Es sollte eine feierliche Preisübergabe des "Walter-Krienitz-Vereins zur Förderung der Medizin", doch mit diesen Überraschungsgästen hatte niemand gerechnet. Die Band "Silly" mit Anna Loos ließ es sich nicht nehmen, ihrem Freund Prof. Dr.Wolfgang Wermke persönlich zu gratulieren.

Halberstadt l Der Clou war dem Vereinsvorsitzenden Prof. Dr.Steffen Rickes gelungen. Als er nach der Laudatio für den Mediziner der Berliner Charité zur Preisverleihung eine Tür im Festsaal des Herrenhauses im Burchardikloster öffnete, kamen Anna Loos, Ritchie (Rüdiger) Barton, Uwe Hassbecker und Jäcki (Hans-Jürgen) Reznicek mit ihren Instrumenten herein und gratulierten musikalisch. Nur wenige, frühzeitig erschienene Festgäste hatten etwas von den Proben der Band "Silly" mitbekommen.

Zunächst erinnerte der Vereinsvorsitzende an den steinigen Weg, den der Namensgeber des Preises, der Halberstädter Arzt Dr.Walter Krienitz, einst bis zur einer der Erstbeschreibung von Magenbakterien zurücklegen musste. Für den Vorstand der John-Cage-Stiftung freute sich Hans Jörg Bauer über die Idee, das Haus für solch einen Zweck zu nutzen. Erst kürzlich sei man mit dem Einbau einer Heizung fertig geworden. Dr. Dagmar Rickes habe einst als Oberschülerin Arbeitseinsätze absolviert und geholfen, ein Stück Mauer wieder zu errichten.

"Wir brauchen dringend mehr solche medizinischen Forscher", sagte Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) mit Hinweis auf Krienitz und Prof.Kehr, die für überregionale Aufmerksamkeit gesorgt hatten.

Ratschläge, um der Zeit mit Geist beizukommen

In dem Haus des avantgardistischen Vereins durfte ein philosophischer Vortrag über den "ZeitGeist" von Prof. Dr.Rainer O.Neugebauer nicht fehlen. Mit einer Vielzahl von Zitaten von historischen Persönlichkeiten gab er den Anwesenden gute Ratschläge, um "der Zeit mit Geist beizukommen". Prof. Dr.Steffen Rickes durfte dem Preisträger mehrere Jahre in der Charité "über die Schulter schauen". "Besonders imponiert hat mir, wie Professor Wermke mit den Patienten umging, sich für sie Zeit nahm und nicht nur auf die Technik schaute". Er habe Wissenschaft und Menschlichkeit vereint.

Wegbegleiter Diplomphysiker Berhard Gaßmann hielt die Laudatio und sprach von seinem Charité-Professor als einem Arzt, "der auch ohne Steckdose arbeiten konnte". "Das Vertrauensverhältnis zu seinem Patienten war ein wichtiger Aspekt seiner Arbeit".

Niemand in der Welt habe ein solches Archiv mit Ultraschallbildern der verschiedenen Krankheitsgruppen. "Er war ein Pionier der Dokumentation und hat unglaubliche Dinge festgehalten". Bis heute würden sich die verschiedenen Hersteller bei ihm Rat holen.

"Prof. Wermke beherrscht nicht nur die Ultraschall-Kunst, sondern dirigiert diese Kunst", so der Laudator. Wer seine Ultraschall-Bilder mit Veröffentlichungen in bisherigen Lehrbüchern vergleicht, dem werde der Unterschied ins Auge stechen.

Cage-Spende aus dem Bördekrankenhaus

Wie kommt ein Charité-Professor aber zur Gruppe Silly? Er wohnte einst mit Tamara Danz und weiteren Bandmitgliedern in einem Haus am Berliner Gendarmenmarkt. Die namhafteste Rocksängerin der DDR erkrankte unheilbar an Krebs. Wermke war der einzige Arzt, der sie behandeln und "begnadet einfühlsam" in ihrer ausweglosen Situation begleiten durfte.

Viel Beifall, auch von der Band, gab es für den Halberstädter Nachwuchspianisten Konrad Buschhüter, der erfolgreich zum Festprogramm beitrug.

Nach der Übergabe der "Walter-Krienitz-Gedenkmedaille" enthüllten die Bandmitglieder in der Burchardikirche eine Gedenktafel für Tamara Danz. Eine Gedenktafel für Walter Krienitz, symbolisch für ein Jahr John-Cage-Projekt, spendete der Geschäftsführer des Bördekrankenhauses in Oschersleben, Thomas Wüstner.