Vollbesetzte Stuhlreihen in der Bürgerhalle in Wolfsburg. Halberstädter und Wolfsburger erleben gemeinsam den Auftakt der Jubiläumsveranstaltungen zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft.

Wolfsburg l "Es ist ein frostiger Tag heute. So frostig war auch einmal das Klima zwischen zwei deutschen Staaten." Mit diesen Worten begrüßte Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) am Sonnabendvormittag zahlreiche Gäste in der Bürgerhalle des Wolfsburger Rathauses. Sie waren der Einladung zu einer Ausstellungseröffnung gefolgt, die zugleich der Start in ein Jubiläumsjahr war. Seit 25 Jahren verbindet Halberstadt und Wolfsburg eine Städtepartnerschaft, die von vielen als beispielhaft bewertet wird. Wird diese Partnerschaft doch nicht nur von den offiziellen Würdenträgern der Städte mit Leben erfüllt. "Viele persönliche Kontakte sind entstanden. Vereine, Organisationen, Kunst und Kultur leisten ihren unverzichtbaren Beitrag dazu, dass Halberstadt und Wolfsburg heute zwei befreundete Städte sind, wo die Menschen sich sehr gut kennen", sagte Mohrs.

Immerhin ein Drittel der Zeit, die Wolfsburg als Stadt besteht, begleiten die Halberstädter schon das Geschehen in Wolfsburg. Die VW-Stadt feierte im vergangenen Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Den Partnerschaftsvertrag gibt es seit 25 Jahren. "Die Vorbereitungen dazu hatten bereits 1987 begonnen", erinnerte Mohrs.

Und sein Halberstädter Amtskollege Andreas Henke (Links) erinnerte daran, dass der Vertrag "noch vor der von der friedlichen Revolution erzwungenen Grenzöffnung 1989" geschlossen worden sei. Die Abfassung der Vertrages sei "politisch korrekt, mit internationalem Nimbus versehen." Werde in der Präambel doch sowohl auf den Grundlagenvertrag der beiden deutschen Staaten verwiesen als auch auf die KSZE-Schlussakte von Helsinki. Und aus diesem formalen Akt sei "in der Tat eine sehr lebendige und dauerhafte Freundschaft" entstanden, die vor allem durch den Kontakt der Menschen getragen werde. Im Rückblick auf das abgeschottete System zweier deutscher Staaten, die Grenzöffnung und die deutsche Einheit sei es "ungeheuer wichtig für das gegenseitige Verständnis der Menschen" gewesen, sich auszutauschen. Mit ihren unterschiedlichen Sozialisierungen und Wertvorstellungen der Menschen in Ost und West hätte "ohne das Wecken gegenseitigen Verständnisses die deutsche Einheit nicht gelingen könne", betonte Henke.

In einer launigen Rede berichtete anschließend Halberstadts Museumsdirektor Armin Schulze, wieso ausgerechnet in Halberstadt eine Wanderausstellung zu Leben und Wirken des Reformators Martin Luther erarbeitet worden ist. Er berichtete von der fruchtbringenden Zusammenarbeit mit Arnfried Müller von der Zinnfiguren Offizin Müller und dessen Partner Peter Scheuch, die mit den 28 Zinnfiguren-Dioramen einen "dreidimensionalen Blick" in die Geschichte ermöglichten.

Neben den 27 Tafeln der Luther-Ausstellung stand auch eine Blechwand mit Halberstädter Wappen. Die stamme noch von der Stadtpräsentation, die das Museums anlässlich der Vertragsunterzeichnung 1989 erarbeitet hatte, berichtete Schulze. Er erzählte, dass die Partnerschaft handfest begann - auf der Rückfahrt von Wolfsburg nach Halberstadt hätte er den Kofferraum voller Sanitärkeramik gehabt. "Die tut übrigens noch heute ihren Dienst - in der Besuchertoilette unseres Museums", fügte Schulze schmunzelnd an.

Superintendentin Angelika Zädow vom Kirchenkreis Halberstadt und Pastor Hartmut Keitel vom Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen gingen dann noch kurz auf die Bedeutung von Luthers Wirken in der heutigen Zeit ein. Dabei berichtete Keitel, dass man in Wolfsburg die Idee des friedlichen Nebeneinanders verschiedener Religionen im Alltag lebe. Nachdem er vom Religionsfrieden auf Schloss Wolfsburg, unterzeichnet im am 13. Juli 1555 berichtet hatte, erläuterte Keitel, dass im vergangenen Jahr das Abraham-Forum Wolfsburg gegründet wurde. In diesem setzten sich Vertreter beider jüdischer Gemeinden, der christlichen Kirchen und des islamische Kulturverein für ein friedvolles Zusammenleben in Wolfsburg ein.

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