Modellregion Harz. Die Zusammenarbeit der Windpark Druiberg GmbH mit dem Pumpspeicherwerk Wendefurth im Harz ermögliche dabei den Ausgleich bei Strommangel oder Stromüberschuss. Die 1967 erbaute Anlage in Wendefurth mit 80 Megawatt Leistung habe eine Kapazität von 523 Megawattstunden, die bei Spitzenbedarf abgerufen werden können. Gehe der Bedarf (nachts) wieder zurück, werde mit Windstrom das Wasser in den Hochspeicher zurückgepumpt. "Der drohende Klimawandel und die Gefahren aus der Kernenergie forderten geradezu die möglichst schnelle und umfassende Umstellung auf eine umweltverträgliche Energieversorgung", sagte Rolf-Dieter Künne. Das Projekt Regenerative Modellregion Harz werde mit 10 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Das weltweite Interesse am Dardesheimer Modell locke immer wieder Besuchergruppen und Fernsehteams in das Informationszentrum am Druiberg und überzeuge auch Bürger und Unternehmen davon, mit dem Energiewandel jetzt zu beginnen.

Umweltpreis verliehen

Der jährlich ausgelobte Umweltpreis trägt dieser Entwicklung Rechnung, und so wurden an diesem Abend des Neujahrsempfangs auch die zehn Preisträger 2010 von Ortsbürgermeister Künne, Klaus Bogoslaw und Heinrich Bartelt geehrt (ein ausführlicher Bericht folgt später). Im Weiteren berichtete der Ortsbürgermeister von den abgeschlossenen Bauvorhaben der Stadt und den Plänen für 2011.

Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ lobte in ihrer Grußadresse die Bürger der Stadt für ihr Engagement in Vereinen und Verbänden sowie für ihre Erfolge bei der Umstellung auf regenerative Energien. Sie beglückwünschte das Stadtorchester zur Deutschen Meisterschaft und den Ort zur Eröffnung der ersten Ökostromtankstelle Sachsen-Anhalts. Auch für die positive Kinder- und Jugendarbeit in Dardesheim, das "Rock im Mai"-Open-Air-Konzert, die Beach-Party, die Chorveranstaltung "Chöre auf dem Königsweg", den Titel "Schule ohne Rassismus" für die Sekundarschule "Thomas Mann" und die gute Arbeit der vielen Ehrenamtlichen fand sie anerkennende Worte und wünschte für das neue Jahr gutes Gelingen.

Innenminister Holger Hövelmann konnte sich dem Lob und den guten Wünschen nur anschließen und hob die besondere Bedeutung der erneuerbaren Energien auch für die Wirtschaft des Landes hervor. Windkraft, Solarenergie und Biomasse haben hier nicht nur 20 000 neue Arbeitsplätze ermöglicht, sondern Sachsen-Anhalt auch noch den Titel "Modell-Land für erneuerbare Energien" eingebracht. Etwa 50 Prozent der Elektrizität komme hier heute aus regenerativen Quellen (deutschlandweit ca. 14 Prozent). Dardesheim als "Stadt der erneuerbaren Energien" in der neuen Einheitsgemeinde Osterwieck sei für viele Vorbild, sagte Hövelmann.

Millionen-Scheck für die Stadt

Mut machte der Minister auch zur Bildung kommunaler Unternehmen und wies auf die auslaufenden Konzessionen für die Elektrizitätsnetze hin. Im Landkreis Harz wollen einige regionale Stadtwerke die Versorgung der Energie übernehmen mit hohem Anteil an Öko-Strom zu günstigen Preisen.

Ein Präsent der besonderen Art hatte Holger Hövelmann am Freitag noch mitgebracht. Eine Liquidationshilfe von gut 1,6 Millionen Euro für die neue Einheitsgemeinde Stadt Osterwieck. Die Urkunde hierfür übergab er gut gelaunt an eine strahlende Ingeborg Wagenführ. Die Stadt hatte für Defizite der bis 2009 selbständigen Gemeinden Bedarfszu- weisungen beim Land beantragt. Die Stadtverantwortlichen hoffen, dass dieser Vorschuss in Form einer normalerweise rückzahlungspflichtigen Liquiditätshilfe später in eine Bedarfszuweisung umgewandelt wird und damit nicht ans Land zurückgezahlt werden muss.

Das Stadtorchester gab danach mit bekannten Melodien einen weiteren Beweis seines Könnens, und das überaus leckere Buffet wurde zur Freude aller Anwesenden eröffnet.

 

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