Blankenburg l Mit Unverständnis hat Blankenburgs Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) auf die Kritik von Kreistagsmitglied Eberhard Schröder (Linke) an der geplanten Sanierung zweier Grabmale von ehemaligen Offizieren der Kaiserlichen Marine reagiert. "Laut Satzung ist die Stadt in der Pflicht, das Grab von Karl von Müller zu pflegen", machte Noll deutlich.

Außerdem habe Blankenburg einen historischen Friedhof, der insgesamt gepflegt werden müsse. "Das ist für uns selbstverständlich und keine Wertung der Politik der deutschen Kolonialzeit. Die Spende der Marine hilft uns dabei, diese Pflege ein bisschen besser zu machen", so das Stadtoberhaupt, der auf viele weitere historische Grabmale auf dem Friedhof verweist, die dazu anregen, über die deutsche Geschichte nachzudenken.

Allerdings ist das Grabmal von Johannes Christ (1855-1902) - Major der deutschen Kolonialtruppen in China - besonders stark durch Vandalismus beschädigt. Deshalb lag es nahe, die 500-Euro-Spende der Besatzung der ehemaligen Bundeswehr-Fregatte "Emden" dafür einzusetzen. Darüber hinaus haben die Soldaten aus ihrer Bordkasse weitere 500 Euro für ein Spielgerät gespendet, das im Freibad "Am Thie" aufgestellt werden soll.

"Eine Bilderstürmerei steht uns in der heutigen Zeit nicht gut zu Gesicht."
- Internet-User Klaus Kolditz

Wie Noll weiter erklärte, habe er bei seiner China-Reise im Sommer vergangenen Jahres den Investor des Hotelprojektes in Blankenburg auf die Kolonialzeit angesprochen. "Im Gegensatz zu uns wird die deutsche Besatzungszeit in China deutlich weniger negativ bewertet", habe er aus den Gesprächen unter anderem direkt in der Hafenstadt Tsingtau erfahren. In Tsingtau war der Kreuzer "Emden" mit seinem Kommandanten Karl von Müller (1873-1923) von 1911 bis 1914 stationiert.

Die Kritik von Eberhard Schröder, das Sanieren der Grabmale auf dem Blankenburger Friedhof dürfte nicht als städtische Aufgabe bezeichnet werden, hat auch über die Volksstimme-Seite im sozialen Netzwerk "facebook" zu einer regen Diskussion geführt.

"Ein solcher Grabstein bietet Chancen, über die Geschichte aufzuklären und nicht zu vergessen."
- Internet-User Flori Dartman

Während es Wernigerodes Linke-Stadtrat Thomas Schatz nicht überrascht, dass "in der Bundeswehr der Geist des Imperalismus lebendig ist" und "auch in Blankenburg herumspukt", sehen die übrigen Kommentatoren das Thema aus einer anderen Perspektive. So schreibt Mario Irrgang: "Ich bin für eine Sanierung der Grabstätte, zumal sie ja mit Spendengeldern saniert wird und nicht mit Haushaltsmitteln." Klaus Kolditz schreibt: "Die Erinnerung an die Geschichte, mag sie gut oder schlecht gewesen sein, kann man nur bewahren, wenn ihre Zeugen und Denkmäler erhalten werden. Eine Bilderstürmerei steht uns in der heutigen Zeit nicht gut zu Gesicht." So sieht es auch User Flori Dartman: "Man sollte bei aller berechtigten Kritik bedenken, dass so ein Grabstein auch Chancen bietet, genau darüber aufzuklären und nicht zu vergessen."

Er wünsche sich, man hätte mehr von der DDR stehen gelassen: "Ein besseres Zeugnis für jene Zeit kann es gar nicht geben. Und in wie vielen Dörfern werden die Soldaten der Weltkriege als Helden gefeiert, an Gedenkstellen und Ehrentafeln. Das ist Geschichte. Unsere Aufgabe sollte es sein, anhand jener unsere Zeit zu erklären."

CDU-Stadtrat André Weber aus Wernigerode kritisiert die Aussagen der Linken mit einer Portion Sarkasmus: "Bei so viel Geschichtsverständnis können wir ja endlich die Straßennamen aus Zeiten der SED-Diktatur umbenennen und ihre Denkmäler aus der Öffentlichkeit entfernen. Wie wäre es mit dem Marx-Denkmal in Wernigerode?" Daraufhin entgegnete Linke-Stadtrat Christian Härtel: "Dann müssten ja alle Kaiser-, König- und Militaristen-Denkmale entfernt werden, die allesamt keine demokratisch gewählten Volksvertreter waren. Da blieben bis auf Flurnamen in allen Städten fast kein Denkmal oder Straßenname übrig."

Andreas Vogt aus Düsseldorf brachte es kurz und knapp auf den Punkt: "Bitte sanieren und an die Menschen erinnern."