Über die Unterkunftsbedingungen und die Arbeit in der Zentralen Anlaufstelle für Asylsuchende (ZASt) im Land Sachsen-Anhalt informierte sich Barbara Lochbihler. Die Menschenrechtlerin ist Europaabgeordnete der Grünen und war ZASt-Leiter Rolf Harder sowie Innenminister Holger Hövelmann (SPD) eine kompetente Gesprächspartnerin.

Halberstadt. Den Kasernencharakter kann das Objekt nicht leugnen. Trotz der begonnenen Fassadensanierung. Das sieht auch Innenminister Holger Hövelmann. Aber die meisten Menschen, die hier an Halberstadts Stadtrand untergebracht werden, bleiben nicht sehr lange. "Und wir haben den Landkreisen in einem Erlass nahegelegt, die Asylsuchenden in Wohnungen unterzubringen", sagt Hövelmann. Was die aus Bayern stammende Menschenrechtlerin erstaunt. "Gemeinschaftsunterkünfte haben wir hier in Halberstadt und im Land Sachsen-Anhalt auch noch", berichtete Hövelmann, "aber Untersuchungen zeigen, dass die Unterbringung in Wohnungen nicht nur lebenswertere Bedingungen für die Betroffenen schafft, sondern auch nicht teurer ist als die Gemeinschaftsunterbringung." Woraufhin Lochbihler bat: "Das müssen Sie ganz laut den Südländern sagen", denn dort werde nach wie vor die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften bevorzugt. Bisher würden in Sachsen-Anhalt rund die Hälfte der Familien und der alleinreisenden Flüchtlingen in Wohnungen einquartiert, informierte der Innenminister weiter.

Hövelmann nutzte das Gespräch, dem Team um ZASt-Chef Harder für die Arbeit zu danken, die sie tagtäglich leisten. "Wir können die Welt nicht ändern, aber die kleine Welt hier. Ich weiß, dass die Mannschaft sich redlich müht, das Mögliche möglich zu machen, um sowohl die Rechtsvorschriften zu wahren, als auch den individuellen Interessen der Flüchtlinge zu entsprechen." So weit das eben geht.

Die Arbeit ist nicht einfach, das berichtet auch Sozialarbeiter Lutz Wiese, aber er und seine zwei männlichen und zwei weiblichen Kollegen engagieren sich gemeinsam mit den anderen ZASt-Mitarbeitern für ein möglichst gutes Zusammenleben. Deshalb achte man bei der Belegung der schlicht eingerichteten Zimmer auf die Herkunftsländer – soweit sie bekannt sind – um Konflikte der Asylbewerber untereinander schon im Vorfeld vermeiden zu können. Was auch besser gelänge, seit die Zahlen der Asylsuchenden zurückgegangen sind.

Die Menschen, die hierher kommen, haben oft schwere Schicksale, Folter- und Missbrauchserfahrungen hinter sich, viele sind traumatisiert. Lochbihler fragte deshalb nach Therapieangeboten – vor dem Hintergrund, dass die EU diese Aufgabe komplett an die Mitgliedsstaaten abgegeben hat. "Deutschland hat sich für die flächendeckende Einrichtung von Traumatherapiezentren ausgesprochen – der Bund sieht drei als ausreichend an", sagte Lochbihler. In Sachsen-Anhalt gebe es zurzeit zwei psychotherapeutische Traumazentren, berichtete daraufhin Susi Möbbecke, Integrationsbeauftragte des Landes. Das Zentrum in Halle reichte nicht mehr, deshalb gäbe es inzwischen auch in Magdeburg ein solches Therapieangebot. "Sozialarbeiter vor Ort, Ärzte, die unabhängigen Verfahrensberater – alle arbeiten in dieser Frage eng zusammen und wenn man merkt, dass jemand dringend Hilfe braucht, wird das auch organisiert", so Möbbecke.