Die Karnevalsvereine wollen zusammenrücken. Nicht nur in der Osterwiecker Region. Der Deersheimer Narrenclub war Gastgeber einer Premierenveranstaltung - gestaltet von fünf Vereinen.

Deersheim l Dass das Karnevalsprogramm erst eine halbe Stunde nach Veranstaltungsbeginn startete, hatte seinen guten Grund. Wenn Vertreter aus fünf Vereinen zusammenkommen, gibt es einiges zu bereden. Denn im großen Rest der Saison hat jeder seine eigenen Veranstaltungen und daher kaum die Möglichkeit, bei den Nachbarvereinen vorbeizuschauen.

Das Deersheimer Elferratsmitglied Ingolf Meerbote hatte die Initiative ergriffen und die Vereine ringsherum angesprochen. Bühne-Rimbeck, Ilsenburg, Osterwieck, und Rhoden sagten zu und schickten Abordnungen samt Programmpunkten in die Deersheimer Edelhofhalle. "Nächstes Jahr wollen auch Anderbeck und Hessen mitmachen", berichtete Meerbote. Hessen hatte am selben Abend schon die erste eigene Veranstaltung.

"Anliegen ist es, dass die Karnevalsvereine zusammenrücken", erklärte Tobias Sallie, der Präsident des Deersheimer Narrenclubs. Sie wollen sich damit gegenseitig mehr unterstützen. Zum Beispiel durch Austausch aus dem Kostümfundus, der die einzelnen Vereine viel Geld und Arbeit kostet. Oder durch Austausch von Programmteilen. "Tanzgruppen haben wir sicher genug, aber es fehlen oft die Büttenreden", berichtete Sallie. Vergangenes Jahr waren deshalb schon Gastredner aus Hessen und Osterwieck im Deersheimer Programm aufgetreten.

Es fehlt oft der Nachwuchs für das gesprochene Wort. Rhodens Karnevalsvereinspräsident Rolf Mutschall freut sich deshalb, mit David Kawitzke einen jungen Büttenredner in seinen Reihen zu haben. Doch insgesamt ist das eher die Ausnahme. Auch der RCC aus dem Fallsteindorf pflegt bereits seit einigen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit den Karnevalisten vom Dorfclub Bühne-Rimbeck. Darüber freut sich der Rimbecker Hans-Jürgen Kaufhold, denn in seinem Ort hat der Karneval nicht solche breite Basis wie anderswo. Es gibt nur ein Veranstaltungswochenende. "Es ist eine gute Idee, dass wir hier zusammenkommen", sagte deshalb Kaufhold, der den Deersheimer Karneval schon in der Jugendzeit erlebt hat.

"Uns geht es ja noch relativ gut", sagte Stefan Wiegmann, Vereinsvorsitzender beim Osterwiecker Carnevalsclub. Aber auch er sieht das Büttenredner-Problem. Nach Deersheim brachten die Osterwiecker ihren "Sachsen" Holger Greulich mit. Seine neue Rede hatte aber noch keine Vorpremiere. "Die ist noch nicht fertig", verriet Sitzungspräsidentin Ulrike Alpert.

Von außerhalb der Stadtgrenze kam die Ilsenburger Carnevalsgemeinschaft nach Deersheim. Die Harzstädter haben gute Kontakte zu Vereinen in Blankenburg, Elbingerode oder Stiege, wie Vereinsvorsitzender Wolfhard Sulkowski berichtete. Er freute sich über die Einladung an den Fallstein. "Jetzt können wir hier einmal sehen, wie sie tanzen und Büttenreden halten." Ehrenpräsident Klaus Giese machte auf ein ganz anderes Problem der Ilsenburger aufmerksam - das der fehlenden Zuschauer. "Zu DDR-Zeiten hatten wir 17 Veranstaltungen in der Saison, dieses Jahr sind es zwei", erklärte er. Und zeitgleich zu einer Veranstaltung trete diesmal auch noch Cindy aus Marzahn in der Harzlandhalle auf.

Diese gemeinsame Veranstaltung wollen die Karnevalsvereine beibehalten und möglichst auf den Harzkreis ausdehnen. Rhoden hat sich für das nächste Jahr bereits als Gastgeber angeboten.

Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) hat dieses erste Treffen in Deersheim übrigens auf karnevalistische Weise gewürdigt. "Ich hatte versprochen, wenn die Vereine das schaffen, halte ich eine Büttenrede." Auch wenn die textliche Umsetzung ihrer Ideen angesichts des gereimten badischen Dialekts unverkennbar von Deersheims Ortschef Wolfgang Englert stammte.

   

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