Das Gleimhaus Halberstadt ist im vergangenen Jahr für das Europäische Kultursiegel nominiert worden. Nach der Freude ist jetzt Ernüchterung eingezogen: Das Literaturmuseum ist nicht für Brüssel nominiert worden.

Halberstadt l Die Freude im Gleimhaus Halberstadt ist groß gewesen, als im Oktober des vergangenen Jahres bekannt wurde, dass das Literaturmuseum für den nationalen Entscheid zur Vergabe des Europäischen Kulturerbe-Siegels vorgeschlagen wurde (Volksstimme berichtete). Mit dem Siegel werden Stätten von europäischer Bedeutung ausgezeichnet. Mittlerweile ist Ernüchterung eingezogen. Das Gleimhaus hat es nicht in den Endausscheid für die Nominierung geschafft, wie Dr. Ute Pott, Chefin des Hauses, auf Volksstimme-Nachfrage bestätigt. "Leider haben wir kein Ticket für Brüssel bekommen."

"Damit haben sich die Juroren für Museen der politischen Geschichte und nicht der Literaturgeschichte entschieden."

Dr. Ute Pott, Direktorin des Gleimhauses

Die Landesregierung Sachsen-Anhalts hatte das Gleimhaus für das Europäische Kultursiegel vorgeschlagen. Bundesweit haben sich sieben museale Einrichtungen für den nationalen Ausscheid qualifiziert. "Geschafft haben es zwei: das Hambacher Schloss und die Stätten des Westfälischen Friedens. Damit haben sich die Juroren für Museen der politischen Geschichte und nicht der Literaturgeschichte entschieden", bedauert Ute Pott.

Das Gleimhaus wird trotzdem an der europäischen Orientierung des Museums weiterarbeiten, so die Direktorin. An einem entsprechenden Konzept wird derzeit geschrieben. Das Museum repräsentiere schließlich in seinen Sammlungen das gemeinsame Kulturerbe der europäischen Aufklärung - vornehmlich das geistige Fundament mit den zentralen Werten, die auch die Grundlage moderner europäischer Politik sind: Toleranz, Humanität, Freiheit, Gleichheit bis hin zu den Menschenrechten.

Im Gleimhaus befinden sich besondere Schätze: Die größte Porträtgalerie deutscher Dichter und Denker des 18. Jahrhunderts und das älteste Literaturarchiv Deutschlands. Seit 152 Jahren ist das einstige Wohnhaus des Dichters und Sammlers Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) als eines der ersten Dichterhäuser Deutschlands der Öffentlichkeit zugänglich. Das Haus mit seiner 130 Bilder umfassenden Porträtsammlung von Persönlichkeiten des geistigen Lebens im 18. Jahrhundert, der 10 000 Briefe umfassenden Korrespondenz Gleims und seiner 12 000 Bände umfassenden Privatbibliothek ist ein Kulturzeugnis des 18. Jahrhunderts. Seit 18 Jahren befindet sich das Museum in Trägerschaft des Förderkreises Gleimhaus.